Dans le creux
Dans le creux
Lys Arango
6. Juni 2025
In dem Zimmer eines Sozialhotels in Frankreich steht ein Reiskocher auf dem Sarah, ein 13-jähriges Mädchen aus der Elfenbeinküste, lebt in einem Sozialhotel in Paris und isst jeden Abend Spaghetti in ihrem Zimmer. Da ihre Mutter lange Arbeitszeiten hat, kocht Sarah oft selbst auf einer kleinen elektrischen Kochplatte. Der begrenzte Zugang zu geeigneten Kücheneinrichtungen und Lebensmitteln kann zu einem Mangel an essenziellen Nährstoffen führen und die Gesundheit beeinträchtigen
Lys Arango: Seit 2019 arbeite ich an einem Langzeitprojekt über den Welthunger. Nachdem ich für die Presse und humanitäre Organisationen über Lebensmittelkrisen in mehr als 20 Ländern berichtet hatte, wurde mir klar, dass ich mich dem Thema auf eine tiefere und persönlichere Weise nähern muss.
Als die Pandemie ausbrach, gefolgt vom Krieg in der Ukraine und der Energiekrise, sah ich, wie sich der Hunger in Europa, einschließlich Frankreich, stillschweigend ausbreitete. Ich wollte mich mit diesem Widerspruch auseinandersetzen: Wie ist es möglich, dass Millionen von Menschen in einer der größten Agrarmächte der Welt keine Ressourcen zur Ernährung haben? So entstand Dans le creux – ein Kapitel meines globalen Projekts, das sich mit dem Hunger in den Industrienationen befasst.
Inwiefern spiegelt der Titel Dans le creux die Essenz des Projekts wider?
Im Französischen kann Dans le creux sowohl eine physische als auch eine emotionale Leere ausdrücken. Es spricht von Leere – eines Magens, eines Kühlschranks oder eines Moments im Leben. Es suggeriert Zerbrechlichkeit, ein Innehalten oder einen Ort, an dem man auf Veränderung wartet.
Die Menschen, die ich getroffen habe, befanden sich oft in einem Übergangszustand ihres Lebens, am Rande der Gesellschaft. Der Titel umgeht die Sensationslust. Denn der Hunger in Frankreich ist diskret, oft unsichtbar. Ich wollte, dass der Titel diese Subtilität widerspiegelt.
Was war Ihr fotografischer Ansatz zum Thema Hunger und Ernährungsunsicherheit?
Meine Absicht war es, von stereotypen Bildern der Armut wegzukommen. Ich arbeitete langsam, verbrachte Zeit mit den Menschen, die ich fotografierte, hörte mir ihre Geschichten an und kehrte Woche für Woche zurück. Ich wollte Porträts und Bilder schaffen, die die Würde und Komplexität der Menschen respektieren.
Die Serie besteht aus stillen Momenten – Warten, Gesten, Schweigen –, die vom täglichen Leben unter Druck erzählen. Ich habe mich von der Idee leiten lassen, ohne jemanden bloßzustellen oder auf seine Verletzlichkeit zu reduzieren.
Was war die größte Herausforderung, der Sie sich bei diesem Projekt stellen mussten?
Die größte Herausforderung war der Umgang mit der Unsichtbarkeit des Hungers in Frankreich. Hunger schreit nicht, Hunger flüstert. Im Gegensatz zu humanitären Kontexten mit sichtbaren Krisen sind die Anzeichen hier subtiler: ausgelassene Mahlzeiten, leere Kühlschränke, lange Wartezeiten auf Nahrungsmittelhilfe.
Es bedurfte einer langsamen, geduldigen Annäherung, um zu verstehen, was vor sich geht, und auch, um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Denn zunächst waren viele überrascht, dass sich jemand die Zeit nimmt, ihnen zuzuhören. Einige sagten mir, dass sie sich zum ersten Mal „gesehen“ fühlten – nicht nur als jemand in Not, sondern als Mensch mit einer Geschichte. Das bedeutete mir sehr viel.
Wie hat die Leica M10 Ihre Arbeit unterstützt?
Sie ermöglicht es mir, langsam und gezielt zu arbeiten, was bei sensiblen Themen wie Ernährungsunsicherheit unerlässlich ist. Ihre diskrete Präsenz trägt dazu bei, ein Gefühl des Vertrauens und der Intimität zu schaffen, das es mir ermöglicht, nah dran zu sein, ohne Aufdringlichkeit. Die M10 gibt mir den Raum, zu beobachten, zu warten und präsent zu bleiben. Dieser Rhythmus passt zu meiner Art zu arbeiten – ruhig, geduldig und aufmerksam.
Lys Arango+-
...ist eine spanische Fotografin und Autorin. Sie lebt meistens dort, wo sie arbeitet, ist aber derzeit in Paris ansässig. Sie hat einen Abschluss in Internationalen Beziehungen und einen Master in Journalismus. Zwischen 2016 und 2019 arbeitete sie in 17 Ländern, die von schweren Lebensmittelkrisen betroffen waren. Jetzt geht sie humanitäre Themen aus einem fotografischen Blickwinkel an und erforscht, wie sie in historischen und kulturellen Kontexten zusammenlaufen. Mehr
In dem Zimmer eines Sozialhotels in Frankreich steht ein Reiskocher auf dem Sarah, ein 13-jähriges Mädchen aus der Elfenbeinküste, lebt in einem Sozialhotel in Paris und isst jeden Abend Spaghetti in ihrem Zimmer. Da ihre Mutter lange Arbeitszeiten hat, kocht Sarah oft selbst auf einer kleinen elektrischen Kochplatte. Der begrenzte Zugang zu geeigneten Kücheneinrichtungen und Lebensmitteln kann zu einem Mangel an essenziellen Nährstoffen führen und die Gesundheit beeinträchtigen
In dem beengten Zimmer eines Sozialhotels in Frankreich steht ein Reiskocher auf dem Boden – Teil einer improvisierten Küche. Viele der Migrantinnen und Migranten die in solchen Hotels leben, haben keinen Zugang zu einer richtigen Küche und müssen mit begrenzten Mitteln in ihrem Zimmer kochen. Der Mangel an ausreichender Belüftung und Platz erhöht die Brandgefahr sowie das Risiko von Verbrennungen und anderen Verletzungen beim Kochen
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