Pepe und Tony, spanische Fischer
Pepe und Tony, spanische Fischer
Louis Stettner
20. Juni 2025
Während des Aufenthalts auf der spanischen Insel Ibiza wuchs seine Neugier, den Fischfang zu begleiten. Vor allem interessierte ihn der Fang des Zackenbarsches (mero), für den es Erfahrung und genaue Kenntnisse des Meeres brauchte. „Ich hatte beschlossen, dass es eine spannende und interessante Fotoserie werden würde, wenn ich zeige, wie dieser König des Meeres gefangen wurde. Außerdem hatte ich, ehrlich gesagt, große Lust zu fischen! Also musste ich eines Morgens sehr früh aufstehen und zum Hafen hinuntergehen. Es war noch dunkel, als ich durch die engen, kopfsteingepflasterten Gassen der Altstadt von Ibiza stolperte und die Kameras um meinen Hals festhielt“, beschreibt Stettner den Beginn seines Abenteuers. Mit Pepe und Tony fand Stettner zwei Fischer, die ihm erlaubten, auf ihrem kleinen Boot mitzufahren. Der Schiffsführer stellte sich selbst vor: „Tony, Kapitän und Eigner des schönen Bootes Joven Antonio (Junger Antonio), benannt nach seinem ältesten Sohn. Pepe ist die Ein-Mann-Crew, die ihn auf Trab hält. Es ist ein kleines Boot, aber aus dickem, schwerem Holz, denn Fischerboote im Mittelmeer müssen sehr zäh und stark sein. Schnelle Sportboote können leicht gebaut sein, aber die kleine Joven Antonio ist wie ein robustes Pony, langsam, aber zuverlässig, das eine Menge Arbeit zu erledigen hat“, so die Erläuterungen Stettners.
Das in dem Buchentwurf entwickelte Layout hat filmische Qualitäten, von der Ausfahrt aus dem Hafen über die ersten Fangversuche bis hin zum erfolgreichen Ende der Jagd auf den mero mit eigens angefertigten Rattankörben. Nach gelungenem Fang stehen am Ende der Verkauf und das zufriedene Beisammensein der Fischer in einem Café. Spektakulär sind die Bildmotive: Die Fischer und ihre harte Arbeit stehen im Mittelpunkt der Nahaufnahmen, meist im engen Bildausschnitt und in stimmigen Kontrasten. Der Fotograf zeigt die Mühe, aber auch Energie der Handarbeit, das Zusammenspiel der Männer mit den Bedingungen auf dem Wasser. „Allein auf dem Meer in einem kleinen Boot mit zwei Fischern, von sechs Uhr morgens bis fünf Uhr nachmittags, immer wieder meine Kameras auf sie gerichtet. Die Sonne dreht sich langsam um uns. Das Licht, das von der Seite kommt, und die tiefen Schatten des frühen Morgens, der direkte Lichtstrom der frühen Nachmittagssonne, dann das weichere Nachmittagslicht. Das Boot wird zu einem Studio auf dem Wasser mit Lichtern, die sich selbst verändern. Aber das Wichtigste sind die beiden Fischer, das kleine Boot und alles, was sich im Inneren des Bootes befindet“, berichtete Stettner.
Ganz im Sinne seiner humanistischen Tradition und sozialpolitischen Einstellung verklärt Stettner die Arbeit der Männer nicht, sondern zeigt an ihrem Beispiel die körperliche Anstrengung, die Kraft und Vitalität und die gleichzeitige Gelassenheit der Fischer.
LFI 4.2025+-
Ein umfangreiches Portfolio des Fotografen finden Sie im LFI Magazin 4.2025. Mehr
Weitere Infos+-
Weitere Motive auf der Homepage des Louis Stettner Estate.
Eine Retrospektive zu Stettners Werk ist während der diesjährigen Rencontres d’Arles zu zu sehen.
Im November wird während der Paris Photo die Galerie Bildhalle aus Amsterdam und Zürich die Serie Pepe und Tony auf der Messe präsentieren.
Louis Stettner+-
Wurde am 7. November 1922 in Brooklyn, New York geboren. 1939 begann seine Zusammenarbeit mit der Photo League, die bis in die 1940er-Jahre andauerte. Nach Kriegsdienst ab 1945 in Paris; 1950 Hauptpreisträger im Life-Wettbewerb für junge Fotografen. Rückkehr nach New York, lebte abwechselnd in beiden Städten, bevor er 1990 endgültig in die Nähe von Paris zog. In den 1970ern unterrichtete er am Brooklyn College, Queens College und an der Cooper Union New York. Zahlreiche Ehrungen, Ausstellungen und Veröffentlichungen; 2001 wurde er von der französischen Regierung zum „Chevalier des Arts et des Lettres“ ernannt. Stettner starb am 13. Oktober 2016 in Paris. Mehr