Pepe und Tony, spanische Fischer

Louis Stettner

20. Juni 2025

Der große humanistische Jahrhundertfotograf (1922–2016) pendelte zeitlebens zwischen Europa und den USA. In LFI 4.2025 stellten wir ihn als Leica Klassiker vor und präsentierten insbesondere sein in den USA entstandenes Werk. Begleitend zum Heft präsentieren wir hier nun Aufnahmen aus seinem Projekt über zwei Fischer auf Ibiza.
In Brooklyn, New York, geboren, kam der Fotograf erstmals 1947 nach Paris. In den folgenden Jahrzehnten lebte er in beiden Städten, bevor er sich 1990 endgültig in der Nähe von Paris niederließ. Dass er nicht nur ein großartiger Vertreter der Street Photography war und die Menschen und Straßen der Großstädte in prägnanten Bildern festhielt, ist in seinem umfangreichen Lebenswerk mit Serien und Aufnahmen zu entdecken, die während seiner vielen Reisen entstanden. Die Serie Pepe und Tony ist von besonderer Bedeutung, entwickelte er mit den Bildern doch ein sehr persönliches Buchprojekt, bei dem er den von ihm selbst verfassten Text mit seinen Aufnahmen verband und selbst ein Layout gestaltete. Es wurde bedauerlicherweise nie veröffentlicht – erst 2016 druckte der französische Verlag Éditions Xavier Barral ein Faksimile der Serie aus Anlass der Retrospektive Stettners Ici Ailleurs im Centre Pompidou 2016, bei der Aufnahmen der Serie erstmals ausstellt wurden. Wir danken seiner Witwe Janet Stettner für die Zurverfügungstellung des ursprünglichen Buchentwurfs und den Hinweis auf das Entstehungsjahr: Statt wie bisher auf 1956 datiert, fotografierte Stettner die Serie Pepe und Tony tatsächlich in den Jahren 1960–1962.

Während des Aufenthalts auf der spanischen Insel Ibiza wuchs seine Neugier, den Fischfang zu begleiten. Vor allem interessierte ihn der Fang des Zackenbarsches (mero), für den es Erfahrung und genaue Kenntnisse des Meeres brauchte. „Ich hatte beschlossen, dass es eine spannende und interessante Fotoserie werden würde, wenn ich zeige, wie dieser König des Meeres gefangen wurde. Außerdem hatte ich, ehrlich gesagt, große Lust zu fischen! Also musste ich eines Morgens sehr früh aufstehen und zum Hafen hinuntergehen. Es war noch dunkel, als ich durch die engen, kopfsteingepflasterten Gassen der Altstadt von Ibiza stolperte und die Kameras um meinen Hals festhielt“, beschreibt Stettner den Beginn seines Abenteuers. Mit Pepe und Tony fand Stettner zwei Fischer, die ihm erlaubten, auf ihrem kleinen Boot mitzufahren. Der Schiffsführer stellte sich selbst vor: „Tony, Kapitän und Eigner des schönen Bootes Joven Antonio (Junger Antonio), benannt nach seinem ältesten Sohn. Pepe ist die Ein-Mann-Crew, die ihn auf Trab hält. Es ist ein kleines Boot, aber aus dickem, schwerem Holz, denn Fischerboote im Mittelmeer müssen sehr zäh und stark sein. Schnelle Sportboote können leicht gebaut sein, aber die kleine Joven Antonio ist wie ein robustes Pony, langsam, aber zuverlässig, das eine Menge Arbeit zu erledigen hat“, so die Erläuterungen Stettners.

Das in dem Buchentwurf entwickelte Layout hat filmische Qualitäten, von der Ausfahrt aus dem Hafen über die ersten Fangversuche bis hin zum erfolgreichen Ende der Jagd auf den mero mit eigens angefertigten Rattankörben. Nach gelungenem Fang stehen am Ende der Verkauf und das zufriedene Beisammensein der Fischer in einem Café. Spektakulär sind die Bildmotive: Die Fischer und ihre harte Arbeit stehen im Mittelpunkt der Nahaufnahmen, meist im engen Bildausschnitt und in stimmigen Kontrasten. Der Fotograf zeigt die Mühe, aber auch Energie der Handarbeit, das Zusammenspiel der Männer mit den Bedingungen auf dem Wasser. „Allein auf dem Meer in einem kleinen Boot mit zwei Fischern, von sechs Uhr morgens bis fünf Uhr nachmittags, immer wieder meine Kameras auf sie gerichtet. Die Sonne dreht sich langsam um uns. Das Licht, das von der Seite kommt, und die tiefen Schatten des frühen Morgens, der direkte Lichtstrom der frühen Nachmittagssonne, dann das weichere Nachmittagslicht. Das Boot wird zu einem Studio auf dem Wasser mit Lichtern, die sich selbst verändern. Aber das Wichtigste sind die beiden Fischer, das kleine Boot und alles, was sich im Inneren des Bootes befindet“, berichtete Stettner.

Ganz im Sinne seiner humanistischen Tradition und sozialpolitischen Einstellung verklärt Stettner die Arbeit der Männer nicht, sondern zeigt an ihrem Beispiel die körperliche Anstrengung, die Kraft und Vitalität und die gleichzeitige Gelassenheit der Fischer.
Ulrich Rüter
Alle Bilder auf dieser Seite: © Louis Stettner Estate
EQUIPMENT: Leica M

LFI 4.2025+-

Ein umfangreiches Portfolio des Fotografen finden Sie im LFI Magazin 4.2025. Mehr

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Weitere Motive auf der Homepage des Louis Stettner Estate.

Eine Retrospektive zu Stettners Werk ist während der diesjährigen Rencontres d’Arles zu zu sehen.

Im November wird während der Paris Photo die Galerie Bildhalle aus Amsterdam und Zürich die Serie Pepe und Tony auf der Messe präsentieren.

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Louis Portrait
© Jacques Just

Wurde am 7. November 1922 in Brooklyn, New York geboren. 1939 begann seine Zusammenarbeit mit der Photo League, die bis in die 1940er-Jahre andauerte. Nach Kriegsdienst ab 1945 in Paris; 1950 Hauptpreisträger im Life-Wettbewerb für junge Fotografen. Rückkehr nach New York, lebte abwechselnd in beiden Städten, bevor er 1990 endgültig in die Nähe von Paris zog. In den 1970ern unterrichtete er am Brooklyn College, Queens College und an der Cooper Union New York. Zahlreiche Ehrungen, Ausstellungen und Veröffentlichungen; 2001 wurde er von der französischen Regierung zum „Chevalier des Arts et des Lettres“ ernannt. Stettner starb am 13. Oktober 2016 in Paris. Mehr

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