Die Geschichte zum Cover
Die Geschichte zum Cover
Louis Stettner
19. Mai 2025
Louis Stettner, Snack Bar, Central Waiting Hall, aus der Serie Penn Station, New York City 1958; © Louis Stettner Estate
Nachdem er 1946 und 1957 erste Bilder in der Penn Station aufgenommen hatte, kehrte er 1958 immer wieder dorthin zurück. „Ich liebte diesen Ort und das, was dort geschah“, sagte Stettner. „Es war ein weitläufiger und dramatischer Schauplatz, an dem die Reisenden eine Mischung aus Aufregung, stiller Geduld beim Warten und ehrlicher Müdigkeit erlebten, eine Mischung aus strahlend weißem Marmor und geheimnisvollen dunklen Höhlen, in denen die Zeit stillzustehen schien. Ich erinnere mich, dass es sehr einfach und natürlich war, Fotos zu machen. Nachdem ich eine routinemäßige Erlaubnis eingeholt hatte, hatte niemand, absolut niemand, jemals etwas dagegen, dass sein Foto gemacht wurde. Oft waren sie sogar sehr freundlich. Es war ein langer Moment friedlicher, kreativer, ruhiger, aber tiefer menschlicher Dramatik. Ich war sehr glücklich, ja geradezu beschwingt, dort zu fotografieren.“
Stettners Aufnahmen aus der Penn Station leben vom Zusammenspiel zufälliger Begegnungen und von der abstrahierenden Reduktion der umgebenden Architektur. Sie stehen auch für ein Stück Zeit- und Architekturgeschichte New Yorks, denn heute erinnert kaum noch etwas an die Pracht der einstigen Pennsylvania Station. Der alte Bahnhof, ein 1910 fertiggestellter Beaux-Arts-Bau der Architekten McKim, Mead und White, wurde 1963 trotz heftigem Protest der New Yorker und vieler Denkmalschützer abgerissen. „Das Gebäude war aus Marmor, mit viel Liebe und Sorgfalt gebaut, und es verlieh den Menschen, die es durchwanderten, eine große Würde. Es hat die Menschen beruhigt“, erinnerte sich Stettner. In dem Bahnhof, der an seine Stelle innerhalb des Madison-Square-Garden-Komplexes getreten ist, „fühlt man sich eingequetscht, fast wie ein Tier“, beschrieb er seine Gefühle in einem Interview zum Buch.
Das besondere an den Aufnahmen Stettners ist sein Interesse an den Menschen. Andere Fotografen nahmen vor allem die Prachtarchitektur wahr, er verstand die Räume als Bühne für die alltäglichen kleinen Geschichten und Dramen des Lebens. Ein öffentlicher Ort, der immer auch genügend Raum für private Momente bot. Ein Paradox: „An einem Ort, der damals einer der größten und lautesten der Stadt war, findet sich die Eleganz der absoluten Einsamkeit“, bemerkte Adam Gopnik zu den Bildern von Stettner. Genau diese hat Stettner auch im Covermotiv der LFI 4.2025 festgehalten.
LFI 4.2025+-
LFI 4.2025 Das Leica Klassiker-Portfolio zum Werk Louis Stettners ist in der Ausgabe 4.2025 des LFI Magazins zu finden. Mehr
Louis Stettner+-
Wurde am 7. November 1922 in Brooklyn, New York geboren. 1939 begann seine Zusammenarbeit mit der Photo League, die bis in die 1940er-Jahre andauerte. Nach Kriegsdienst ab 1945 in Paris; 1950 Hauptpreisträger im Life-Wettbewerb für junge Fotografen. Rückkehr nach New York, lebte abwechselnd in beiden Städten, bevor er 1990 endgültig in die Nähe von Paris zog. In den 1970ern unterrichtete er am Brooklyn College, Queens College und an der Cooper Union New York. Zahlreiche Ehrungen, Ausstellungen und Veröffentlichungen; 2001 wurde er von der französischen Regierung zum „Chevalier des Arts et des Lettres“ ernannt. Stettner starb am 13. Oktober 2016 in Paris. Mehr
Louis Stettner, Snack Bar, Central Waiting Hall, aus der Serie Penn Station, New York City 1958; © Louis Stettner Estate