Der Tod eines Helden

Jonas Wresch

28. April 2025

Der engagierte kolumbianische Friedensaktivist Edgar Tumiña wurde ermordet. Fotograf Jonas Wresch und Stern-Autor Jan-Christoph Wiechmann unterstützen seine Familie durch den Verkauf von Bildern aus ihrer Dokumentation.
Die Folgen des 52-jährigen Bürgerkriegs in Kolumbien zwischen dem Staat und der Guerillaorganisation FARC sind bis heute für die Bevölkerung spürbar. 2016 endete der Krieg mit einer verheerenden Bilanz: Mehr als 220 000 Tote, 150 000 Verschwundene, sechs Millionen Vertriebene und Millionen Traumatisierte. Auch Edgar Tumiñas Familie ist betroffen: Der Friedensaktivist verlor nicht nur seinen Bruder, sondern am Ende auch sein eigenes Leben.

Der Fotograf Jonas Wresch und der Stern-Autor Jan Christoph Wiechmann haben Edgar Tumiña im Rahmen eines langjährigen Projekts begleitet. Denn: Tumiñas Bruder wurde von Carlos Yatacué, einem ehemaligen Kommandanten der kolumbianischen Guerilla FARC, ermordet. Danach lebten der Bruder des Opfers und der Mörder fast Tür an Tür. Sie begegneten sich täglich auf den Straßen Toribíos, waren konstant mit der Existenz des jeweils anderen konfrontiert. Vergeben und Vergessen? Das war für beide Parteien zunächst undenkbar. Eine Entschuldigung für das grausame Verbrechen erhielt Edgar Tumiña nie. Mehrmals habe Yatacué darüber nachgedacht, es einmal sogar fast geschafft, jedoch kurz vor dem Treffen wieder abgesagt. Lange sehnte sich Tumiña nach Rache – doch letztendlich trug er zur Friedensstiftung bei.

Der Mörder Yatacué nimmt an einem komplexen, in Stufen erfolgenden Resozialisierungsprogramm teil. Statt einer langjährigen Gefängnisstrafe leistet er nun Gemeindedienst ab – 60 Jahre lang, aktuell im freien Vollzug. Bezahlt werden diese Dienste nur minimal, die Sicherung eines Lebensstandards ist damit kaum möglich. Die Resozialisierung sieht jedoch genau das vor: Buße tun, der Familie des Opfers in die Augen blicken und basierend auf der Tradition der indigenen Völker Kolumbiens nach tiefer, spiritueller Vergebung suchen.

Nun wurde Edgar Tumiña ebenfalls ermordet. Die Gründe dafür sind noch unklar. Als Held einer ganzen Nation bleibt er den Menschen in Kolumbien in Erinnerung. Um die Familie zu unterstützen und die bedeutungsvolle Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, haben Jonas Wresch und Jan Christoph Wiechmann eine Aktion ins Leben gerufen: Sie verkaufen Porträts des getöteten Edgar Tumiña. Eine Erinnerung an ihr letztes Treffen. Zu sehen ist ein Mann, der vor allem eines ausstrahlt: Stärke und Widerstandskraft. Tumiña hinterlässt seine Familie mit vier Kindern.

Hier finden Sie die Kampagne.
Eliza Trapp
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© Kien Hoang Le

Jonas Wresch wurde 1988 in Bad Dürkheim geboren. Nach seinem Abitur im Jahr 2007 absolvierte er ein sechsmonatiges Praktikum als Fotograf bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. 2015 schloss er das Studium des Fotojournalismus und der Dokumentarfotografie an der Fachhochschule Hannover ab. Seine Arbeiten wurden in verschiedenen Festivals auf der ganzen Welt ausgestellt. Jonas Wresch ist Mitglied der Agentur Focus. Im Jahr 2016 erhielt er den Freelens Award und war von Juli 2016 bis Juni 2017 Stern-Stipendiat. Mehr

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