Instrucciones para inventar una ciudad

Gregorio Díaz

18. Juli 2025

Grafische Elemente und Primärfarben leiteten den Fotografen während eines Künstleraufenthalts durch die pulsierenden Straßen von Mexiko-Stadt. Sein Blick eröffnet außergewöhnliche Perspektiven und gibt eine Anleitung, die Hauptstadt neu zu erfinden. 
„Caminar con el corazón en la mirada“ – so beschreibt Gregorio Díaz seinen künstlerischen Ansatz. Sinngemäß bedeutet das so viel wie mit Empathie, Aufrichtigkeit und Liebe durch das Leben zu gehen und dass diese innere Haltung im eigenen Blick sichtbar wird. In dieser Phrase spiegelt sich also weit mehr als die bloße Einstellung zur Fotografie – es ist eine Grundhaltung gegenüber dem Leben und den Mitmenschen. In seiner Serie Instrucciones para inventar una ciudad (Anleitung, eine Stadt zu erfinden), die der Fotograf während seines Künstleraufenthalts erarbeitete, der durch die Leica Galerie Mexiko-Stadt und die Galerie Proyecto H ermöglicht wurde, spiegelt sich diese zutiefst menschliche Herangehensweise. Es entstand eine Studie über den urbanen Lebensraum der mexikanischen Hauptstadt mit seinen Farben, Materialien und Menschen.

LFI: Das Projekt ist im Rahmen eines Künstleraufenthalts entstanden. Können Sie uns ein wenig mehr darüber erzählen?
Gregorio Díaz: Dieser Aufenthalt wurde von der Leica Galerie Mexiko City in Zusammenarbeit mit Proyecto H, einer Galerie für zeitgenössische Kunst in der Stadt, organisiert. Die Initiative lädt lateinamerikanische Bildgestalter und Geschichtenerzähler in die Leica-Welt ein und bietet ihnen Zugang zu Ausrüstung und einen Atelierraum bei Proyecto H für die künstlerische Entwicklung. Mein Aufenthalt endete mit einer Ausstellung mit dem Titel Instrucciones para inventar una ciudad, die sich als eine Reihe von Einblicken in die Stadtlandschaft entfaltet, die durch geometrische Formen und Primärfarben offenbart werden, und eine Einladung an die Leute ist, die Stadt mit neuen Augen zu sehen.

Welche Einflüsse – seien sie persönlicher, kultureller oder politischer Natur – haben sich am stärksten auf Ihre fotografische Arbeit ausgewirkt?
Mein Filmstudium hat meine visuelle Herangehensweise maßgeblich geprägt, und die Jahre, in denen ich in der audiovisuellen Abteilung des Museums für Moderne Kunst in Bogotá gearbeitet habe, waren für meine künstlerische Entwicklung von entscheidender Bedeutung.

Gibt es bestimmte fotografische Vorbilder oder Künstler, die Sie inspiriert haben?
Meine größten Inspirationen sind zweifellos die Werke meines Onkels, Hernán Díaz, und meines Vaters, Álvaro Díaz, beides Fotografen. Ich wuchs im Atelier meines Vaters auf, sah ihm bei der Arbeit mit einer Großformatkamera zu und ging mit ihm in die Dunkelkammer. Das waren magische und sehr prägende Erfahrungen. Im Haus meines Onkels lernte ich, genau zu beobachten: Zwischen Antiquitäten und Kunstwerken lagen immer wieder Kameras, Kontaktbögen, Kunstbücher, Collagen und Familienalben herum. Ich verbrachte auch viel Zeit damit, in seinem Heimatelier zu basteln, und er ermutigte mich auch stetig, dies zu tun.

Was fasziniert Sie an urbanen Räumen?
Mich faszinieren der Rhythmus, die Unordnung, die visuelle Kultur und die Art und Weise, wie die Straßen mich ständig dazu auffordern, wachsam zu bleiben. Es ist ein endloses Labyrinth, das ich zu entschlüsseln versuche.

Worauf achten Sie, wenn Sie mit Ihrer Kamera unterwegs sind? Gibt es wiederkehrende Motive oder Situationen, die Sie besonders anziehen?
Ich lasse mich meist überraschen und bin immer auf der Suche nach Farbsynchronisationen oder Zufallsbegegnungen. Wenn etwas meine Aufmerksamkeit erregt, halte ich inne, drücke den Auslöser, und das Bild erscheint. Auf diese Weise unterbreche ich den unablässigen Puls der Straßen. Ich versuche, das zu ergründen, was hinter dem Alltäglichen liegt, es zu durchdringen und es in etwas anderes zu verwandeln.

Was ist Ihr künstlerischer Ansatz – arbeiten Sie mit Konzepten, oder lassen Sie sich treiben?
Ein bisschen von beidem. Ich betrachte die Fotografie als eine Art, zu denken und der Welt einen Sinn zu geben. Aber ich komme immer wieder auf ein Leitprinzip zurück: caminar con el corazón en la mirada (mit dem Herzen im Blick gehen).

Sie sind nicht nur Fotograf, sondern arbeiten auch mit Video und Audio. Was reizt Sie an den einzelnen Medien, und wann entscheiden Sie, welches Sie verwenden?
Jedes Medium bestimmt eine andere Art, die Welt zu erleben und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Die Fotografie ermöglicht es mir, Fragmente der Realität zu isolieren und sie in Bilder zu verwandeln. Mit Video kann ich Bewegung und das Vergehen von Zeit erforschen. Mein filmischer Hintergrund hat mich dazu gebracht, die beiden Medien zu integrieren. Ich entscheide mich nicht immer im Voraus, es hängt davon ab, was mir begegnet. Letztendlich sind beide Medien Werkzeuge, um meine Sichtweise und mein Verständnis der Realität und meines Platzes darin zu vermitteln.

Mit welcher Ausrüstung arbeiten Sie, und warum haben Sie sich gerade dafür entschieden?
Im letzten Jahr habe ich mit dem Leica Q-System gearbeitet. Es ist diskret, vielseitig und ermöglicht es mir, mich nahtlos durch die Stadt zu bewegen.
Pauline Knappschneider
Alle Bilder auf dieser Seite: © Gregorio Díaz
EQUIPMENT: Leica Q3 43 mit Apo-Summicron 1:2/43 Asph

Laberinto del asombro+-

Die Ausstellung mit Bildern des Fotografen ist vom 24. Juli bis zum 28. August 2025 in der Leica Galerie Mexiko-Stadt zu sehen.

Gregorio Díaz+-

Photo by Sofía Carrasco 1
© Sofía Carrasco

Geboren 1996 in Bogotá, Kolumbien. In seiner Arbeit erforscht Díaz die Schnittstelle zwischen Erinnerung, Kunst und zeitgenössischen Identitäten. Seine Leica dient ihm dabei als Werkzeug der Untersuchung und Darstellung. Sein Fokus liegt auf der Street Photography sowie der Architektur- und Kunstfotografie. Der Fotograf lässt auch audiovisuelle Elemente in seine Arbeit mit einfließen. Díaz stellte u. a. im Museum of Modern Art in Bogotá aus. Mehr

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