Body Language

Forrest Walker

12. September 2025

Der amerikanische Street Photographer hat unbewusste, surreal wirkende Posen eingefangen – eine Studie über Verbundenheit und Isolation.
In seiner Serie Body Language (auch Limbo) beschäftigt sich Forrest Walker mit fast unbewusst produzierten Bewegungen und Verbindungen von Personen im öffentlichen Raum. Die Bilder zeigen unverfälschte Momente des Alltagslebens zwischen Verbundenheit und Isolation. Anstatt Menschen in ihrer Gesamtheit zu zeigen, konzentriert der Fotograf auf die Gliedmaßen, mit denen wir uns durch die Welt bewegen – um zu berühren, zu halten, wegzuschieben oder wortlos zu kommunizieren. Die Köpfe und Gesichter seiner Protagonistinnen und Protagonisten aussparend, bleibt etwas Universelleres zurück: die Sprache der Bewegung, der Körperhaltung und der Nähe. Manchmal humorvoll, manchmal verwirrend, spielen die Bilder mit visuellen Illusionen, Überlagerungen und Zufällen.

Hier gibt der Street Photographer Einblick darin, warum die Serie eher durch Instinkt als durch Identität erzählt, warum sich für ihn darin das Leben in unerwarteten Formen entfaltet und wie er beim Fotografieren vorgeht.

Welches Konzept steckt hinter dieser Auswahl aus Ihrer Serie Body Language (die auch unter dem Titel Limbo veröffentlicht wurde)?
Ich wollte untersuchen, wie Körpersprache allein Geschichten erzählen kann, ohne dass Gesichter, Kontext oder Erzählung offensichtlich werden. Für mich zeigen die Bilder, wie selbst die normalste Straßenecke Eindrücke hervorbringen kann, die an Abstraktion oder sogar Träume grenzen. Die Bilder der Serie, die demnächst als Buch erscheint, stammen aus aller Welt. In meiner fotografischen Arbeit habe ich 130 Großstädte in 88 Ländern besucht und nutze diese enorme Vielfalt, um sie in die Auswahl der Fotos der Serie einfließen zu lassen. Ich möchte so die gesamte Körpersprache des Lebens zeigen.

Die Protagonisten in dieser Bildauswahl zeigen verdrehte Bewegungen und fast surreale Posen, die bizarr wirken. 
Ich suche nach Posen und Bewegungen, die auffallen. Ich bin auf der Suche nach Instinkt, Mehrdeutigkeit und flüchtigen Momenten, in denen die Choreografie des Lebens von der Norm abweicht und einiges aussagt, aber auch Fragen stellt. Der Bruchteil einer Sekunde ist flüchtig, aber wenn er festgehalten wird, vermittelt er etwas Einzigartiges und verleiht dem Leben etwas Geheimnisvolles. Fotos konservieren diese Momente und zeigen Gesten und Bezüge, die künstlich wirken, aber völlig real sind – eine Art zufallsgenerierter Poesie, die man nur im wirklichen Leben findet, aber nicht in Inszenierungen.

Es sind keine Gesichter zu sehen – warum? Aus ästhetischen Gründen oder wegen des Datenschutzes? 
Das war eine ästhetische Entscheidung und keine rechtliche, aber dieser Aspekt ist ein zusätzlicher Vorteil, da auf vielen meiner anderen Arbeiten Gesichter zu sehen sind. Bei dieser Strecke hatte ich einen anderen Ansatz, obwohl ich auch sonst ein Auge für das Surreale habe. Aber ich verstecke hier nicht Identität – ich betone die Verallgemeinerbarkeit und beziehe gleichzeitig Individualität mit ein. Durch das Weglassen der Gesichter geht es in den Bildern mehr um Körpersprache – um Bewegung, Spannung, Haltung und Gestik.

Wie sollen die Bilder Ihrer Meinung nach wahrgenommen werden?
Die Fotos laden die Betrachtenden dazu ein, sich selbst in das Bild hineinzuversetzen. Es geht nicht mehr um „eine bestimmte Person auf der Straße“, sondern um eine offenere und emotionalere Interpretation menschlicher Interaktion, Entfremdung oder Surrealität. Dass keine Gesichter zu sehen sind, trägt ebenfalls zu gewissen geheimnisvollen Entfremdungen bei – insbesondere bei dem Gefühl, dass etwas fehlt oder nicht stimmt . Das passt zur Stimmung der Serie und wirft Fragen auf, die den Fokus auf mögliche Antworten in der Körpersprache lenken.
Carla Susanne Erdmann
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Forrest Walker
EQUIPMENT: Leica Q-P mit Summilux 1:1.7/28 Asph, M9, Summilux-M 1:1.4/35 Asph

LFI 6.2025+-

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Forrest Walker+-

Geboren in Montana, aufgewachsen in Oregon. Walker hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften der University of Oregon in Eugene. Seine Arbeiten wurden international ausgestellt und ausgezeichnet, darunter 2023 mit dem 1. Platz beim LensCulture Street Photography Award und 2022 beim Italian Street Photo Festival (Single Image). Kürzlich erschien sein Bildband Populace. Mehr

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