Wellenschlagen

Federico Rios Escobar

24. Oktober 2025

Für sein Projekt Kitesurfing schafft der Fotograf eine Symbiose aus hohen Wellen, Festland, Luft und den Menschen. Dabei zeigt er, welche besondere Bedeutung das Kitesurfing in Kolumbien vor allem für die indigene Bevölkerung der Wayuu hat.
Den Weg zum Kitesurfing fand Federico Ríos Escobar eher zufällig. Vor einiger Zeit begegnete er Beto, einem indigenen Kitesurfer. Durch diesen Kontakt entstand ein Projekt, das die Rolle des Kitesurfings für die Wayuu, das indigene Volk auf der Halbinsel La Guajira in Kolumbien, beleuchtet. Die Aufnahmen schaffen Bewusstsein für indigene Athletinnen und Athleten und zeigen, wie kultureller Stolz und Extremsport auf beeindruckende Weise zusammenfinden.

LFI: Was hat Sie zu den Kitersurfern Kolumbiens geführt?
Federico Ríos Escobar: Als ich zum ersten Mal von Beto hörte, war ich sofort fasziniert. Der indigene Mann kommt aus der Wüsten Nordkolumbiens und hat es geschafft, einer der weltweit besten Kitesurfer zu werden. Ich nahm Kontakt zu ihm auf und hörte mir seine bemerkenswerte Geschichte an: wie er sich das Kitesurfen selbst beibrachte und dieses Wissen dann an seine Familie weitergab; wie ihn der Sport aus einem abgelegenen Dorf, in dem die Mahlzeiten noch über offenem Feuer zubereitet werden, zu internationalen Wettbewerben und weltweiter Anerkennung führte; und wie er trotz seines Erfolgs jedes Jahr nach Hause zurückkehrt, um neue Kitesurfer und Kitesurferinnen auszubilden und seine Fähigkeiten mit Freunden zu teilen.

Welche Bedeutung hat die Verbindung zwischen den indigenen Wayuu und dem Kitesurfen?
Die Wayuu haben wenig Zugang zu nachhaltigen Lebensgrundlagen. In der harschen Wüste Nordkolumbiens sind viele auf die Schafzucht, eher bescheidenen Tourismus oder Arbeit in den Kohleminen und auf den Kohlezügen angewiesen. Diese Arbeitsplätze bieten wenig Stabilität oder langfristige Perspektiven. Aber Kitesurfen verändert das. Die Wayuu verwandeln ihr angestammtes Gebiet in ein Weltklasseziel für den Sport und verbinden Nachhaltigkeit mit kulturellem Stolz. Noch bemerkenswerter ist, dass einige indigene Athleten und Athletinnen aus der Region internationale Bekanntheit erlangen, an globalen Kitesurfing-Wettbewerben teilnehmen und neu definieren, was von einem der entlegensten Winkel Kolumbiens aus möglich ist.

In den Gewässern um die Halbinsel La Guajira findet Kitesurfing in großem Rahmen statt. Was macht den Ort so einzigartig und inspirierend für Ihr Projekt?
Ans Cabo de la Vela zu gelangen ist nicht einfach. Nach dem Flug nach Riohacha muss man die sonnenverbrannten Dünen La Guajiras mit dem Auto überqueren – eine Reise so rau wie die Landschaft selbst. Aber ist man einmal angekommen, fühlt es sich an wie die Entdeckung eines Paradieses: eine Oase am Meer mit unberührten Stränden, warmherzigen Einheimischen und Sonnenuntergängen, die den gesamten Horizont zu entzünden scheinen. Die Luft ist voller positiver Energie, und der Geist des Ortes ist unvergleichlich.

Worauf haben Sie beim Fotografieren von Menschen bei Extremsportarten besonders geachtet?
Das Fotografieren von Extremsport teilt viele Grundprinzipien mit anderen Fotogenres. Für mich bleiben die Grundlagen dieselben: Komposition, Bildaufbau und Licht. In diesen hochintensiven Momenten bemühe ich mich jedoch auch, die Leistung der Athleten hervorzuheben – nicht nur durch technische Präzision, sondern indem ich ihre professionelle Fähigkeit aus einer humanistischen Perspektive einfange. Es geht darum, die Person hinter der Bewegung zu zeigen, die Geschichte innerhalb der Geschwindigkeit.

Welche Ausrüstung haben Sie für dieses Projekt verwendet, und wie unterstützte sie Ihre Arbeit?
Für dieses Projekt habe ich die Leica SL2 verwendet und nutzte zusätzlich eine M10-R. Die M ist immer meine Lieblingskamera, aber für Geschwindigkeit und Sportarten wie diese liefert die SL2 sehr gute Ergebnisse.
Eliza Trapp
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Federico Rios Escobar
EQUIPMENT: Leica SL2, Vario-Elmar-SL 1:5–6,3/100–400, Vario-Elmarit-SL 1:2.8–4/24–90 Asph; Leica M10-R, Summilux-M 1:1.4/35 Asph

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Fede Rios
© Charlie Cordero

Der renommierte Fotojournalist aus Kolumbien (geboren 1980) ist für seine tiefgründige und eindrucksvolle visuelle Erzählweise bekannt. Als regelmäßiger Mitarbeiter der New York Times hat er seine Karriere der Erforschung komplexer Geschichten über Migration, bewaffnete Konflikte sowie das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Umwelt in Lateinamerika gewidmet. Im Jahr 2024 veröffentlichte er sein Fotobuch Darién, das sich auf die Migration durch das gefährliche Darién-Gebiet konzentriert. Dieses Werk folgt auf seine viel beachtete Publikation VERDE aus dem Jahr 2020, die ein Jahrzehnt der dokumentarischen Beschäftigung mit kolumbianischen Guerillas präsentiert. Seine Arbeiten wurden mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet, darunter dem World Press Photo 2025 Long-Term Latam Winner. Mehr

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