Buchtipp: Zoonose
Buchtipp: Zoonose
Cédric Gerbehaye
5. April 2022
Mitarbeiter des Roten Kreuzes beim Verlassen einer Kabine, die der Einteilung von Patienten dient, bevor sie in Abteilungen des Universitätsklinikums Saint-Pierre in Brüssel gebracht werden
Die Porträts zeigen die unermessliche Erschöpfung und Verzweiflung, doch jede Aufnahme war auch ein Augenblick des Trostes, der Wahrnehmung und der Verbundenheit. Mit seinen starken Schwarzweißbildern zitiert er Motive christlicher Ikonografie – Szenen aus dem hektischen Klinikalltag verdichten sich in den Motiven Gerbehayes zu Momenten der Stille, in denen die Leiden Christi in aktualisierter Form aufscheinen. Darstellungen von Heiligen und Märtyrern dienen insbesondere den Porträts der Klinikmitarbeiter als Vorbilder und treffen den Betrachter mit emotionaler Wucht.
Zoonose ist eine intensive Serie, die umso mehr belegt, dass sich hinter allen Statistiken und Nachrichten über die Pandemie einzelne Menschen und Schicksale verbergen. Der Bildband enthält keine Schockbilder, gibt aber umso mehr erschütternde Einblicke in den Alltag von Krankenhausmitarbeitern. Mit seinem empathischen Blick hat der Fotograf einen intensiven Zugang zu dem Thema geschaffen, das die Gesellschaft auch weiterhin begleiten wird. Seine Serie hat bereits jetzt Geschichte geschrieben. Die aktuell steigenden Fallzahlen werden auch in nächster Zeit die in den Krankenhäusern Arbeitenden immer wieder neu fordern. Und so ist das Buch durchaus auch als Appell an die Verantwortung und Solidarität aller zu verstehen.
Cédric Gerbehaye: Zoonose+-
Mit Texten von Caroline Lamarche
160 Seiten, 74 Schwarzweißabb., 19,0 × 26,5 cm
Französisch/Englisch, Le Bec en l’air éditions
LFI 3.2022+-
Erfahren Sie mehr über sein Projekt im LFI Magazin 3.2022. Mehr
Cédric Gerbehaye+-
wurde 1977 in Belgien geboren, ist Dokumentarfotograf, Dozent und Gründungsmitglied der Agentur MAPS. Er ist Autor der Bücher Congo in Limbo, Land of Cush, Sète#13 und D’entre eux, die alle im Verlag Le Bec en l’air erschienen sind. Seine Arbeit hat mehrere internationale Anerkennungen erhalten, darunter den Olivier Rebbot Award des Overseas Press Club of America, einen World Press Photo und den Amnesty International Media Award. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgestellt und sind in zahlreichen Museumssammlungen vertreten. Gerbehaye lebt in Brüssel. Mehr
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