You’ll Never Walk Alone
You’ll Never Walk Alone
Adam Warmington
3. März 2026
LFI: Was ist der Kernaspekt Ihres Projekts?
Adam Warmington: Ich bin mein Leben lang Fußballfan, hatte jedoch nie eine Dauerkarte, und der Sport war nicht das ordnende Prinzip meines Lebens. Genau deshalb habe ich mir diese und weitere Fragen in meiner Serie selbst gestellt: Wie sieht Leidenschaft aus? Und was passiert vor und nach dem Spiel?
Was schafft ein Gemeinschaftsgefühl unter den Menschen?
Ich denke, es ist grundlegender menschlicher Tribalismus, sich in einem gemeinsamen Thema wiederzufinden. Das Prinzip lässt sich auf sämtliche soziale Subgruppen übertragen: Egal ob in der Kirche oder auf der Straße – überall entsteht ein Gefühl von Zusammengehörigkeit. Alle singen dieselben Lieder und tragen die gleiche Kleidung, wie eine Uniform.
Wie fühlt sich ein typischer Spieltag an, und wie sieht er aus?
Ich bin in diese Serie eingestiegen, um etwas zu finden, von dem ich dachte, dass es verloren gegangen sei: das Gefühl der Nostalgie, ausgelöst durch ein Spiel. Der Fußball hat sich seit den 1990er-Jahren und der Gründung der Premier League zweifellos verändert. Oft hört man, dass die Ticketpreise für viele unerschwinglich sind. Aber ich war froh, als ich merkte, dass die Energie und Leidenschaft der Arbeiterklasse zur Teilhabe immer noch allgegenwärtig ist.
Wie ist es Ihnen gelungen, das Zusammenspiel von Euphorie, Alltag und Nationalstolz einzufangen?
Ich lebe seit 20 Jahren in den USA und erlebe England daher jetzt anders. Fotografisch versuche ich, Momente einzufangen, die für mich zutiefst englisch wirken. Indem ich Bewegung sichtbar mache, lässt sich die Energie des Stadions spüren. Für mich ist jedoch der Alltagsaspekt am interessantesten: die Menschen, die Farben und die beschlagenen Fensterscheiben der Pubs.
Nationalstolz ist ein spannendes Thema. Ich sehe mich selbst nicht als patriotisch und halte starken Patriotismus in vielerlei Hinsicht für problematisch. Gleichzeitig bin ich froh, Engländer zu sein – und ich liebe Fußball. Die Kopplung der Idee von Patriotismus mit der fotografischen Inszenierung fühlt sich für mich fast an wie meine eigene grafische Studie.
Was hat Sie dazu gebracht, diese Serie auf analogem Film zu fotografieren?
Die meisten Bilder wurden mit Cinestill 800T aufgenommen. Ich liebe, wie dieser Film Rottöne wiedergibt, besonders bei Neon- oder Leuchtstofflichtern. Beide Teams, die ich fotografiert habe, tragen Rot (Liverpool und Bristol City), daher passte die Farbgebung gut. Film trägt auch zu dem nostalgischen Gefühl bei, das ich unbewusst gesucht habe. Die Bilder könnten genauso gut vor 20 Jahren entstanden sein – sie sind zeitlos.
Adam Warmington+-
Der in Großbritannien geborene Fotograf lebt seit 20 Jahren in der San Francisco Bay Area. Er arbeitet hauptsächlich als kommerzieller und dokumentarischer Filmemacher. Die Fotografie ist jedoch seine erste Liebe. Sowohl seine Bewegt- als auch seine Standbilder hält er stets im filmischen Stil. Seine fotografischen und filmischen Arbeiten waren bereits in zahlreichen Ausstellungen zu sehen, unter anderem im SFO Museum in San Francisco. Mehr