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PORTFOLIO

02.05.2019

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Seit über 30 Jahren beobachtet der Schweizer Fotograf Didier Ruef seine Landsleute mit der Kamera. Nun zeigt er im Buch Homo Helveticus gekonnt die Absurdität des Schweizer Alltags auf.

LFI: Ihre Fotografien entwickeln aus Widersprüchen oder Unerwartetem ihren ganz eigenen Humor. Wie beschreiben Sie Ihren fotografischen Ansatz?

Didier Ruef: Ich blicke nicht neutral, aber mit Liebe und Ironie auf mein eigenes Land. Durch die Kombination von Street- und Reportagefotografie habe ich es geschafft, dieses oft beengte, aber komplexe und vielfältige Land zu entdecken, in das jeder Kanton seine eigene Vielfalt und Geschichte einbringt.

Was unterscheidet die Schweizer von anderen Nationalitäten?

Um ehrlich zu sein, geht es in dem Buch nicht nur um die Schweiz, sondern auch um eine Metapher für Europa und die Lebensweise der Menschen in der westlichen Welt. Meine Bilder konzentrieren sich auf das Schweizer Volk, nationale Symbole und Stereotypen wie Schweizer Fahne, Alphorn, Sauberkeit, Konsum, Banken, Tourismus, Armee, Waffenliebe, ohne auf vorgefasste Klischees und Folklore hereinzufallen… und auf mein Heimatland als Alpenland, das dem Selbstverständnis vieler Schweizer entspricht, die nie vergessen werden, ihren Rasen auch in rauen Höhenlagen zu mähen.

Ist Ihr Buch ein Liebesbrief oder eine Abrechnung?

Weder noch. Es ist eher ein ausführlicher Foto-Essay darüber, wer ich bin und woher ich komme. Ein kleiner Exkurs zu dessen Entstehung: Im September 1988 rasierte mein Freund Lorenzo seinen Kopf nach dem Muster eines Schachbretts. So zeigte er der Außenwelt, was in seinem Inneren vor sich ging. Ich versuchte, diese Dualität zwischen physischer Dimension und mentalem Ansatz in der Fotografie wiederzugeben. Diese Philosophie hat mich so verzaubert, dass ich Fotograf wurde. Jede Aufnahme ist ein Tauziehen zwischen der Reflexion der Realität, die einfach das Reale einfängt, und der subjektiven Konstruktion, die die persönliche Welt des Fotografen, seine Lebenserfahrung, seine Emotionen und Fantasie offenbart. Heute kann ich unmissverständlich bestätigen, dass dieses Bild von Lorenzos Kopf eines der ersten kraftvollen Bilder in meiner fotografischen Arbeit am Homo Helveticus war. Damals war mir das noch nicht bewusst; ich ging ohne übertriebene Reflexion voran, versuchte nur, die mich umgebende Welt mit Bildern einzufangen.

Was ist Ihre Leica-Geschichte?

Ich besitze seit 1988 eine Leica M6 mit Summicron-M 1:2/35 Asph und Summicron-M 1:2/50. Ich habe sie während all dieser Jahre benutzt, als ich analoge Bilder mit meinem Lieblingsfilm Kodak Tri-X 400 aufgenommen habe. Das Buch Homo Helveticus habe ich komplett analog fotografiert. Meine Arbeiten wurden bereits in den Leica Galerien in Salzburg und Zingst ausgestellt. Außerdem leite ich Workshops in Bildbearbeitung, Fotoreportage, Street- und Reisefotografie in der Leica Akademie Schweiz.

Didier Ruef
Homo Helveticus
208 Seiten, 170 Schwarz-Weiss-Abbildungen, Deutsch, Till Schaap Edition, Bern 2018
Hier erhältlich

Equipment: Leica M6 mit Summicron-M 1:2/ 35 Asph und Summicron-M 1:2/50
Alle Bilder auf dieser Seite: © Didier Ruef
Genf, 1988
Bern, 1993
Zürich, 2005
Genf, 1994
Biel, 2002
Sankt Moritz, 2000

Didier Ruef

1961 in Genf geboren, absolvierte Ruef von 1981 bis 1984 ein Wirtschaftsstudium an der Universität Genf. 1985 ging er nach New York, wo er am International Center of Photography (ICP) ein Diplom in Fotojournalismus erwarb. Ruef hat seinen Lebensmittelpunkt in Lugano und arbeitet als freiberuflicher Dokumentarfotograf. Seine Arbeiten wurden in großen internationalen Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht.

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