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PORTFOLIO

29.06.2018

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Bis zu 1000 Menschen leben auf der kolumbianischen Insel Santa Cruz del Islote, die kaum größer als zwei Fußballfelder ist. Obwohl es dort Mängel in der Strom- und Wasserversorgung gibt, scheinen deren Bewohner glücklicher zu sein als die Menschen im Rest des Landes. Der Fotograf Charlie Cordero sprach mit uns über die Mentalität der Einwohner, seine anfänglichen Schwierigkeiten bei der Dokumentation – und erklärt, warum sich ein Besuch auf Santa Cruz del Islote lohnt.


Wie haben Sie von Santa Cruz del Islote erfahren?

Ich habe bei der Lokalzeitung El Heraldo gearbeitet, dort hat mir eine Kollegin von dieser Insel erzählt. Da ich als Dokumentarfotograf schon immer interessant fand, wie sich der Mensch an seine Umwelt anpasst und schwierige Situationen bewältigt, begann ich sofort zu recherchieren. Zu meiner Überraschung habe ich zunächst kaum Informationen über diese winzige Insel gefunden. Von diesem Zeitpunkt an wollte ich alles darüber erfahren.


Wie haben die Einwohner der Insel auf Ihr Vorhaben reagiert?

Es war nicht einfach, als Fremder mit einer Kamera das private Leben der Menschen zu dokumentieren. Alle kennen sich untereinander, sodass ich zunächst als Außenseiter identifiziert wurde. Alle paar Schritte wurde ich gefragt, wer ich sei und was ich mache. Deshalb habe ich zunächst nur wenig fotografiert und viele Gespräche führen müssen. Nach einiger Zeit haben die Menschen auf der Insel jedoch verstanden, dass ich nichts anderes wollte, als der Welt ihre Lebensrealität zu zeigen. Nach und nach verwandelten sich die Gespräche in gemeinsames Lachen.


Hinsichtlich der eingeschränkten Versorgung mit Wasser und Strom, aber auch mit Blick auf die nicht vorhandene Gewalt und Kriminalität erscheint Santa Cruz del Islote wie eine andere Welt. Teilen die Bewohner eine gemeinsame Lebenseinstellung, die sich vom Rest der kolumbianischen Bevölkerung unterscheidet?

Kolumbien ist ein Land voller Bedürfnisse. 27 Prozent der Bevölkerung leben in Armut. Der Unterschied zwischen den Menschen auf Santa Cruz del Islote und dem Rest des Landes liegt wohl im Umgang mit diesen Bedürfnissen. Alle arbeiten dort für ein Gemeinwohl und jeder Einzelne respektiert die Regeln der knappen Wasser- und Stromreserven.

Santa Cruz del Islote mag zunächst wie ein Armenhaus wirken – trotzdem hat sich die Insel dank des Engagements der Bevölkerung stetig weiterentwickelt. Sie haben gelernt, miteinander umzugehen – ganz ohne Autorität, die sagt, was zu tun und zu lassen ist. Die Menschen auf Santa Cruz del Islote sind einfach und bescheiden und haben gelernt, mit wenig glücklich zu sein. Ich persönlich denke, dass die Bevölkerung ein gutes Beispiel dafür bietet, wie man im Rest des Landes nach 50 Jahren Bürgerkrieg friedlich zusammenleben kann.


Wie steht es um den Tourismus auf der Insel?

Die Einwohner von Santa Cruz del Islote haben im Tourismus eine neue Einkommensquelle gefunden und arbeiten daran, dass das in Zukunft auch so bleibt.

Derzeit gibt es ein Team von Fremdenführern mit Grundkenntnissen in Englisch, die die Touristen empfangen. Wieder andere achten darauf, dass die Insel sauber und ansprechend bleibt oder verdienen etwas Geld durch den Verkauf von Kunsthandwerk und traditionellen Mahlzeiten. Zusätzlich haben die Bewohner ein kleines, improvisiertes Aquarium gebaut, in dem Touristen mit Ammenhaien schwimmen können. Diese Einnahmen helfen der Bevölkerung ungemein!

Mehr Fotos von Charlie Cordero finden Sie in der LFI 5/2018.

Alle Bilder auf dieser Seite: © Charlie Cordero
Kamera: Leica Q, Summilux 1:1.7/28mm Asph

Charlie Cordero

Der 1990 in Kolumbien geborene Fotograf hat in Madrid einen Master in Redaktioneller Fotografie und Fotojournalismus erworben. Seine Aufnahmen bewegen sich stets auf dem schmalen Grat zwischen deskriptiv und künstlerisch und erzählen von Menschenrechten, Geschlechterrollen und Landnutzung und schöpfen aus dem kollektiven Gedächtnis.

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