Zwei Augenpaare

8. Juni 2026

Das Ernst Leitz Museum Wetzlar präsentiert vom 11. Juni bis zum 20. September 2026 in kuratierter, dialogischer Weise die fotografischen Arbeiten des Künstlerpaares Donata und Wim Wenders.
Künstlerische Produktion entsteht häufig im Dialog, sei es durch Nähe, Vertrautheit oder Differenz. Bei einer Paarkonstellation eröffnet sich ein umso spannenderer Blick auf den dialogischen Prozess. Der Blick auf die Welt zeigt sich in den Werken von Donata und Wim Wenders auf ganz unterschiedliche Art, doch geeint wird ihre Sicht durch das Interesse an Bildern jenseits des rein Dokumentarischen. In der gemeinsamen Präsentation eröffnen sich neue Perspektiven auf Fotografie, Wahrnehmung und Erzählung. Im Zusammenspiel werden unterschiedliche fotografische Zugänge sichtbar, die sich berühren und zugleich voneinander absetzen – zwischen filmisch geprägtem Sehen und fotografischer Verdichtung, zwischen Weite und Intimität, zwischen Klarheit und Auflösung.

Der 1945 geborene Wim Wenders gehört zu den international prägendsten deutschen Regisseuren. Seine Filme haben Kinogeschichte geschrieben und wurden vielfach ausgezeichnet. Orte spielen darin immer eine zentrale Rolle – etwa in Paris, Texas (1984), Der Himmel über Berlin (1987), Buena Vista Social Club (1999) oder Perfect Days (2023). Parallel dazu hat er ein eigenständiges fotografisches Werk geschaffen. Wenders beschreibt sich selbst als „Reisenden, dann als Regisseur oder Fotografen“. Viele seiner Fotografien entstehen auf Reisen oder an Drehorten. Häufig zeigen sie Landschaften und Architektur in klarer, farbintensiver Bildsprache, in den Details überraschend und bewegend. Meist sind die Motive menschenleer, und doch erzählen die Spuren darin vom Leben und Sein. Anders die Fotografien von Donata Wenders, die 1965 geboren wurde: Ihr Werk ist vor allem schwarzweiß – oft mit Menschen im Fokus – und lebt von einer reduzierten Bildsprache aus Licht und Schatten, Schärfe und bewegten Gesten. In den Bildern finden sich sowohl prominente Zeitgenossen wie Pina Bausch oder Paul Auster als auch Personen, die durch Abstraktion und Unschärfe in den Aufnahmen zu bezaubernden Schattenwesen werden. In ihren fotografischen Installationen arbeitet sie mit experimentellen Formen wie Überblendungen, Doppel- und Langzeitbelichtungen.

In der Ausstellung Zwei Augenpaare werden nun zahlreiche bekannte, vielfach ikonisch rezipierte Motive ebenso wie neuere Arbeiten aus den vergangenen Jahren präsentiert. Ein eigens für die Ausstellung produziertes Interview eröffnet zusätzliche Einblicke in die Arbeitsweisen und Gedankenwelten des Künstlerpaars.
Ulrich Rüter
Alle Bilder: © Wim Wenders / © Donata Wenders
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