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BUCHTIPP

19.07.2018

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Jede Zeit hat ihren Geist - so beginnt das Buch Zeitlos in Bewegung von Armin Walcher, das die Konstrukte Identität, Heimat und Zeitgeist im österreichischen Ausseerland ergründet. Im Interview spricht der Fotograf über den Entstehungsprozess des Buches, die Relevanz von Traditionen und wieso es so wichtig ist, mit Offenheit und Neugierde durch das Leben zu gehen.


Zeitlos in Bewegung macht sich auf die Suche nach dem Beständigen, nach einem Gefühl von Identität. Wie sind Sie zu diesem Thema gekommen?

Schon länger wollte ich ein Projekt umsetzen, das langfristigen Bestand hat. Zudem bin ich als Fotograf interessiert an Menschen, wie sie ticken und was sie zu sagen haben. Zu dieser Spurensuche passte die Region, das Ausseerland, mit ihren Bewohnern perfekt.
Manchmal liegen die besten Geschichten nicht weit weg, man muss sie nur finden. Das war hier der Fall. Die Region und den Menschenschlag kenne ich von klein auf. Er gilt auf eine positive Art und Weise als speziell. Ich wollte herausfinden, warum das so ist.


Worauf möchten Sie mit Ihren Bildern aufmerksam machen, welche Emotionen möchten Sie erzeugen?

Ich möchte auf das aufmerksam machen, was wirklich zählt: miteinander reden, zuhören, nachgeben können, neugierig bleiben, Altes bewahren, jedoch aufgeschlossen für Neues sein. Selbstbewusst und mit Offenheit durchs Leben zu gehen. Die Bilder sollen die Fantasie und die Gedanken anregen. Man soll sich mit dem Buch entschleunigen und auf Dinge im Leben besinnen, die immer öfter versäumt werden.

Weiterhin soll es darauf aufmerksam machen, wie Traditionen gelebt werden – ganz ohne Kitsch und aufgesetzte Klischees. Tradition und Identität sollte jeder von uns in seinem Herzen tragen. Man sollte sie als Kulturgut wahrnehmen.


In Ihrem Buch findet sich eine Vielzahl verschiedener Protagonisten. Wie sah Ihre Recherche zum Thema aus, wie haben Sie die Akteure gefunden?

Insgesamt wurden 30 Geschichten produziert, obwohl am Anfang nur rund sechs geplant waren. Der Weg führte über das Handwerk. Durch viele Gespräche kamen neuer Input und andere Personen dazu. Man musste dabei immer flexibel bleiben.  

Eine Vorstellung über das finale Werk hatte ich bereits im Kopf. Durch Austausch und Kreativität mit Mitmenschen fand ich schließlich die perfekte und spannende Mischung. Auf Menschen muss man zugehen und neugierig bleiben, ohne Vorurteile zu hegen oder an einen möglichen Nutzen zu denken. Dadurch ließen sich immer wieder neue interessante Geschichten und Personen finden bis zu dem Punkt, an dem sich der Kreis geschlossen hat und die Geschichte fertig war.


Wie haben Sie all diese Personen wahrgenommen, wodurch und womit definieren sie ihr Gefühl von Identität?

Durch eine offene und unkomplizierte Art, die man selbst entgegenbringt, öffnen sich auch Menschen in dieser Art und Weise. Man tastet sich heran und findet einen Weg zueinander.

Das Gefühl der Identität definiert jeder für sich selbst, das wird über Generationen weitergegeben. Wahrscheinlich entsteht daraus auch ein gesundes Selbstbewusstsein. Wenn man Identität besitzt, muss man sich dann eigentlich noch fragen, was Identität ist?


Ihr Buch ist mit seinen über 500 Seiten ein sehr ambitioniertes Projekt. Wie lange dauerte es von der ersten Idee bis zum Druck?

Von der ersten Idee bis zum Andruck dauerte es exakt ein Jahr. Wenn ich es jetzt Revue passieren lasse, ist es eigentlich ein Wahnsinn, wie schnell der Band erschienen ist. Bei solch einem riesigen Projekt, das ohne finanzielle Mittel, ohne Auftraggeber und ohne Grenzen entstanden ist, war das ein ordentlicher Brocken, das alles so durchzubringen. Wir hatten ein Team, das ohne finanziellen Anreiz an einem Strang zog. Ein Team, das kreativ ist und ein Werk auf den Markt bringen will, auf das jeder stolz sein kann – auch noch in 20, 30 oder 40 Jahren.

Die 500 Seiten sind entstanden, weil wir uns keine Grenzen gesetzt haben. Jede Geschichte bekam ihren Platz, ohne Wenn und Aber. Es sollte ein Werk ohne Abstriche werden. Ich war immer überzeugt von der Idee, ließ mich nie vom Weg abbringen, auch wenn es nicht immer einfach war, andere davon zu überzeugen. Es war eines der schönsten Gefühle, frei arbeiten zu können, die Ideen so umzusetzen, wie man es selbst will, und sie schließlich so zu präsentieren, wie sie jetzt im Buch zu sehen sind.


Die Fotos sind mit einer Leica S entstanden. Aus welchem Grund haben Sie sich für eine Mittelformatkamera entschieden?

Das Buch zeigt eine entschleunigte Art der Fotografie, bei der Qualität die oberste Prämisse ist. Die Kamera ist robust und vermittelt ein wunderschönes Gefühl. Zudem ist die Bildqualität herausragend und die Optiken sind grandios. Es war eine Freude, diese Kamera zu verwenden.

Im Laufe des Projekts wurde die Kamera komplett ausgereizt. Aber dennoch war immer Verlass auf sie, was für mich einer der entscheidenden Punkte ist. Besonders, wenn man unter schwierigsten Bedingungen mit natürlichem Licht arbeitet – was bei diesem Buch eine Grundvoraussetzung war.

Alle Bilder auf dieser Seite © Armin Walcher
Equipment: Leica S
© Lisa-Marie Reiter

Armin Walcher

Der Weg des 1987 in Schladming geborenen Armin Walcher deutete zunächst in eine sportliche Richtung. Seine Karriere als Ski Alpin-Rennläufer musste er zwar verletzungsbedingt beenden, aber sein Windsurf-Talent führte ihn weiterhin hinaus in die Welt. Nach seiner Matura an der Skihandelsakademie Schladming stand Armin Walcher viel vor der Kamera, doch der Seitenwechsel hinter das Objektiv vollzog sich rasch. Die Leidenschaft für die Fotografie hatte Walchers Vater schon im Kindesalter auf den Sohn übertragen. Immer ernster betrieb der junge Steirer das Hobby, führte erste Auftragsarbeiten aus und entwickelte sich schnell zu einem der erfolgreichsten Fotografen Österreichs.
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