Michelle

Severin Jakob

29. Dezember 2025

Elegant, reduziert, naturverbunden – der Schweizer Fotograf erschafft aus wenigen Elementen eine kontemplative Bildstrecke.
Eine zufällige Begegnung, ein gemeinsames Thema und die besondere Stimmung eines frühen Morgens: Daraus formte Severin Jakob eine Serie, die den Blick auf das Wesentliche lenkt. Im Interview erzählt er, wie sie entstanden ist.

LFI: Wer ist die Protagonistin auf Ihren Bildern, und was zeichnet sie aus?
Severin Jakob: Michelle habe ich eher zufällig kennengelernt — genau in dem Zeitraum, als ich die Leica Q3 43 im Vorfeld für Leica testen durfte und verschiedene Projekte damit umsetzte. Deshalb kannte ich sie zunächst nicht besonders gut. Eine Freundin hat uns miteinander bekannt gemacht, und ich war schon immer beeindruckt von den Menschen, die jeden Tag und bei jedem Wetter im Zürichsee baden.

Als wir miteinander gesprochen haben, kam das Thema Baden zur Sprache und ich dachte sofort, dass daraus eine schöne Bildstrecke entstehen könnte. Was mir aber sofort bei Michelle aufgefallen ist, ist ihre offene, herzliche und spontane Art. Als ich sie für das Projekt angefragt habe, war sie ohne zu zögern sofort dabei.

Welche Stimmung wollten Sie mit dieser Strecke erzielen, und wie haben Sie das fotografisch umgesetzt?
Ich wollte mit einer reduzierten Bildsprache arbeiten und den Betrachtenden viel Raum für eigene Gedanken lassen. Die Bilder sollten positive Emotionen und Sehnsüchte auslösen: nach Ruhe, nach Natur, nach einem Moment nur für sich. Fotografisch habe ich das umgesetzt, indem ich sehr bewusst weggelassen habe, statt hinzuzufügen. Wenig Ablenkung, zurückhaltende Farben und eine ruhige Atmosphäre. Die Kompositionen sind offen gehalten, damit sich die Stimmung entfalten kann und man hineingleiten kann – ohne visuelle Überladung.

Die Strecke hat in der Tat eine sehr harmonische Farbgebung. Haben Sie bestimmte Tageszeiten oder Lichtstimmungen genutzt?
Für mich war von Anfang an klar, dass ich früh am Morgen fotografieren möchte. Zu dieser Zeit wirkt der Zürichsee wie ein schimmernder Teppich, und die Stimmung ist verträumt, ruhig und fast magisch. Während des Shootings hatten wir zusätzlich noch Wolken. Das war perfekt, weil dadurch die Sonnenstrahlen sichtbar wurden, die sich langsam durch den Morgennebel brachen. Genau dieses Gefühl wollte ich einfangen … den Moment, in dem der Tag beginnt.

Gab es bestimmte Herausforderungen beim Fotografieren an und im Wasser?
Im Grunde genommen nicht. Nur eine, die natürlich mit dem Wasser selbst zu tun hatte: Wenn ich einen bestimmten Winkel oder Bildausschnitt im Kopf hatte, musste ich jeweils eine Lösung finden, Michelle so zu positionieren, dass es funktioniert, und gleichzeitig selbst eine stabile Position im oder über dem Wasser einnehmen, von der aus ich fotografieren konnte. Das war manchmal ein kleines Balancespiel, aber genau das macht Fotografie an echten Orten spannend.
Danilo Rößger
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Severin Jakob
EQUIPMENT: Leica Q3 43 mit Apo-Summicron 1:2/43 Asph

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© Lea Della Zassa

Der Schweizer Fotograf hat einen ausgeprägten Sinn für das Authentische. Aufgewachsen im Emmental und heute in Zürich lebend, arbeitet er seit 2015 freischaffend an Porträts, Reportagen und Editorials. Das Interesse an seinen Mitmenschen prägt seine Arbeit ebenso wie seine Wertschätzung des Alltäglichen. Mit ruhiger und sachlicher Bildsprache erschafft er aus flüchtigen Details Aufnahmen von echter Nähe und Tiefe. Mehr

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