Poesie der Kontraste

Pierre et Florent

13. Februar 2026

Das französische Künstlerduo ist für seinen konzeptionellen Ansatz bekannt. Während einer Reise durch Japan entstanden neben geplanten Projekten auch spontane Reisefotografien, die zarte Momente festhalten.
Wo Bäume zwischen Häuserschluchten und Beton emporwachsen und verlassene Industrie von Pflanzen und Ranken überwuchert wird, finden Pierre & Florent eine Realität, die sich in ihrer Art zu Reisen fortsetzt: neugierig, intim und geprägt von ihrer Leidenschaft für Fotografie. Ihre Bilder aus Japan sind ein Zeugnis für ihre Faszination für das Land.

LFI: Können Sie uns mehr über das Projekt erzählen?
Pierre & Florent: Im Oktober 2024 verbrachten wir einen Monat in Japan, um an unserer Fotoserie Ostension zu arbeiten, aber auch einfach aus Freude und um Freunde zu besuchen. Wie bei früheren Reisen nach Japan dokumentierten wir unseren Alltag vor Ort – eine Gewohnheit auf Reisen, die sich im Laufe der Jahre entwickelte.

Wie lange waren Sie im Land, und welche Orte haben Sie besucht?
Während der einmonatigen Reise verbrachten wir einige Tage in Tokio, bevor wir uns auf den Weg in die Küstenstadt Onomichi am Seto-Binnenmeer machten. Dann reisten wir weiter auf die Insel Mukaishima. Wir besuchten auch Hiroshima, sowie die Regionen um Okayama und nördlich von Fukuyama, entlang des Ufers des Ōta-Flusses.

Was fasziniert Sie an Japan, und was macht Ihrer Meinung nach die Ästhetik des Landes so besonders?
Japan ist komplex, facettenreich und befindet sich in ständigem Wandel. Seine Ästhetik lässt sich unmöglich zusammenfassen, da Perspektiven sich aus eigenen Erfahrungen speisen und somit sehr unterschiedlich sind. Wenn wir in Japan sind, suchen wir nach intensiven, überraschenden Landschaften, aber auch nach einem Gefühl von Freiheit und Frieden.
Das Seto-Binnenmeer ist besonders faszinierend. Seine Archipele sind versunkene Berge, von denen lediglich die Gipfel aus dem ruhigen Gewässer ragen. Auf den Inseln gibt es eine unglaubliche Vielfalt an Gerüchen und Landschaften. Nichts ist beruhigender, als mit dem Fahrrad durch alte Dörfer, Plantagen, Wälder und industrielle Hafengebiete zu fahren.

Wonach suchen Sie, wenn Sie unterwegs sind?
Hier haben wir versucht, Details und visuelle Zufälle einzufangen, die uns begegnen – Momente, in denen Schönheit auf Hässlichkeit trifft und die Fassade bröckelt, um der Realität Platz zu machen. In Japan gibt es eine unvergleichliche Poesie der Kontraste. Auch dort gibt es Umweltverschmutzung, Kapitalismus und unkontrollierte Urbanisierung. An vielen Orten, die wir besucht haben, ist jedoch wieder Ruhe eingekehrt, und die Natur holt sich zurück, was die Menschen ihr genommen haben.

Welche Stimmung möchten Sie mit Ihren Bildern vermitteln?
Wenn wir reisen, verfolgen wir außerhalb unserer Projekte aktiv keine bestimmte Ästhetik. Wir lassen uns von Bewegung, Orten und Begegnungen leiten. Orte, die man zum wiederholten Mal bereist, sieht man oft mit anderen Augen als noch beim ersten Mal. Erst fühlt man sich von weiten Landschaften, dem Magischen oder Spektakulären angezogen. Doch dann richtet sich die Aufmerksamkeit auf Details, die nicht sofort ersichtlich sind. Die Stimmung der Bilder ist eng mit unserer Art zu reisen verbunden: intim und introspektiv.

Im Vergleich zu Ihren anderen Projekten scheint diese Serie sowohl inhaltlich als auch in der Umsetzung ganz anders zu sein. Wie würden Sie Ihren Ansatz für dieses Projekt beschreiben?
Wir definieren uns in erster Linie als bildende Künstler, die mit Fotografie arbeiten und sich auf Inszenierung und dokumentarische Erzählung konzentrieren. Unsere Arbeit beginnt in der Regel mit menschlichem Material: Sprache, Erinnerung, Intimität, Emotionen. Unsere Reisefotografien hingegen stellen einen schwebenden Moment dar, einen Raum großer Freiheit, oft ohne menschliche Figuren, geleitet allein von der Freude, den Augenblick zu erleben.
Pauline Knappschneider
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Pierre et Florent
EQUIPMENT: Leica M11, Apo-Summicron-M 1:2/35 Asph

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PIERREETFLORENT_2024_Hanna_ Hrabarska
© Hanna Hrabarska

Seit 2010 arbeitet das französische Fotografenduo zusammen. Die beiden verbindet eine gemeinsame Leidenschaft für das Erleben und Erlebbarmachen von intensiven individuellen und kollektiven Erfahrungen. Ihre Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Performance und Dokumentation, die sie fotografisch festhalten. Dabei spielen sie mit Themen rund um Identität, Emotion und Erinnerung, sowie mit textilen Installationen und Objekten. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt. Mehr

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