Leica Oskar Barnack Award 2025
Leica Oskar Barnack Award 2025
10. November 2025
Alejandro Cegarra - Gewinner 2025
Für sein Langzeitprojekt The Two Walls war der in Venezuela geborene und in Mexiko lebende Fotograf (*1989) im Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko unterwegs. In empathischen Schwarzweißaufnahmen schenkt Cegarra vor allem den Einzelschicksalen der in dieser Region gestrandeten Asylsuchenden Aufmerksamkeit und beleuchtet die dramatische Situation vor Ort. Einst hatte Mexiko den Ruf, ein sicherer Zufluchtsort für Asylsuchende zu sein, doch in den letzten Jahren hat sich das Land zu einem Kooperationspartner der einwanderungsfeindlichen Politik der USA entwickelt.
Als Newcomer setzte sich bereits zum wiederholten Mal ein Bewerber durch, der im Bereich Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover studiert. Serghei Duve wurde 1999 in Chișinău, Moldawien, geboren und kam bereits als Einjähriger nach Deutschland. Seine Serie Bright Memory zeigt, wie das Private als politisch gelesen werden kann, wenn er seine Familie porträtiert und ihre Beziehungen zum international nicht anerkannten Land Transnistrien dokumentiert.
Vor der Auswahl der Shortlist und der Bestimmung der Siegerserien lag wie in jedem Jahr ein langer Vorbereitungsprozess, bevor die fünfköpfige Jury ihre abschließende Arbeit aufnehmen konnte. In der aktuellen Runde waren es mehr als 120 Fotografieexpertinnen und -experten aus rund 50 Ländern, die ihre Vorschläge eingereicht hatten. Insgesamt kamen für die Vorauswahl 281 Serien mit 5351 Bildern von Fotografinnen und Fotografen aus über 65 Ländern zusammen. Der Leica Oskar Barnack Award Newcomer, der seit 2009 die Hauptkategorie ergänzt und Fotografinnen und Fotografen im Alter von unter 30 Jahren auszeichnet, wurde in Kooperation mit und durch die Vorschläge von 20 internationalen Institutionen und Hochschulen aus 17 Ländern bestimmt. Diesmal waren es 50 Vorschläge, aus denen die Jury dann den Newcomer ermittelte.
In der aktuellen LOBA-Runde stehen einige Bildautorinnen und -autoren bereits zum zweiten Mal auf der Shortlist – ihre Themen haben nichts von ihrer Brisanz verloren. Der LOBA 2025 thematisiert die Probleme und Fragen der aktuellen Zeitgeschichte: die Auswirkungen der Klimakrise, Kriegshandlungen und die daraus resultierenden Härten, Ursachen und Folgen von Flucht und Migration, gesellschaftlicher Ausgrenzung und politischer Repression, aber auch die Selbstermächtigung marginalisierter Gruppen. Auf den folgenden Seiten stellen wir die Gewinnerserien und die gesamte Shortlist vor.
LOBA-Katalog+-
ie kompletten Serien und mehr Informationen im LOBA-Katalog 2024, der die Ausstellung in Wetzlar begleitet. Karin Rehn-Kaufmann (Hrsg.), 118 Abbildungen plus Index mit 220 Bildern, 148 Seiten, 26 × 20 cm, Ausgaben auf Deutsch und Englisch. Zu beziehen über den LFI Shop.
Mehr Informationen rund um den LOBA auf der offiziellen Webseite. Mehr
Alejandro Cegarra - Gewinner 2025
Für sein Langzeitprojekt The Two Walls war der in Venezuela geborene und in Mexiko lebende Fotograf (*1989) im Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko unterwegs. In empathischen Schwarzweißaufnahmen schenkt Cegarra vor allem den Einzelschicksalen der in dieser Region gestrandeten Asylsuchenden Aufmerksamkeit und beleuchtet die dramatische Situation vor Ort. Einst hatte Mexiko den Ruf, ein sicherer Zufluchtsort für Asylsuchende zu sein, doch in den letzten Jahren hat sich das Land zu einem Kooperationspartner der einwanderungsfeindlichen Politik der USA entwickelt.
Frederik Rüegger - Shortlist 2025
Zwei Jahre begleitete der deutsche Fotograf (*1993) die englischen und irischen Traveller-Gemein-schaften, denen es immer weniger möglich ist, ihren traditionellen Lebensstil aufrechtzuerhalten. Die Serie I Am a Stranger in This Country gibt Einblicke in ein Leben, das entbehrungsreich, aber auchvon Zusammenhalt geprägt ist. Ausgrenzung und Diskriminierung, durch den Brexit und erstarken-den Natio-nalismus verstärkt, bedrohen ihre Freiheit. Die Aufnahmen entstanden auf Pferdemärkten, den letzten Orten, an denen die Traveller ihre Kultur offen feiern können.
Arlette Bashizi - Shortlist 2025
In Beyond Numbers berichtet die Fotografin (*1999) über eine Region im Osten ihres Heimatlandes, der Demokratischen Republik Kongo, und die Folgen des dortigen Kriegs zwischen der Rebellengruppe M23 und der Armee. Fast acht Millionen Kongolesen wurden in den letzten Jahren vertrieben. Sie dokumentiert das Leben ihrer Gemeinde, die seit 2021 in Nord-Kivu unter den Folgen der Auseinandersetzungen leidet. Damit gibt sie den Menschen, die ansonsten nur anonym in Statistiken auftauchen, Namen und Gesichter und weist auf einen Konflikt im Schatten der Weltöffentlichkeit hin.
Anastasia Taylor-Lind - Shortlist 2025
Seit zehn Jahren berichtet die englische Fotografin (*1981) gemeinsam mit der Journalistin Alisa Sopova über den Krieg in der Ukraine, vor allem in der Donbas-Region im Osten des Landes. Dort begann der Krieg 2014 und ist seitdem besonders zerstörerisch. Ziel des eindrücklichen Langzeitprojekts ist es zu zeigen, was es heißt, jeden Tag inmitten militärischer Gewalt und Bedrohung zu überleben. Im Mittelpunkt der Serie 5km from the Frontline stehen die verheerenden Auswirkungen des Krieges auf die Umwelt, die zugleich auch dramatische Konsequenzen für die Menschen haben.
Lynsey Addario - Shortlist 2025
In der Serie „Mom, I Want to Live“ – A Young Girl Battles War and Cancer beleuchtet die amerikanische Fotografin (*1973) das Schicksal eines ukrainischen Mädchens, bei dem im Alter von zwei Jahren ein seltener Augenkrebs diagnostiziert wurde. Addario dokumentiert den zähen Überlebenskampf des Mädchens, denn die normalerweise heilbare Krebsform konnte nicht weiter behandelt werden. So wird an einem Einzelschicksal deutlich, wie der russische Angriffskrieg tiefe Spuren in der Gesellschaft hinterlässt – fernab der Hauptschauplätze in der vom Leid zerrissenen Ukraine.
Stanislav Ostrous - Shortlist 2025
Die Gebiete der ukrainischen Regionen Donezk, Cherson und Charkiw liegen unter unerbittlichem Beschuss. Wer konnte, hat die Dörfer und Städte verlassen. Die Ärmsten und Alten sind geblieben, weilsie keinen Schutzort fanden, keine Mittel zur Flucht haben oder nicht gehen möchten. Das Überleben hängt von Freiwilligen ab, von Soldaten, Ärzten und Rettungskräften, die sich um die Menschen dort kümmern. Der ukrainische Fotograf (*1972) zeigt in seiner Schwarzweißserie Civilians – The Gray Zone die grausame Realität des Krieges und ihre zivilen Opfer in aussichtsloser Lage.
Jodi Windvogel - Shortlist 2025
Im Zentrum der Serie Life Under Occupation – Cissie Gool House der südafrikanischen Fotografin (*1992) steht ein Wohnprojekt in Kapstadt: ein ehemaliges Krankenhaus, das von Reclaim the City, einer sozialen Bewegung, die für bezahlbaren Wohnraum kämpft, 2017 besetzt und in eine Zufluchtsstättefür fast 2000 Menschen umgewandelt wurde. Es entstand eine Gemeinschaft, die sich gegen ausgrenzende Stadtplanung und fortbestehende Ungerechtigkeiten wehrt. Anhand des täglichen Lebens beleuchtet Windvogel die tiefe Beziehung zwischen den Menschen und ihrer Umgebung.
Gideon Mendel - Shortlist 2025
Die Serie Deluge ist der Versuch des südafrikanischen Fotografen (*1959), den globalen Klimanotstand auf eine systematische Weise zu erforschen, um zu zeigen, dass seine Auswirkungen alle Grenzen von Reichtum, Klasse, Ethnie und Geografie ignorieren. Mendel hat seit 2007 Überschwemmungen auf der ganzen Welt dokumentiert. In einer Ästhetik, die an Porträtmalerei erinnert, fotografiert er seine Pro-tagonisten vor ihren Häusern und fordert damit Aufmerksamkeit und Empathie. Er zeigt direkte Porträts von Betroffenen, eine Typologie des Klimawandels.
Ivor Prickett - Shortlist 2025
Im Schatten der Weltöffentlichkeit tobt im Sudan seit über zwei Jahren ein brutaler Bürgerkrieg.Mehr als elf Millionen Menschen wurden vertrieben, bis zu 150 000 sind umgekommen. Dem irischen Fotografen (*1983) gelang es, im letzten Jahr für die New York Times in das verwüstete Land zu reisen. Die Motive seiner Serie War on the Nile – Fragmented Sudan berichten von einer der größten humani-tären Katastrophen der Welt. Die erschütternden Bilder, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen, zeigen die Tragödie im Land, vor allem die verzweifelte Lage der Geflüchteten.
Xiangjie Peng - Shortlist 2025
The Rise of Queer Underground Party Culture in China ist ein seltenes Dokument der Selbstermächtigung. Seit 2017 dokumentiert der Fotograf (*1961) das Leben der queeren Community in verschiedenen Städten. Die Porträts zeigen Orte der Freiheit, an denen die eigene Identität in offener Gemeinschaft ausgelebt werden kann. Die Schwarzweißaufnahmen entstanden vor allem in Clubs, auf Partys und Wettbewerben, die trotz der offiziellen Beschränkungen für die LGBTQ+-Community zu einem wichtigen kulturellen Phänomen geworden sind. Langsam wachsen die Freiheiten im Untergrund.
Youbing Zhan - Shortlist 2025
Die Serie Migrant Workers in China’s Assembly Line zeigt Fotografien zwischen Hoffnung und Fließ-band, Fabrik und Freizeit: Rund 300 Millionen Wanderarbeiter sorgen für stetiges Wirtschaftswachstum in China. Sie kommen aus ländlichen Provinzen, um in wirtschaftlich entwickelten Regionen Geld zu verdienen. In der Millionenstadt Dongguan, in der über 70 Prozent der Einwohner Wanderarbeiter sind, begleitet Youbing Zhan (*1973) seit 30 Jahren in fast beiläufigen und zugleich höchst eindrücklichen Aufnahmen das alltägliche Leben der sogenannten mingong aus nächster Nähe.
Serghei Duve - Newcomer 2025
Die Serie Bright Memory sucht Bilder für das Gefühl, das sich mit der russischen Redewendung des„hellen Gedächtnisses“ (swetlaja pamjat) beschreiben lässt: Ein Leben, das von Nostalgie und Teilung geprägt ist. In der Arbeit beschreibt der in der Republik Moldawien geborene deutsche Fotograf (*1999) die Verbindungen seiner Familie in die alte Heimat Transnistrien, ein international nicht anerkanntes und nur von Russland gestütztes Gebiet, das sich 1990 von der Republik Moldawien für unabhängigerklärte. Eine vielschichtige Serie über Identität und Herkunft, Alltag und Politik.