Leica Fotolabor
Leica Fotolabor
29. August 2025
Silbergelatine-Barytabzüge des Leica Monopan-50-Schwarzweißfilms im Archiv-Bilderwascher im neu eingerichteten Labor im Leitz-Park in Wetzlar
LFI: 90 Jahre ist es her, da bildete das Fotolabor im Hausertorwerk bei Leitz in Wetzlar die Grundlage der neu geschaffenen Akademie. Heute gibt es wieder ein Labor, am Leica-Hauptsitz im Leitz-Park Wetzlar. Was ist die Intention dahinter?
Anton Ivanov: Ich sehe heute ein großes Interesse an der analogen Fotografie. Neue Generationen versuchen sich an Filmaufnahmen, manche kehren nach Jahrzehnten der Digitalfotografie zur analogen Fotografie zurück, viele kombinieren Digital- und Analogfotografie ganz selbstverständlich. Es gibt keinen Wettbewerb zwischen Digital- und Analogfotografie, beides sind Instrumente der Kreativität, und die Leute wählen ihre Werkzeuge entsprechend ihrem Ziel. Wir produzieren drei analoge Kameras (Leica MP, M-A, M6), haben einen Schwarzweißfilm namens Leica Monopan 50 auf den Markt gebracht und verfügen über ein beeindruckendes Archiv mit Fotografien und Negativen im Leitz-Park. Als ich vor drei Jahren den Leitz-Park besuchte und das Museum, die Fabrik, die Geschäfte, die Galerien, das Archiv und das Studio sah, war mir sofort klar, dass an diesem Ort der Fotografie eine Dunkelkammer fehlte. Und ich hatte das Glück, dass Dr. Andreas Kaufmann und Karin Rehn-Kaufmann zur gleichen Zeit ähnliche Ideen hatten, wieder ein Fotolabor in der Leica Welt einzurichten.
Wie würden Sie das Labor beschreiben, was macht es so besonders, und was war Ihnen bei der Gestaltung des Labors wichtig.
Zwei Dinge machen eine Dunkelkammer zu etwas Besonderem: die Ausrüstung und die Menschen. Ich bin zu schüchtern, um mich selbst als Laborant und Fotograf zu bezeichnen, daher werde ich ein paar Worte zur Ausrüstung sagen. Die Leica-Dunkelkammer verbindet hohen Respekt vor der Tradition (wir verwenden Leitz Focomat-Vergrößerungsgeräte und -objektive) mit präzisen modernen Technologien wie dem Heiland-LED-Splitgrade-System, traditionelle analoge Verfahren mit hohen Archivierungsstandards. Zwei Dinge, auf die ich sehr stolz bin: ein drei Meter langer, speziell von Heiland electronic angefertigter Nass-Tisch, der in der Mitte des Raumes steht. Es war ein Traum, einen Nass-Tisch zu haben, der von verschiedenen Seiten zugänglich ist, sodass Besucher und Workshop-Teilnehmer alle magischen Prozesse mit Silbergelatinepapier leicht beobachten können. Zweitens – ebenfalls von Heiland in Wetzlar maßgefertigt – ein riesiger Trockenschrank aus Edelstahl, der für eine nahezu beliebige Anzahl von Filmen oder auch 50 × 60 cm großes Barytpapier geeignet ist. Und es gibt viele „kleine“ Dinge, die geplant waren und nicht übersehen werden dürfen und die den Unterschied zwischen normaler Arbeit und Fine-Art-Druck ausmachen, wie z. B. ein Sicherheitsbeleuchtungssystem, PaperFlasher [Lichtquellen mit Schaltuhr], temperaturgesteuerte Mischer, einen Archiv-Bilderwascher, ein Densitometer und andere kalibrierte High-End-Geräte.
Sie fotografieren selbst schon sehr lange auch analog. War es eine Herzensangelegenheit, so ein Angebot in Wetzlar zu schaffen?
Im Jahr 2022, bei der Einführung der neuen Leica M6-Kamera, half ich Silvergrain Classics dabei, ein mobiles Fotolabor im Studio einzurichten, in dem wir die mit den neuen M6-Kameras aufgenommenen Filme entwickelten und Fotos belichteten. Ich war überrascht, dass es in Wetzlar keine richtige Dunkelkammer gab. Die Heiland electronic GmbH produziert seit 35 Jahren in Wetzlar hochwertige Geräte für die Entwicklung und Belichtung von Fotos. Viele deutsche Fotomarken sind von Wetzlar aus mit dem Auto gut erreichbar, darunter Jobo, Kaiser, Adox, Kienzle, Filmomat und viele mehr. Leica hat eine Revolution in der Fotografie ausgelöst und produziert seit 100 Jahren perfekte Objektive und Kameras. Zum Erbe von Leica gehören auch Dunkelkammervergrößerer, -objektive, -zubehör, -projektoren und vieles mehr: Es gab die gesamte Infrastruktur rund um Kameras und Objektive, nicht nur zum Fotografieren, sondern auch zum Erstellen der Bilder, d. h. zum Belichten auf Papier mit Abwedeln, Maskieren, Ausbalancieren und Optimieren. Und ich habe viel Gutes über das ehemalige Leica-Labor in Solms gehört, das Ausstellungen, Akademien und andere kulturelle Projekte unterstützt hat.
Das Labor steht nicht nur der Akademie offen, Sie begleiten auch namhafte Fotografinnen und Fotografen in die Dunkelkammer. Als Erste war Jane Evelyn Atwood bei Ihnen. Wie ist die Zusammenarbeit, und was macht es so besonders für Ihre Gäste und für Sie?
Die Zusammenarbeit mit Jane Evelyn Atwood hat mir sehr viel Spaß gemacht. Sie ist eine großartige Künstlerin, und es ist mir eine Ehre, für sie Filme und Abzüge zu entwickeln – vielleicht eine einmalige Chance im Leben (ich hoffe, dass es nicht dabei bleibt). Sie hat eine sehr starke Persönlichkeit und klare Vorstellungen von ihrer Fotografie. Es war eine Herausforderung, in einer schwierigen Lichtlandschaft die richtigen Dichten und Tonwerte zu erzielen, und ich bin ihr sehr dankbar für ihr Bestreben, einen perfekten Abzug ohne Kompromisse zu erzielen.
Wer war noch da, und wer werden die nächsten Gäste im Fotolabor sein?
John Sypal aus Tokio war der Erste, mit dem wir einen Monopan-Film entwickelt und gemeinsam belichtet haben: Er selbst hat seinen Stil, nach seinem Arbeitsablauf und seiner Kunst zu belichten. Ich habe nur ein wenig assistiert und dabei viel über den Geist seiner Fotografie gelernt.
Wir haben mehrere Vereinbarungen mit verschiedenen Fotografen über eine zukünftige Zusammenarbeit getroffen. Ich würde mich freuen, hier in Wetzlar verschiedene Künstler kennenzulernen, ihnen höchste Archivqualität und besten Service zu bieten und gemeinsam mit ihnen Fine-Art-Silverprints von ihren Originalnegativen anzufertigen. Und ich bin Andrea Pacella [VP Global Marketing & Communication bei Leica], unendlich dankbar, dass er dies ermöglicht hat. Man darf gespannt sein …
Silbergelatine-Barytabzüge des Leica Monopan-50-Schwarzweißfilms im Archiv-Bilderwascher im neu eingerichteten Labor im Leitz-Park in Wetzlar
Nach der Entwicklung der Negative werden die Filme im Trockenschrank getrocknet
Anschließend werden sie in Streifen zu jeweils sechs Negativen geschnitten, um sie in passende Archivhüllen einzutüten und einen Kontaktbogen zu erstellen
Anton Ivanov bereitet am Nass-Tisch Entwickler, Stoppbad und Fixierer für die fertig belichteten Abzüge vor
Zum Schluss werden die Abzüge noch gründlich gewässert und anschließend getrocknet