Jubiläum: 75 Jahre DGPh

17. April 2026

Der 18. April 1951 ist der Gründungstag der Deutschen Gesellschaft für Photographie. Viele Jubiläumsveranstaltungen sind für das Jahr 2026 geplant. So lädt die DGPh unter anderem alle Mitglieder und die globale Fotoszene ein, am 18. April ein Foto zu machen.
Die DGPh ist eine der ältesten fotografischen Gesellschaften Europas und versteht sich mit rund 1200 berufenen Mitgliedern als ein fachlich offenes Forum, das Fotografinnen und Fotografen, Kuratoren, Wissenschaftlerinnen, Verleger und Bildredakteurinnen verbindet. Die DGPh verleiht jährlich den Kulturpreis, den Dr. Erich Salomon-Preis sowie die Manfred Heiting Medal of Curatorial Excellence in Photography.

Die Geschichte der DGPh ist untrennbar mit L. Fritz Gruber verbunden. Als die erste Photokina 1950 in Köln stattfand, organisiert von der Koelnmesse und der Industrie, gab er mit großen Fotoausstellungen der Photokina eine kulturelle Dimension. Gruber wurde zum ersten Geschäftsführer der DGPh bestimmt; zu den ersten berufenen Mitgliedern zählten Persönlichkeiten wie August Sander, Dr. Ernst Leitz, Dr. Otto Steinert, Herbert List und – als korrespondierendes Mitglied – Edward Steichen, damals Leiter des Fotodepartments am MoMA New York.

Wir sprachen mit Ruediger Glatz, dem heutigen Vorsitzenden des geschäftsführenden Vorstands der DGPh, über die Jubiläumsaktivitäten und seine Sicht auf die DGPh.

LFI: Was ist in diesem Jubiläumsjahr alles geplant?
Ruediger Glatz: 75 Jahre Deutsche Gesellschaft für Photographie – das bedeutet 75 Jahre kontinuierliches Engagement für die Fotografie in Deutschland, getragen von Mitgliedern, die diese Arbeit ehrenamtlich leisten. Unser Programm spannt sich über das gesamte Jahr: Auftakt ist am 18. April, dem eigentlichen Geburtstag, mit der weltweiten Initiative Moment of Exposure

Im September folgen ein Symposium zum Fotobuch in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin Unter den Linden sowie ein Event mit Fotografiska Berlin. Höhepunkt ist das Jubiläumswochenende am 24. und 25. Oktober im MAKK Köln: am Samstag die DGPh Photography Awards mit Kulturpreis, Dr.-Erich-Salomon-Preis und zum zweiten Mal der Manfred Heiting Medal, am Sonntag die Eröffnung der Jubiläumsausstellung 75 Jahre DGPh und unsere Mitgliederversammlung.

Zum Jubiläum gehört auch ein Blick nach innen: Wir arbeiten an einem neuen Erscheinungsbild und wollen Unschärfen aus der Satzung entfernen, um die Gesellschaft strukturell auf Spur zu bringen – damit sie perspektivisch auch international stärker wahrgenommen wird.

Wie kam es zur Idee des Moment of Exposure, bei der jeder (bis zum 30. April) sein Bild vom Jubiläumstag hochladen kann?
Wie feiert man einen Geburtstag, der einer ganzen Disziplin gehört? Wir wollten einen Moment schaffen, in dem Fotografinnen und Fotografen weltweit gemeinsam etwas tun, was sie ohnehin tun: ein Bild machen – aber gleichzeitig, am selben Tag. Wenn Hunderte, gar Tausende diesen Moment teilen, entsteht ein Porträt des Mediums an einem konkreten Tag in der Geschichte. Die Bilder können auf wecelebratephotography.com über eine mehrsprachige Seite hochgeladen werden und werden dort später in einer Online-Slideshow präsentiert. Kein Wettbewerb, sondern ein kollektives Werk.

Wie sehen Sie die gegenwärtige Stellung der DGPh?
In Deutschland historisch gewachsen und institutionell verankert – durch Preise, Mitglieder, Sektionen, Verbindungen zu Museen, Verlagen, Medien und Hochschulen. International ist die Wahrnehmung differenzierter: Es gibt Partner, die uns sehr gut kennen, aber auch Potenzial, sichtbarer zu werden. Die Kooperation mit Fotografiska Berlin und die Manfred Heiting Medal sind Signale. Wir wollen die DGPh als deutsche Stimme in einem internationalen Gespräch über Fotografie verstanden wissen.

Warum sollte man Mitglied der DGPh werden?
Weil die DGPh einer der wenigen Orte ist, an dem sich die ganze Breite der Fotografie begegnet – von künstlerischer Praxis über Wissenschaft, Geschichte, Bildung, Markt und Recht bis zur angewandten Bildproduktion. Wichtig: Man kann nicht einfach beitreten. Die Mitgliedschaft erfolgt auf Vorschlag und durch Berufung – Anerkennung und Verpflichtung zugleich. Aktuell zählt die DGPh rund 1200 Mitglieder. Bei aller Substanz: Am Ende ist die DGPh ein Verein, mit allen Vorteilen und Nebenwirkungen. Die einen können damit, die anderen nicht.

Wie ist der Austausch zwischen den unterschiedlichen Sektionen der DGPh, und ist diese Aufsplittung in verschiedene Untergruppen noch zeitgemäß?
Die Sektionsstruktur ist historisch gewachsen und bildet die Vielfalt der Fotografie ab – von Bild und Bildung über Geschichte und Wissenschaft bis zu Kunst, Markt und Recht. Das ist eine Stärke, weil sie inhaltliche Tiefe ermöglicht. Sie kann aber auch eine Schwäche werden, daher wurden die Sektionen immer wieder den Zeiten angepasst, was natürlich ein laufender Prozess ist. 

Was beeindruckt Sie an der Geschichte der DGPh am meisten?
Die Beharrlichkeit, mit der diese Gesellschaft 75 Jahre lang ihre Aufgabe verfolgt hat – fast ausschließlich ehrenamtlich getragen. Entscheidend waren immer die Momente, in denen die DGPh bereit war, sich selbst zu verändern. Solche Momente stehen jetzt wieder an: generative Bildverfahren, Umbruch der Medien, eine neue Generation, die anders mit Bildern umgeht. Das Jubiläum ist für uns nicht nur ein Rückblick, sondern auch ein Anlass, Weichen zu stellen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der DGPh?
Dass sie in zehn Jahren als eine der wichtigsten Stimmen für die Fotografie in Europa wahrgenommen wird – international präsenter, strukturell tragfähig, mit einer neuen Generation von Mitgliedern, ohne ihre Geschichte zu vergessen. Und dass das, was wir in diesem Jubiläumsjahr anstoßen, sich als Anfang erweist – nicht als Höhepunkt.

Viel Erfolg für die kommenden Veranstaltungen und vielen Dank für das Gespräch.
Ulrich Rüter
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