Sidelines
Sidelines
John Vink
3. Februar 2026
Sich küssende Jugendliche während des jährlichen Festes in Fleurus, Belgien, 11.4.1982
Wichtigste Ausgangspunkte und immer wiederkehrende Regionen der Arbeit sind sein Heimatland Belgien und Kambodscha. In Brüssel wurde seine Leidenschaft für den Journalismus geweckt: Dort leitete sein Vater die Zeitung Het Laatste Nieuws. „Dort hat mich tatsächlich das Fieber gepackt“ – erlebte er doch die besondere Atmosphäre der Redaktionsräume und der Druckerei. Und eine zweite Inspirationsquelle war prägend: Im Keller der Familie gab es stapelweise Ausgaben des Life-Magazins, die ihn beeindruckten und seinen Entschluss festigten, Fotograf zu werden. Mit 18 Jahren saß er mit Michel Vanden Eeckhoudt am Rand der Rennstrecken von Francorchamps und Zolder, um Bilder von vorbeirasenden Sportwagen zu machen – es wurden seine ersten veröffentlichten Aufnahmen. Doch alles begann erst, so glaubt der Fotograf, als er als Gründungsmitglied der Agence VU’ mit dem Direktor Christian Caujolle zusammenarbeitete. Vor allem die Kooperation mit der Pariser Zeitung Libération eröffnete Vink neue Perspektiven. Internationale Wahrnehmung erzielte seine Reportage Water in the Sahel, die 1986 mit dem W.-Eugene-Smith-Preis ausgezeichnet wurde. 1997 wurde er Vollmitglied von Magnum Photos, bis er sich 20 Jahre später von der Agentur trennte. In diesen Jahren entwickelte er sein vielschichtiges Lebenswerk weiter, das sich immer wieder um die Widerstandsfähigkeit und die die kulturelle Identität von Menschen und Gemeinschaften dreht.
Vink fotografierte auf der ganzen Welt. Trotz oder vielleicht gerade wegen der vielen Reisen überkam ihn später das Gefühl der Oberflächlichkeit. Er sehnte sich nach einem Ruheort, und so sollte ab 2000 Kambodscha für 16 Jahre seine Wahlheimat werden. „Ich wollte beobachten, wie ein Land wächst und sich entwickelt, und alles, was damit zusammenhängt“, erinnert sich Vink. „In 16 Jahren hat Kambodscha das geschafft, wofür wir im Westen 50 Jahre gebraucht haben. Zumindest wirtschaftlich. Denn es hat einen enormen sozialen Preis gezahlt; die soziale Ungleichheit nahm sprunghaft zu.“
Vor zehn Jahren kehrte Vink nach Belgien zurück. Die Auswahl, die er für seinen Bildband getroffen hat und in acht Kapiteln vorstellt, immer in Schwarzweiß, zeigt die beeindruckende Fähigkeit des Fotografen, seine Neugier und Empathie mit der Würde und Entschlossenheit der Porträtierten zu verbinden. „Sidelines ist auch eine Beschreibung meiner eigenen Reise, die die Kette von Entscheidungen sowie die Fehltritte, verpassten Gelegenheiten und faulen Kompromisse zeigt. Sidelines handelt davon, was übrig bleibt, nachdem bewusste Entscheidungen getroffen wurden zu fotografieren oder nicht zu fotografieren, und davon, was nicht fotografiert werden konnte“, so Vink, der weiter ausführt: „Die Randbereiche, die ich sehe, befinden sich an der Grenze zwischen Frieden und Chaos, zwischen Stille und Lärm, zwischen Sicherheit und Gefahr, zwischen Gewissheit und Zweifel. Du spielst oder schaust zu, du nimmst teil oder nicht, du befolgst unterschiedliche Regeln, je nachdem, auf welcher Seite du stehst.“
John Wink: Sidelines+-
Mit einem Textbeitrag von Rik Van Puymbroeck
304 Seiten, 155 Schwarzweißabb., 23 × 17 cm
Englisch, Niederländisch, Französisch
Hannibal Books
LFI 2.2021+-
Ein umfassendes Portfolio von John Vink über den Reisanbauzyklus finden Sie in LFI 2.2021. Mehr
John Vink+-
Der belgische Fotograf wurde am 3. Februar 1948 in Ixelles/Elsene in der Region Brüssel geboren. Ab 1968 studierte er in Brüssel Fotografie an der École de la Cambre (Hochschule für Kunst und Architektur, gegründet 1925 von Henry Van de Velde.) 1971 begann er, als freier Fotojournalist zu arbeiten. 1985 startete seine Zusammenarbeit mit der französischen Tageszeitung Libération. Vink war Gründungsmitglied der Agence VU’, von 1997 bis 2017 Vollmitglied der Bildagentur Magnum Photos, später bei der Agentur MAPS. Viele Arbeiten sind als Langzeitprojekte angelegt; er beschäftigte sich mit sozialen Projekten in Entwicklungsländern und der Situation von Flüchtlingen. In den Jahren 2000 bis 2016 lebte er in Kambodscha, heute wieder als freiberuflicher Fotograf in Brüssel. Mehr
Sich küssende Jugendliche während des jährlichen Festes in Fleurus, Belgien, 11.4.1982
Um 6:30 Uhr morgens in der Nähe der Pagode während des Boun-Khun-Khao-Festes. Der mit einem Generator betriebene Fernseher hat die ganze Nacht lang Videos aus Thailand gezeigt. Der Bus nach Pakse wartet auf seine Abfahrt, Ban Saming, Laos, 23.1.1997
Bauern, darunter nur sehr wenige aus der jüngeren Generation, pflanzen Reissetzlinge, Damnak Chang’aeur (Kep), Kambodscha, 9.7.2016
Salzplatten werden zum Markt transportiert, Ayorou, Niger,14.12.1985
Auf dem Weg zum Unterricht. Einige wenige Flüchtlinge aus Sri Lanka dürfen die nahe gelegene indische Schule besuchen, Madurai (Tamil Nadu), Indien, 26.11.1987
Vertriebene aus dem Südsudan. Die meisten unterernährten Kinder sind zu schwach, um die 300 Meter zum Ernährungszentrum zu laufen und müssen dorthin getragen werden, Kosti, Sudan, 23.10.1988
Beerdigung eines Opfers der Schießereien vom Vortag während der Revolution, die zum Sturz von Nicolae Ceaușescu führte, Bukarest, Rumänien, 29.12.1989
Mönche verfolgen das Finale der kambodschanischen Fußballliga zwischen Kampong Cham und Siem Reap (0:1), Phnom Penh, Kambodscha, 11.12.1999
Musiker warten in einem Café auf den Beginn der Parade am ersten Tag des Karnevals, Binche (Hennegau), Belgien, 15.2.2015
Männer rasieren sich während des ormotsi, des 40. Tages der Trauer um den 100-jährigen Mosse Nigaradze, Uschguli (Swanetien), Georgien, 20.7.2000