Eine Leica-Lovestory

Jean-Pierre Laffont

2. Mai 2025

Der heute 90-jährige Fotograf zählt zu den international renommierten und vielfach ausgezeichneten Bildjournalisten. LFI 3.2025 stellt ihn als Leica Klassiker mit einem umfangreichen Portfolio vor.
Kürzlich erhielt Laffont eine weitere Ehrung: Im Rahmen der Gala FASNY 44 wurde ihm der Hermione Award verliehen, der jährlich von der French-American School of New York (FASNY) vergeben wird. Mit diesem Award, benannt nach dem Schiff, das den Marquis de Lafayette in die Vereinigten Staaten brachte, werden Personen ausgezeichnet, die einen bedeutenden Beitrag auf internationaler Ebene geleistet haben. Laffont erhielt diese Auszeichnung in Anerkennung für die Förderung der französischen Kultur, seinen Mut und die Menschlichkeit, die er im Laufe seiner Karriere bewiesen hat. Ohne Zweifel hat der in Algerien geborene und seit 1964 in den USA lebende Fotograf mit seinen Arbeiten die Öffentlichkeit immer wieder beeinflusst. Über sechs Jahrzehnte dokumentierte er zentrale amerikanische Ereignisse und Personen, darunter die Bürgerrechtsbewegung, Martin Luther King Jr., Muhammad Ali, Robert F. Kennedy, den Vietnamkrieg, Watergate, den Rücktritt von Präsident Nixon sowie die Frauen- und Schwulenrechtsbewegungen. Mit seinen Leica-Kameras hielt er ebenso die Kämpfe der Verarmten, die Herausforderungen der Landwirte, die Realität des Rassismus und die Komplexität der Einwanderung fest. Mit seinen präzisen Bildern hat Laffont nicht nur die Geschichte dokumentiert, sondern auch zu gesellschaftlichen Veränderungen beigetragen.

Dass seine bevorzugten Werkzeuge dabei Leica-Kameras waren und sind, hat er uns als „stolzer Leica-Nutzer“ in einer langen Antwort mitgeteilt, als wir ihn nach einer Liste seiner verwendeten Kameras fragten.

„Dies ist meine Lovestory mit Leica und die Liste meiner zahlreichen Leica-Kameras: Meine erste Kamera war eine Leica IIIf mit einem 50-mm-Elmar, 1953 erworben in Casablanca, Marokko; meine zweite Kamera war eine Leica M3 mit einem 50-mm-Summicron, 1955 ebenfalls in Casablanca erworben; 1956 kaufte ich ein 135-mm-Hektor und ein Visoflex-Gehäuse mit Faltenbalg für Porträts. Ich erwarb meine erste Leica MP, #13, in Schwarz mit einem schwarzen 50-mm-Summicron 1958 in Lausanne. Nach dem Algerienkrieg kaufte ich 1962 in Paris meine zweite MP, #14, in Schwarz, gebraucht, und ein 90-mm-Summicron in Chrom. Ich fand ein 85-mm-Summarex und 25-mm-Canon Objektiv, angepasst an die M3, 1966 in New York City. 1967 wurden meine beiden schwarzen MPs und fast alle Objektive in New York gestohlen – einen Monat später gab mir die Polizei die zwei MPs und zwei Objektive (135 mm und ein schwarzes 50-mm-Summicron) zurück, alle anderen Objektive waren verloren … Um 1968 kaufte ich ein 21-mm-Super-Angulon und ein 28-mm-Summicron. 1972 bekam ich, da ich durch die Agentur Sygma einen Vertrag mit Leica hatte, drei Leicaflex SL MOT und alle Objektive von 21 bis 570 mm! 1974 haben wir den Vertrag beendet, weil die ganze Leica-Ausrüstung zu schwer für die tägliche Arbeit geworden war. Aber Leica New York wollte meine schwarzen Leica MPs (#13 und #14 – ein passendes Paar) – sie boten mir zwei Leica M5, eine Leica CL und alle Objektive von 21 bis 400 mm an, wenn ich sie eintausche … Ich war dumm und bereue es bis heute, sie eingetauscht zu haben! Es tut mir so leid … Ich habe meine beiden MPs auf diese Weise verloren. Wo sind sie heute? Ich habe bis heute mit zwei gebrauchten Leica M3 gearbeitet und die Schachteln mit den Leica M2, die ich als Preis erhalten hatte, nie geöffnet. Ich habe nie mit der M2 fotografiert. Mein größtes Glück war es, 1975 eine Leica M3 mit einem Zeiss Hologon 1:8/15 gekauft zu haben. Mit diesem Objektiv habe ich viele ikonische Fotos gemacht, insbesondere das mit den brandneuen Twin Towers des World Trade Centers, 1976. Wegen ihres Suchers, der es erlaubt, mit zwei offenen Augen zu fotografieren, bleibt die Leica M3 aus meiner Sicht die beste Kamera für Fotojournalisten wie mich.“

Danke, verehrter Jean-Pierre Laffont für diese persönliche Lovestory und vor allem für die vielen unvergesslichen und vergleichlichen Momente der Fotografiegeschichte!
Ulrich Rüter
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Jean-Pierre Laffont
EQUIPMENT: Leica M

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JP Laffont NYC by Sam Matamoros_MG_9127
© Sam Matamoros

Am 29. Januar 1935 in Algerien geboren, Schulzeit bis 1955 in Marokko, Studium an der Fotoschule Arts et Métiers in Vevey, Schweiz, Masterabschluss 1959. 1957 Studioassistent bei den Starfotografen Sam Levin und Choura in Paris. Militärdienst in Algerien, dann in Paris als Porträt- und Modefotograf sowie an Filmsets für MGM in Rom tätig. Ab 1964 in den USA; 1966 Heirat mit Éliane Lucotte; Gründung des US-Büros der französischen Agentur Gamma. 1973 Gründung von Sygma Photo News. Seine Arbeiten sind weltweit erschienen, u. a. in Time, Newsweek, New York Times, Paris Match, Figaro Magazine, Stern, Sunday Times Magazine. Zahlreiche Auszeichnungen, u. a. 1996 Verleihung des französischen Nationalordens Chevalier des Arts et des Lettres. Mehr

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