Tamar

Jean-Luc Feixa

10. Februar 2026

Die einstige georgische Königin Tamar (1184 bis 1213) gab der Serie ihren Namen: Der LFI-Community-User Jean-Luc Feixa reiste durch ein Land mit starken, greifbaren Kontrasten.
Am meisten sei ihm das Gefühl geblieben, durch ein Land zu reisen, das an einem Scheideweg steht, sagt Jean-Luc Feixa. Seine Aufnahmen erzählen von einem Georgien, das sich zwischen russischem Einfluss, europäischer Hoffnung und chinesischen Investitionen bewegt.

LFI: Wie kam es zu diesem Projekt?
Jean-Luc Feixa: Ich habe mehrere georgische Freunde, die in Brüssel leben, und seit Jahren erzählen sie mir Geschichten über ihr Land: über die faszinierende Schönheit des Kaukasus, den Reichtum seiner Kultur, sowohl in künstlerischer als auch in kulinarischer Hinsicht, und den auffälligen Kontrast zwischen einer tief verwurzelten orthodoxen Tradition und einer explosiven Modernität. All das wollte ich selbst erleben. Georgien nimmt auch eine paradoxe Position ein. Es liegt am Rande Europas, doch wir hören selten etwas über das Land, außer in Zeiten politischer Spannungen zwischen russischem Druck und europäischen Bestrebungen. Ich wollte ohne festen Plan dorthin reisen, einfach nur das Land von Ost nach West durchqueren und das Alltagsleben so aufnehmen, wie es sich darbot.

Was haben Sie mit Ihren Bildern einzufangen versucht?
Die Bilder sind in erster Linie Eindrücke. Es gab keine strenge dokumentarische Absicht, sondern eher eine Art persönliches Inventar von Dingen, die mich überrascht, fasziniert oder zum Lächeln gebracht haben. Zum Beispiel ein Wandteppich, auf dem Stalin von einem Ventilator gekühlt wird, oder Frauen, die auf den Straßen von Gori riesige Blumensträuße verkaufen. In gewisser Weise sind diese Fotos eine destillierte Version dessen, was ich aus Georgien mitnehme, sowohl auf menschlicher als auch auf visueller Ebene. Sie bilden ein reines Album voller Erinnerungen, Bilder, die mich in 50 Jahren sofort an diese Orte zurückversetzen werden. Außerdem wollte ich etwas festhalten, das ich schon lange nicht mehr erlebt hatte: Reisen in seiner reinsten Form. Wochen der Einsamkeit an einem unbekannten Ort, mit dem berauschenden Gefühl, dass alles passieren könnte.

Georgien ist bekannt für prächtige Farben, doch Sie haben sich für Schwarzweiß entschieden …
Für mich schafft Schwarzweiß Distanz und lädt zu einem traumähnlichen Zustand ein. Jedes Bild fängt einen äußeren Moment ein, spiegelt aber auch einen bestimmten inneren Zustand wider. Schwarzweiß war auch deshalb sinnvoll, weil ich mich entschlossen hatte, meinen Film vor Ort zu entwickeln. Die Zeit in der Dunkelkammer gab mir Raum, bestimmte Momente noch einmal Revue passieren zu lassen: die langen Stunden auf der Straße zur Gergeti-Dreifaltigkeitskirche mit Blick auf den Berg Kasbek oder die Strände des Schwarzen Meeres in der Nähe der extravaganten Stadt Batumi.

Wie war Ihre Erfahrung mit der Kamera während des Projekts?
Ich habe eine sehr starke Beziehung zu meiner Leica M6, fast schon eine symbiotische. Ich würde nicht sagen, dass ich mit ihr spreche, aber sie fühlt sich wirklich wie eine Verlängerung meines Auges an. Ich habe sie überallhin mitgenommen. Es ist eine anspruchsvolle Kamera, und ich mache immer noch viele Fehler damit, aber sie fühlt sich für das, was ich einzufangen versuche, am ehrlichsten an. Ich habe nicht sehr viel fotografiert, insgesamt etwa 300 Bilder, und ich habe den Film vor Ort in drei separaten Sitzungen entwickelt. Letztendlich habe ich Georgien so fotografiert: frei umherwandernd und ohne Druck. Dort zu sein und den Prozess zu genießen, war das Wichtigste.
Katja Hübner
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Jean-Luc Feixa
EQUIPMENT: Leica M6, Zeiss C Biogon 1:2.8/35 ZM, Ilford HP5

Jean-Luc Feixa+-

Portrait 2
© Jean-Luc Feixa

Aus dem Südwesten Frankreichs stammend, begann er als Teenager auf Anraten seines Großvaters mit der Fotografie. Zunächst wandte er sich dem Fotojournalismus zu, doch in den letzten Jahren verfolgte er eher langfristige persönliche Projekte zu den Themen Familie, Alltag und Erinnerung. Jean-Luc Feixa ist Mitglied des Kollektivs Salamandre, das eine Vielzahl kultureller Projekte in seiner Heimatregion fördert. Seine Arbeiten wurden in der internationalen Presse publiziert und in Europa, Japan und den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgestellt. Er ist Autor des Fotobuchs Strange Things Behind Belgian Windows, das bei Luster Publishing erschienen ist. Mehr

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