By the Mekong

Greg Mo

28. April 2026

Drei Jahre lang besuchte der Fotograf fast täglich einen winzigen Abschnitt der Uferpromenade in Phnom Penh. Mit Blick auf den Fluss offenbarten sich ihm Kohärenzen und eine tiefe Verbundenheit zu dem Ort.
In der Serie zeigt Greg Mo das Leben am längsten Fluss Südostasiens auf einem nur 200 Meter breiten Abschnitt in der kambodschanischen Hauptstadt. Dort herrscht ein reges Treiben, ein stetes Kommen und Gehen. Der Mekong gilt dabei als Sinnbild sowohl für ein Land und eine Gesellschaft im Wandel als auch für Kontinuität und die tiefe kulturelle Verbindung, die die Khmer (Bevölkerung Kambodschas) mit ihm teilen. Gerade durch den radikal begrenzten Ansatz, den Mo für seine Arbeit wählte, wird diese Vielschichtigkeit auf eindringliche Weise sichtbar. Seine präzisen Beobachtungen werfen Fragen nach Zeit, Zugehörigkeit und Veränderung auf und sind 2025 als Buch erschienen.

LFI: Sie leben in Kambodscha. Was fasziniert Sie an diesem Land und seinen Menschen?
Greg Mo: Ich habe mich sowohl visuell als auch spirituell in dieses Land verliebt. Ich mag die Khmer sehr, die ich als sehr eigenständig und zutiefst liebevoll empfinde. Ich glaube, das hängt auch mit ihrer Geschichte zusammen und mit dem, was sie durchgemacht haben. Im Vergleich zur lokalen Bevölkerung habe ich einen anderen Blick auf das Land und ich finde es spannend, das zu erforschen. Die Jahre, die ich in Kambodscha verbracht habe, waren wie ein Traum, eine leicht surreale Verbindung zu einer neuen Welt, die ich immer weiter entdecke.

Warum haben Sie gerade diesen Ort gewählt? Gibt es eine persönliche Verbindung?
Ich gehe fast jeden Tag an diesem kleinen Abschnitt des Mekongs spazieren, besonders bei Sonnenuntergang. Es ist ein ganz besonderer Ort für mich, den ich seit meinem ersten Besuch in Kambodscha kenne. Ich wohne inzwischen ganz in der Nähe, daher ist mir dieser Abschnitt am Ufer sehr vertraut. Als ich mir eines Tages im Jahr 2023 die Bilder ansah, die ich während meiner Spaziergänge gemacht hatte, fiel mir plötzlich eine Kohärenz zwischen ihnen auf. So begann das Projekt: Ich sammelte Bilder auf dieser täglichen Runde und versuchte zu verstehen, was mir der Ort zu sagen hat.

Immer wieder am selben Ort zu fotografieren, erfordert sicherlich viel Geduld und Ausdauer. Hat diese Herangehensweise Ihre Arbeit eingeschränkt oder beflügelt?
Das macht für mich den Reiz der Fotografie aus – die Zeit, die Fehler und die wiederkehrenden Besuche. Das Projekt gestaltete sich außerdem sehr niedrigschwellig und war eng mit meinem Alltag verbunden. Ganz ohne Druck konnte ich mir meine Kamera schnappen, erkunden und dabei in einen nahezu meditativen Zustand verfallen. Gute Bilder entstanden manchmal genau dann, wenn ich es nicht erwartete. Ich war stets neugierig, was als Nächstes passieren würde, und letztendlich war auch jeder Tag anders als der davor.

Wie gehen Sie bei der Bildkomposition vor?
Ich arbeite sehr instinktiv. Ich reagiere auf Licht, eine Haltung, eine Geste, ein Objekt oder einen bestimmten Moment. Wenn ich fotografiere, versuche ich, nicht viel nachzudenken und mich von dem, was gerade passiert, mitreißen zu lassen. Ich platziere Formen und Volumen intuitiv im Bildausschnitt und suche dabei nach einer einfachen Balance, etwas Lesbarem. Die Analyse kommt später, vor dem Computer. Dann sehe ich, ob ich mit meiner Intuition richtig lag oder nicht. Zunächst wähle ich hauptsächlich die Bilder aus, zu denen ich eine unmittelbare Verbindung spüre, und die Zeit sortiert dann den Rest.

Was offenbart die Serie? Welche Muster haben Sie entdecken können?
Ein wiederkehrendes Motiv in der Arbeit sind Vögel, insbesondere Tauben. Sie sind überall zu sehen und schaffen eine ganz besondere Atmosphäre. Manchmal, wenn ich mir die Bilder anschaue, habe ich das Gefühl, das Flattern ihrer Flügel zu hören. Was die Serie wirklich aussagt, überlasse ich jedoch den Betrachtenden. Es handelt sich nicht um eine klassische Dokumentation, sondern eher um eine subjektive Erkundung – eine fast traumähnliche Erfahrung an diesem kleinen Teil des Mekong-Ufers in Phnom Penh.
Pauline Knappschneider
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Greg Mo
EQUIPMENT: Leica M10, Summicron-M 1:2/35 Asph

By the Mekong+-

Greg Mo _ By the Mekong book cover

100 Seiten, 50 Farbabbildungen
19 × 21 cm, Englisch
Veröffentlicht im Eigenverlag

Greg Mo+-

Greg Mo
© Jean Daubriac

Greg Mo ist ein in Kambodscha lebender Fotograf, der sich auf Street Photography spezialisiert hat. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit dem Alltag, sozialen Räumen und urbanen Erzählungen und zeichnen sich durch einen surrealistischen Ansatz aus. 2025 veröffentlichte er die Fotoserie By the Mekong. Neben seiner persönlichen Arbeit unterrichtet Mo an der Phnom Penh School of Photography und leitet regelmäßig Workshops, einige davon in Zusammenarbeit mit Leica. Mehr

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