Eintauchen ins Lichtermeer

2. Januar 2026

Schreiben oder Malen mit Licht – selten ist die Beschreibung dessen, was Fotografie bedeutet, treffender als in der Light Art Photography.
Andreas Schweiger beherrscht diese Lichtmalerei und spricht mit uns über seine Faszination, wichtige Hilfsmittel und außergewöhnliche Motive. Die Light Art Photography – oder Light Art Performance Photography, kurz LAPP, wie sie auch genannt wird – lebt von choreografierten Bewegungsabläufen vor der Kamera und den daraus entstehenden Lichteffekten, die erst in der späteren Aufnahme sichtbar werden. Scheiben, Tunnel, Ufos, Feuerräder – all das kann LAPP sein.

LFI: Wie sind Sie zur Light Art Photography gekommen?
Andreas Schweiger: Durch einen Workshop beim Fotogipfel in Oberstdorf habe ich die Technik Lightpainting näher kennengelernt. Zusammen mit meinem Schwiegervater habe ich mich bewusst für den Lightpainting-Workshop entschieden, weil wir einfach mal etwas ganz anderes machen und dadurch unseren Horizont erweitern wollten.

Was fasziniert Sie besonders daran?
Man kann altbekannten Motiven einen völlig neuen Look geben und sie einfach mal ganz anders darstellen.

Welche Ausrüstung nutzen Sie (Kamera, Objektive, Stativ, Lampen (Feuer) etc.)?
Zwingend notwendig ist ein Stativ. Am besten geeignet ist dafür meine Leica Q2 oder die SL2 mit dem 24–90-mm-Objektiv. Für die Lichteffekte eignet sich für Anfänger zum Beispiel eine Taschenlampe mit farbiger Folie davor, um einen farbigen Lichtstrahl zu projizieren. Ebenso funktionieren Knicklichter, die man etwa im Angelbedarf erhält, oder batteriebetriebene LED-Ketten, die man um einen Hula-Hoop-Reifen oder Ähnliches wickelt.

Achtung: Nur für Profis ist der Umgang mit brennender Stahlwolle geeignet. Diese wird in einen handelsüblichen Schneebesen gesteckt und entzündet. Der Schneebesen ist dabei an einer circa einen Meter langen Kette befestigt und wird im Kreis gedreht oder geschleudert. Dabei fliegen brennende Teilchen der Stahlwolle aus dem Schneebesen heraus und bilden im Bild die Spuren. Dies darf nur in einer Umgebung passieren, in der sich nichts entzünden kann.

Planen Sie Ihre Motive und Locations, oder lassen Sie sich von den Orten inspirieren?
Beides ist möglich, wobei die Vorbereitung für diese Fototechnik einige Zeit in Anspruch nimmt und somit nicht die spontanste Art der Fotografie sein kann.  Natürlich kann ein Ort eine Idee wecken: Zum Beispiel finden sich in den meisten Städten Skulpturen, Statuen oder Ähnliches. Wenn einem eine Skulptur gefällt, dann kann man sie bei Nacht mit Leuchtmitteln wie Taschenlampen und LEDs anleuchten. Eine weitere Idee ist es, Graffiti in Unterführungen mit Leuchtmitteln nachzuspüren. Voraussetzung für solche Aufnahmen ist aber immer, dass es so dunkel wie möglich ist und keine störenden Lichtquellen wie Straßenlaternen vom eigentlichen Effekt ablenken.

Worauf kommt es bei der Light Art Photography an? Können Sie ein paar Tipps für Fotografinnen und Fotografen geben, die sich hier einmal ausprobieren möchten?
Man benötigt eine Kamera mit Fernbedienung oder besser noch eine zweite Person. Außerdem ein stabiles Stativ. An der Kamera wählt man die Langzeitbelichtung (30 Sekunden oder Bulb), ISO 100 bis 200 und am Objektiv eine geschlossene Blende (f/16 bis f/22). Drei besonders wichtige Tipps möchte ich hier noch jedem nahelegen:

Erstens: Die passende Location, zum Beispiel das Gebirge im Allgäu, der Stadtpark ohne Laternen, dunkle Fußgängerunterführungen et cetera. geben dem Bild den richtigen Rahmen. In den Abendstunden, wenn das Sonnenlicht erloschen ist, beginnt die Zeit, um mit Licht zu malen oder zu schreiben.

Zweitens: Eine Person, die das Licht bedient, hilft enorm. Hierbei ist Kreativität gefragt. Unter anderem kann man LED-Lichterketten, die zum Beispiel an einem Stock befestigt werden, nutzen, Lichtschwerter aus dem Kinderspielzeugsortiment, Taschenlampen, Knicklichter et cetera. Besonders wichtig für die Person vor der Kamera ist schwarze Kleidung ohne reflektierende Streifen. Durch die Langzeitbelichtung wird sie dadurch auf den Aufnahmen später nicht sichtbar sein. 

Drittens: Eine weitere Person, die die Kamera bedient, klärt die Rahmenbedingungen mit dem Lichtkünstler. Am besten gelingt es, wenn der Startpunkt der Lichteffekte und der Beginn der Kameraaufnahme zwischen den Beteiligten kommuniziert wird, damit später auch alle gewünschten Effekte auf dem Bild zu sehen sind.
Tobias Habura-Stern
Alle Bilder auf dieser Seite: © Andreas Schweiger
EQUIPMENT: Leica Q2 mit Summilux 1:1.7/28 Asph, Leica SL2, Vario-Elmarit-SL 1:2.8–4/24–90 Asph, Stativ, diverse Lichtquellen
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