Der Griff nach den Sternen

24. Februar 2026

Der Blick in den Nachthimmel fasziniert viele Fotografinnen und Fotografen. Erfahren Sie zum Start unserer Serie ein paar Grundlagen.
Im Netz finden sich unzählige Bilder unseres Sternenhimmels, teils von der Erde aus fotografiert oder wirklich spektakuläre Deep-Space-Aufnahmen, erstellt etwa mit dem Hubble- oder dem James-Webb-Teleskop. Die Europäische Weltraum Agentur ESA stellt viele davon zum Download in hochaufgelöster Qualität zur Verfügung. Ist es die Ästhetik dieser Bilder, die uns motiviert, selbst zur Kamera zu greifen? Für den Astrofotografen und Filmemacher Jamal Ageli ist es vor allem die kreative Umsetzung, die seine Schöpfungen von der rein wissenschaftlichen, dokumentarischen Aufnahme unterscheidet: „Jeder kann seinen eigenen Anspruch an die Ästhetik stellen und die eigenen Vorstellung des Kosmos umsetzen.“

Für die ersten eigenen Aufnahmen geben wir Ihnen hier ein paar Grundlagen an die Hand, außerdem gibt es Ausrüstungstipps von Ageli. In weiteren Folgen sehen wir uns die Werke von Astrofotografinnen und -fotografen aus der LFI Gallery an.

Unsere Erde dreht sich nicht nur um die Sonne, sondern auch um ihre eigene Achse. Richten wir unsere Kamera auf den Nachthimmel aus, bilden wir diese Rotation – je nach Belichtungszeit – als Sternenbahnen ab. Das kann natürlich gewollt sein, und einen beeindruckenden Effekt zeigen: sogenannte Star-Trails, die sich kreisrund um den Nordstern (in der Verlängerung unserer Erdachse) drehen.

Doch sollen die Sterne als Punkte scharf abgebildet werden, gilt es, eine bestimmte Belichtungszeit nicht zu überschreiten: Für die maximale Belichtungszeit für punktförmige Sterne (beim Vollformat) gilt die Faustformel 500:Brennweite; bei 50 mm Brennweite also 10 Sekunden, bei 24 mm gut 20 Sekunden.

Die Empfindlichkeit des Sensors sollte – für Aufnahmen der Milchstraße – ISO 800 nicht überschreiten. Um nun genügend Licht sammeln zu können, bedarf es mehrerer Aufnahmen in direkter Folge, die später am Computer gestapelt werden und deren Licht addiert wird.

Mit zunehmender Entfernung und längerer Brennweite ist es selbst bei Einzelaufnahmen oft nicht mehr möglich, die Sterne als Punkte abzubilden. Wählt man zum Beispiel ISO 1600 und eine Brennweite von 400 mm, um den Orionnebel aufzunehmen, kommen schnell 50 bis 100 Einzelaufnahmen zusammen. Die maximal mögliche Verschlusszeit liegt rechnerisch bei 1,25 Sekunden, folglich muss die Rotation der Erde durch eine angepasste Bewegung mithilfe eines sogenannten Astrotracers ausgeglichen werden, der zwischen Kamera und Stativ montiert wird.

Um nach den Sternen zu greifen und wirklich lief ins All vorzudringen, eignen sich passende Adapter, um die Kamera mit einem Teleskop zu verbinden. Ageli empfiehlt für den L-Mount einen Baader Kamera-Adapter T-2 (Gewinde M42 × 0,75).

Wer eine Nachführung sucht, um die Erdrotation auszugleichen, sollte die Erreichbarkeit der Location im Blick haben, von der aus er oder sie fotografiert. Für unterwegs rät Ageli zur Nachführung Sky-Watcher Star Adventurer 2i Wi-Fi Photo-Set. Wenn die Ausrüstung auch etwas schwerer sein darf, landet Ageli bei Sky-Watcher-Nachführungen mit Ausgleichsgewichten, etwa der parallaktischen Montierung EQ3-2 mit Stativ (bis 5 kg belastbar) oder der SynScan-GoTo-Erweiterung für die Sky-Watcher EQ5 und für Vixen-GP-Montierungen.

Eine Orientierungshilfe, wo welche Sternbilder zu finden sind, bieten Programme wie Stellarium (für den Computer) oder Celestron SkyPortal (auf dem Smartphone). Außerdem sind warme Kleidung, eine Stirnlampe mit rotem Licht und ein Thermobecher hilfreich; suchen Sie außerdem Orte mit möglichst geringer Lichtverschmutzung auf.
Tobias Habura-Stern
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