Der Griff nach den Sternen
Der Griff nach den Sternen
24. Februar 2026
Die Andromeda Galaxie, aufgenommen von Jamal Ageli mit seiner Leica SL2-S am Teleskop
Für die ersten eigenen Aufnahmen geben wir Ihnen hier ein paar Grundlagen an die Hand, außerdem gibt es Ausrüstungstipps von Ageli. In weiteren Folgen sehen wir uns die Werke von Astrofotografinnen und -fotografen aus der LFI Gallery an.
Unsere Erde dreht sich nicht nur um die Sonne, sondern auch um ihre eigene Achse. Richten wir unsere Kamera auf den Nachthimmel aus, bilden wir diese Rotation – je nach Belichtungszeit – als Sternenbahnen ab. Das kann natürlich gewollt sein, und einen beeindruckenden Effekt zeigen: sogenannte Star-Trails, die sich kreisrund um den Nordstern (in der Verlängerung unserer Erdachse) drehen.
Doch sollen die Sterne als Punkte scharf abgebildet werden, gilt es, eine bestimmte Belichtungszeit nicht zu überschreiten: Für die maximale Belichtungszeit für punktförmige Sterne (beim Vollformat) gilt die Faustformel 500:Brennweite; bei 50 mm Brennweite also 10 Sekunden, bei 24 mm gut 20 Sekunden.
Die Empfindlichkeit des Sensors sollte – für Aufnahmen der Milchstraße – ISO 800 nicht überschreiten. Um nun genügend Licht sammeln zu können, bedarf es mehrerer Aufnahmen in direkter Folge, die später am Computer gestapelt werden und deren Licht addiert wird.
Mit zunehmender Entfernung und längerer Brennweite ist es selbst bei Einzelaufnahmen oft nicht mehr möglich, die Sterne als Punkte abzubilden. Wählt man zum Beispiel ISO 1600 und eine Brennweite von 400 mm, um den Orionnebel aufzunehmen, kommen schnell 50 bis 100 Einzelaufnahmen zusammen. Die maximal mögliche Verschlusszeit liegt rechnerisch bei 1,25 Sekunden, folglich muss die Rotation der Erde durch eine angepasste Bewegung mithilfe eines sogenannten Astrotracers ausgeglichen werden, der zwischen Kamera und Stativ montiert wird.
Um nach den Sternen zu greifen und wirklich lief ins All vorzudringen, eignen sich passende Adapter, um die Kamera mit einem Teleskop zu verbinden. Ageli empfiehlt für den L-Mount einen Baader Kamera-Adapter T-2 (Gewinde M42 × 0,75).
Wer eine Nachführung sucht, um die Erdrotation auszugleichen, sollte die Erreichbarkeit der Location im Blick haben, von der aus er oder sie fotografiert. Für unterwegs rät Ageli zur Nachführung Sky-Watcher Star Adventurer 2i Wi-Fi Photo-Set. Wenn die Ausrüstung auch etwas schwerer sein darf, landet Ageli bei Sky-Watcher-Nachführungen mit Ausgleichsgewichten, etwa der parallaktischen Montierung EQ3-2 mit Stativ (bis 5 kg belastbar) oder der SynScan-GoTo-Erweiterung für die Sky-Watcher EQ5 und für Vixen-GP-Montierungen.
Eine Orientierungshilfe, wo welche Sternbilder zu finden sind, bieten Programme wie Stellarium (für den Computer) oder Celestron SkyPortal (auf dem Smartphone). Außerdem sind warme Kleidung, eine Stirnlampe mit rotem Licht und ein Thermobecher hilfreich; suchen Sie außerdem Orte mit möglichst geringer Lichtverschmutzung auf.
Die Andromeda Galaxie, aufgenommen von Jamal Ageli mit seiner Leica SL2-S am Teleskop
Der Astrofotograf und Filmemacher Jamal Ageli mit seinem Teleskop
Die Leica SL2-S, adaptiert an ein Teleskop
Dieses Bild des Sternhaufens Westerlund 2 und seiner Umgebung, aufgenommen vom Hubble-Weltraumteleskop der NASA/ESA, wurde veröffentlicht, um das 25-jährige Jubiläum von Hubble im Orbit und ein Vierteljahrhundert voller neuer Entdeckungen, atemberaubender Bilder und herausragender wissenschaftlicher Erkenntnisse zu feiern. Der zentrale Bereich des Bildes, in dem sich der Sternhaufen befindet, vereint Daten im sichtbaren Licht, die mit der Advanced Camera for Surveys aufgenommen wurden, sowie Aufnahmen im nahen Infrarot, die mit der Wide Field Camera 3 gemacht wurden. Der umgebende Bereich besteht aus Beobachtungen im sichtbaren Licht, die mit der Advanced Camera for Surveys aufgenommen wurden. | Foto © NASA, ESA, the Hubble Heritage Team (STScI/AURA), A. Nota (ESA/STScI), and the Westerlund 2 Science Team
Hier sehen wir das Sternbild Sommerdreieck, das aus den drei hellen Sternen Wega (oben links), Altair (unten in der Mitte) und Deneb (ganz links) besteht. Der 2005 entdeckte Exoplanet HD 189733 b umkreist einen Stern, der sich sehr nahe am Zentrum des Dreiecks befindet. HD 189733 b ist ein extrem heißer Gasriese in rund 64 Lichtjahren Entfernung zur Erde; er gilt als ausgesprochen lebensfeindlich | Foto © ESA, A. Fujii