Migration Patterns

Brandon Ruffin

13. Januar 2026

Eine persönliche Auseinandersetzung mit Fragen der Identität, des Vermächtnisses und der Migration.
Der multidisziplinäre und preisgekrönte amerikanische Künstler zählt heute zu den wichtigen visuellen Geschichtenerzählern in den Medien Film und Fotografie. Kürzlich hat er sein erstes Buch veröffentlicht.

LFI: Wie lange haben Sie an Ihrem Buch gearbeitet?
Brandon Ruffin: Insgesamt dauerte die Fertigstellung etwa zweieinhalb Jahre. In dieser Zeit habe ich recherchiert, mit Familienangehörigen gesprochen, den konzeptionellen Rahmen abgesteckt und mein Archiv gesichtet. Anschließend haben wir zwölf Monate lang eng mit dem Verlag Setanta zusammengearbeitet, um das Buch vollständig zu produzieren. Dieses Projekt wurde durch Keith Cullen ermöglicht, der die Vision, die ich vorlegen wollte, sofort erkannte und sie von Anfang an unterstützte. Die Zusammenarbeit mit der bemerkenswert talentierten Lektorin und Designerin Emma Toma war eine außergewöhnliche Erfahrung. Die Struktur des Buches entsprach genau meinen künstlerischen und erzählerischen Absichten. Das Buch hat eindeutige gesellschaftspolitische Untertöne, denn es untersucht die Migration von Amerikanern während einer Zeit extremer Unterdrückung und rassistisch motivierter Gewalt gegen schwarze Amerikaner sowie die nationale Verlagerung von der Land- zur Industriearbeit zur Unterstützung der Kriegsanstrengungen – Veränderungen, die die amerikanische Arbeiterschaft dauerhaft umgestalteten.

Welche Aspekte von Identität, Vergangenheit und Erfahrung waren Ihnen besonders wichtig?
Meine persönliche Verbindung zu dieser Geschichte verläuft durch meine Familie. Meine Urgroßmutter wanderte während des Zweiten Weltkriegs von Louisiana nach Kalifornien aus, um in den Kaiser-Werften in Richmond zu arbeiten, eine Reise, die meine Familie schließlich in die Bay Area führte. Da ich zwischen Louisiana und der Bay Area aufgewachsen bin, erkannte ich sofort eine kulturelle Verbindungslinie – eine, die ich später als das Ergebnis der schwarzen Migration aus dem Süden verstand, die die Kultur der Bay Area prägte. Migration Patterns wurde meine Art, diese Geschichte zu erzählen.

Was sind Ihre Hoffnungen für die Zukunft mit Blick auf die aktuelle gesellschaftspolitische Situation in den Vereinigten Staaten?
Ich glaube, dass eine Arbeit wie diese gerade jetzt besonders wichtig ist, da wir Zeugen einer absichtlichen Auslöschung von Geschichte und Kultur sind, die nicht mit den vorherrschenden politischen Narrativen übereinstimmt. Die Wahrung von Authentizität in der Art und Weise, wie wir unsere kollektive Geschichte erzählen, erscheint mir unerlässlich.

Welche Kameras haben Sie eingesetzt?
Das Projekt wurde mit einer Mischung aus 35-mm-Film, 120er-Film und digitalen Formaten fotografiert, hauptsächlich mit der Leica M3, M6, M11 und M11-D. Die M11-D erlaubte es mir, tief in die von mir fotografierte Umgebung einzutauchen, frei von technischen Ablenkungen, während die M3 und die M6 eine historische Sensibilität mitbrachten, die mit der emotionalen Landschaft der Arbeit im Einklang stand. 

Ihre Pläne für das neue Jahr?
Für das Jahr 2026 sind mehrere Ausstellungen geplant, die Migration Patterns als ein lebendiges Werk weiter ausbauen werden.
Ulrich Rüter
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Brandon Ruffin
EQUIPMENT: Leica M3, Leica M6, Leica M11, Leica M11-D

Migration Patterns+-

__Cover

Mit einem Gedicht von Enjoli Flynn-Ruffin und einem begleitenden Essay von Pendarvis Harshaw. 

72 Seiten, 36 Schwarzweißabbildungen
25,5 × 20 cm, Englisch, Setanta Books

Brandon Ruffin+-

Der preisgekrönte Künstler erlangte vor allem durch sein visuelles Geschichtenerzählen mit Fotografien und Filmen großes Ansehen. Als Leica-Fotograf konzentriert er sich seit vielen Jahren in seinen Reportagen und Porträtaufnahmen darauf, den Menschen und Gemeinschaften, die oft von der Gesellschaft übersehen werden, ein Gesicht zu geben. Er arbeitete unter anderem für den Rolling Stone und The New York Times und ist Gründungsmitglied des Oakland Street Photography Clubs sowie des Cameras and Coffee Clubs. Mehr

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Brandon Ruffin