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11.05.2020

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Die Bilder von Sebastián Pérez zeigen, wie die Pandemie die touristische Infrastruktur einer ganzen Stadt für viele Wochen ausbremst. Im Interview erzählt er, wie er damit umgeht und worauf man jetzt den Fokus legen könnte, um etwas Neues über sich und seine Umwelt zu lernen.

LFI: Könnten Sie bitte die Gegend beschreiben, in der Sie leben? Wie ist die Atmosphäre im Moment und wie hat sie sich in den letzten Wochen verändert?
Sebastián Pérez: Straßburg ist eine Stadt, die normalerweise viele Touristen aus der ganzen Welt anzieht. Sie ist für ihren Weihnachtsmarkt, ihre Kathedrale und die Architektur ihrer Fachwerkhäuser bekannt. Als Symbol der deutsch-französischen Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergt sie zudem zahlreiche europäische Institutionen. Straßburg ist das ganze Jahr über eine sehr lebendige Stadt. Die Ausflugsschiffe reihen sich wie eine Perlenkette auf dem Fluss und die kleinen touristischen Elektrozüge können sich kaum einen Weg durch die Besuchermassen bahnen. Mit der Ankündigung des Lockdowns am 17. März 2020 waren die Touristen, die vertrauten Geräusche und das intensive Leben wie weggeblasen: Straßburg hat sich in eine Geisterstadt verwandelt. Die Plätze der Stadt sind menschenleer, Parks, Gärten, Geschäfte, Terrassen und andere Touristenattraktionen sind geschlossen. Einige wenige Menschen gehen mit einer Bescheinigung in die sogenannten essenziellen Geschäfte.

In welcher Weise hat die gegenwärtige Situation Ihre persönliche Situation und Ihre Arbeit als Fotograf verändert?
Mein persönliches Leben hat sich nicht wesentlich verändert. Ich bin dankbar, bei meinen Liebsten in guter Gesundheit zu sein, im Gegensatz zu den Tausenden von Menschen, die Tag für Tag auf den Intensivstationen liegen. Die Quarantäne hat mir Zeit verschafft, wieder Bücher zu lesen, die für meine berufliche Tätigkeit notwendig sind. Ich konnte auch an der Gestaltung neuer Projekte arbeiten. Konkret hat die Erfahrung dieser historischen Krise einen einzigartigen Moment geschaffen, in dem ich mich viel auf meine Arbeit und die Verbesserung meiner sozialen Kontakte in Zeiten von Social Distancing konzentriere, mit dem wir aktuell leben müssen.  

Wie denken Sie über die Zukunft?
Zusätzlich zu den bekannten politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen, denke ich, dass sich viele Aspekte unseres Lebens verändern werden. Vor der Krise lebten wir in einer Welt, in der alles mit hoher Geschwindigkeit voranschritt; Gemeinschaftsleben und Solidarität mussten sich da hintenanstellen. Diese erzwungene Pause hat viele von uns dazu veranlasst, die Welt, in der wir leben, neu zu überdenken. Die Entwicklungen im Homeoffice könnten die täglichen Pendelzeiten reduzieren und uns die Möglichkeit geben, uns mehr auf Aktivitäten und Beziehungen zu konzentrieren, die wir wegen Zeitmangels sonst immer vernachlässigt haben. So könnte uns diese Krise eine bemerkenswerte Gelegenheit bieten, die Art und Weise zu ändern, wie wir über die Welt, in der wir leben, denken – und das zurückzugewinnen, was uns zu sozialen Wesen macht.

Interview: Danilo Rößger
Alle Bilder auf dieser Seite: © Sebastián Pérez
Equipment: Leica M (Typ 240) mit Summilux 1:1.4/50 Asph
© Melanie Bechire

Sebastián Pérez

Sebastián Pérez wurde am 4. August 1981 in Santiago de Chile geboren, wo er zehn Jahre lang Medizin studierte und praktizierte. Derzeit lebt er in Frankreich, wo er an der École Nationale Supérieure de la Photographie in Arles studiert. Sein Hauptaugenmerk liegt auf Fotoreportagen über verschiedene Aspekte des Lebens in der heutigen Gesellschaft, mit einem starken Schwerpunkt auf zwischenmenschlichen Beziehungen.

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