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BUCHTIPP

11.09.2015

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Eine Spurensuche der besonderen Art: Der Ausgangspunkt für das neue Buch der niederländischen Fotografin war der Tod des Vaters, den sie schon lange nicht mehr gesehen hatte. Als Erinnerungsstück hatte er ihr ein Fossil, eine Versteinerung, hinterlassen. Doch beim Betrachten des Buches wird schnell klar, dass es nicht um die Geschichte des Vaters geht, sondern um die Themen Verlust, Erinnerung und Veränderung. Um die zu visualisieren, hat die Fotografin eine Familie in Tansania ausgewählt.

Der Titel des Buches bleibt dabei Programm, denn van der Pluijm geht davon aus, dass sich eine Geschichte nie vollständig erzählen lässt. Und doch schafft es die Fotografin durch ihre assoziative Erzählweise, den Betrachter zum Zeugen eines historischen, aber gleichzeitig auch sehr gegenwärtigen Veränderungsprozesses zu machen. Dabei spielt der Begriff der Erosion eine entscheidende Rolle. Erosion meint das allmähliche Abtragen von Felsgestein oder Böden durch Wind, Regen oder das Meer. Im übertragenen Sinn steht der Begriff bei van der Pluijm für das langsame Abtragen bürgerlicher Freiheiten, das Verschwinden von Familienstrukturen. Nicht nur der Boden rutscht fort, auch eine Familie zerfällt. Die konkrete Geschichte im tansanischen Dorf Tosamaganga berichtet von den wirtschaftlichen und geologischen Problemen in dieser Region, aber auch von den lebenden und verstorbenen Familienmitgliedern. So ist van der Pluijm nicht nur Fotografin, sondern gleichzeitig Anthropologin, Ethnologin und subjektive Erzählerin.

Die „unvollständige Geschichte“ ist ein poetisches Bekenntnis zur Unmöglichkeit der Rekonstruktion von Wahrheit. Die Fotografie ist dabei das perfekte Mittel, um die Vorstellungskraft zu aktivieren, sich individuell einem Thema zu nähern oder eine Geschichte zu rekonstruieren. Doch vor allem zählt die Erkenntnis, dass das nie in geschlossener Perfektion möglich ist und ein gewisser Grad der Unvollständigkeit bestehen bleiben wird. Ulrich Rüter

96 Seiten, 52 Triton-Abbildungen
22 x 24,5 cm
englisch
Schilt Publishing

Die Fotografin und bildende Künstlerin Ananda van der Pluijm (*1980) lebt in Amsterdam. Von Anfang an hat sie persönliche, intime Geschichten geschaffen und porträtiert mit größter Sensibilität, Mitgefühl und Respekt. Ihr Abschlussprojekt Martin, das sie für die Amsterdamer FotoAcademie erarbeitete, stellte ihren Halbbruder in den Mittelpunkt, den die Fotografin zuvor zehn Jahre lang nicht gesehen hatte. Die Serie gewann beim World Press Photo Wettbewerb 2013 den 3. Preis in der Kategorie „Observed Portraits Stories“. Van der Pluijm hat außerdem einen Master-Abschluss in „Cultural Stories“.
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