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14.12.2018

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Frankreich, und besonders Paris, wird seit Wochen von den Protesten der sogenannten ”Gelbwesten“ erschüttert. Immer in der ersten Reihe mit dabei ist die Kriegsfotografin Véronique de Viguerie, die das Geschehen mit ihrer Leica Q festhält. Fesselnde Bilder, die ein Land in Aufruhr zeigen.

Sie sind eine bekannte und oft ausgezeichnete Kriegsfotografin. Hat sich diese Erfahrung während der Arbeit bei den Pariser Protesten als hilfreich erwiesen?
Véronique de Viguerie: Ja, ich denke, die Erfahrung hilft dabei, in einer sehr angespannten Situation ruhig zu bleiben und fliegenden Steinen, Flaschen und dem Tränengas auszuweichen. Es ist ein Pluspunkt, um in einer „bekannten“ Situation zu sein.
Zum Beispiel habe ich mich an Tränengas "gewöhnt", als ich über Proteste in Gaza berichtete. Ich bekomme keine Panik mehr, auch wenn ich kurz denke, keine Luft mehr zu bekommen, denn ich weiß, dass es vorüber gehen wird. In gewisser Weise war ich also dank meiner bisherigen Erfahrungen vorbereitet.
Sie (die Pariser Sicherheitskräfte Anm.d.Red.)benutzten auch viele "sehr laute Granaten", die einem das Gefühl geben, mitten auf dem Schalchtfeld in Mossul zu stehen. Aber Gott sei Dank gibt es keine Granatwerfer, Scharfschützen oder änhliches. Aber die Atmosphäre kann mit Sicherheit überwältigend sein.

Was ich eigentlich wissen möchte, ist, ob dieser Job anders oder ähnlich war wie das Fotografieren eines Krieges war? Können Sie das bitte ausführen?
Es ist schon komisch, das Gefühl zu haben, in der eigenen Stadt in den Krieg zu ziehen. Morgens mit seinen Kindern zu frühstücken, dann die „Kriegsausrüstungung“, wie Helm, Maske usw. anzuziehen und zum Abendessen nach Hause zu kommen: schwarz vom Rauch, mit klingenden Ohren, dem Geruch von Tänengas und voller Adrenalin.
Während der Proteste traf ich auf befreundete Fotografen, die auch in Mosul waren und über die Schlacht berichtet hatten, und wir mussten uns kneifen, um zu glauben, dass wir tatsächlich in Paris waren. Es war sehr eindringlich: Der Lärm, die ganzen Brände und Granaten, die Gewalt, die geschlossenen Geschäfte, die Stille nach den Granaten, die leeren Straßen und die Angst...

In einem anderen Interview haben Sie gesagt, Sie wollen mit Ihrer Arbeit der Öffentlichkeit so viele Informationen wie möglich geben, damit sie die Situation selbst beurteilen kann. Dennoch stelle ich die Frage, wie Sie persönlich die Proteste beurteilen, über die Sie ja seit den Anfängen berichtet haben?
Alles, was ich sagen kann, ist, dass ich die Wut der „Gelbwesten“ gespürt habe. Eine sehr aufrichtige und tiefe Wut. Aber um ehrlich zu sein, nachdem ich viele Länder in Not gesehen habe, denke ich, dass die Franzosen im Allgemeinen das Glück, das sie haben, nicht zu schätzen wissen. Wie Sylvain Tesson sagte:„La France est un paradis peuplé de gens qui se croient en enfer“ /Frankreich ist ein Paradies voller Menschen, die glauben, in der Hölle zu sein.

Am vergangenen Wochenende nahm das CRS (Compagnies Républicaines de Sécurité, französische Polizeikräfte) Ihnen Ihre Gasmaske und weitere Teile Ihrer Schutzausrüstung ab. Wie denken Sie darüber? Haben Sie daran gedacht, nach Hause zu gehen?
Auf keinen Fall. Aber ich hielt es für unfair, mich in Gefahr zu bringen, trotzdem jedem bekannt war, dass die Proteste sehr gewalttätig waren, mit vielen fliegenden gefährlichen Objekten. Ich war sehr wütend, dass sie mich absichtlich in eine brenzlige Lage brachten. Und ich wünsche mir wirklich, dass sich so etwas nie wieder mit mir oder anderen Journalisten wiederholt. Es gab viele meiner Kollegen, die durch Flash-Bälle usw. verletzt worden sind. Wir wissen alle, dass mit unserer Arbeit Risiken verbunden sind, aber wir müssen uns schützen können, um diese so weit wie möglich zu minimieren. Und wenn sie (die Sicherheitskräfte, Anm.d.Red.) das noch einmal tun, wird es mit Sicherheit einige Schwerverletzte geben. Ich möchte nicht, dass einer meiner Kollegen ein Auge verliert, weil er nicht durch einen Helm geschützt war.  

Werden Sie nächstes Wochenende erneut über die Proteste berichten?
Ja.

Alle Bilder auf dieser Seite: © Véronique de Viguerie
Equipment: Leica Q mit Summilux 1:1.7/28 mm Asph
Eine „Gelbweste“ in Aktion.
Protestierende vor dem Triumphbogen.
Die Effekte eines Tränengas-Angriffs.
Sicherheitskräfte vor dem Triumphbogen.
Panzer in der Pariser Innenstadt.
Ein Mitglied der Gendarmerie hält eine Granate.
Ein brennendes Auto in Paris.

Véronique de Viguerie

Die mehrfach ausgezeichnete französische Fotografin studierte nach dem Abschluss eines Masterstudiums der Rechtswissenschaften Fotojournalismus in England. Für ihre Arbeit zog sie für drei Jahre nach Afghanistan. Seit 2006 reist sie für Reportagen an die gefährlichsten Orte der Welt wie den Irak, Somalia, Libanon, Kaschmir, Mexiko, Algerien, Guatemala, Pakistan, Niger, Nigeria, Mali, Syrien usw.
Mutig meistert sie diese herausfordernden Aufträge und persönlichen Projekte und arbeitet dabei häufig mit der Journalistin Manon Querouil zusammen. Im Jahr 2018 erhielt sie die renommierte Auszeichnung „Visa d'Or“ für die Berichterstattung Yemen, The Hidden War.

Véronique de Viguerie lebt in Paris.

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