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ONE PHOTO – ONE STORY

24.05.2022

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„Wenn ich in fremden Städten bin, lasse ich mich normalerweise gerne treiben und meide touristische Gegenden. Das war auch an diesem Tag der Fall, als ich auf dem Bürgersteig einer sehr belebten Straße in Shanghai entlangging. Es war eine lokale Gegend mit vielen Zigaretten- und Lebensmittelläden. Es liefen viele Tiere herum - Hunde und Katzen waren überall! Plötzlich entdeckte ich ein Kätzchen, das vor einem Geschäft saß und ein drei Meter langes Seil um den Hals hatte. Es hatte zwar Futter und Wasser, also war es offensichtlich versorgt - aber an einer so kurzen Leine hatte es absolut keine Freiheit. Ich fühlte mich wirklich schlecht und hatte großes Mitleid mit der Katze...

Da ich mich nicht in einem touristischen Gebiet befand, konnte ich dort mit niemandem sprechen oder die Schilder lesen. Ich hatte keine Ahnung, um was für einen Laden es sich handelte. Ich erinnere mich, dass sie Glückskatzen in den Fenstern hatten, aber ich kenne mich nicht besonders mit dieser Kultur aus.

Ich dachte viel über die Katze nach und darüber, wie seltsam es war, sie an einen Pfahl gebunden zu sehen. Ich bin es gewohnt, Hunde an der Leine zu sehen, aber Katzen haben sonst eigentlich immer die Freiheit, sich bewegen zu können. Besonders in Shanghai, wo es überall streunende Katzen gibt. Offensichtlich wird diese Katze geliebt und der Besitzer möchte, dass sie in der Nähe bleibt, aber es war in diesem Moment ein wenig beunruhigend und verwirrend.

Dieses Bild erinnert mich daran, dass ich aufgrund des komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS) mit meinen Einschränkungen leben muss. Ich habe, was ich zum Überleben brauche, aber ich bin immer noch an die kurze Leine des Schmerzes gebunden. Das Kätzchen sitzt stolz an dem am weitesten rechts gelegenen Punkt, weit weg von Wasser und Futter – kurz bevor das Seil eng und unbequem wird. Es ist nur einen Schritt davon entfernt, seine Grenzen zu überschreiten und sich selbst zu ersticken. Das ist der Punkt, an dem auch ich immer sein muss, um die Dinge zu erreichen, die ich mir im Leben wünsche. Es ist schwierig, sich durch Schmerzen zu quälen, aber sollte nie so weit gehen, dass die eigenen Bedürfnisse das Leben noch schwieriger machen, als es ohnehin schon ist. Den Punkt zu finden, an dem ich mich am meisten anstrengen kann, ohne mich zu überfordern, ist ein sehr wichtiger Punkt im Umgang mit chronischen Schmerzen. Das ist etwas, was ich ständig lerne, denn das metaphorische Seil ist manchmal kürzer oder länger es ist immer noch sehr wichtig, zu versuchen, ein Leben mit Sinn und Zweck zu leben, indem ich die Welt um mich herum fotografiere.“

Text und Bild: © Terry LaRue
Equipment: Leica M (Typ 240) mit Summarit-M 1:2.4/50


Erfahren Sie mehr über die Fotografie von Terry LaRue im LFI Magazin 4/2022.
© Terry LaRue

Terry LaRue

Geboren 1985 in Riverside, Kalifornien, USA. Er ist Autodidakt und lebt in Seattle, Washington. 15 Jahre lang arbeitete er als Videofilmer mit Prosumer-Camcordern, um professionelle Skateboardfahrer zu dokumentieren. Er hat unter anderem für Firmen wie Bones Wheels, Emerica Shoes und Powell-Peralta gearbeitet. Im Jahr 2017 reiste er nach Shanghai, um an seiner ersten redaktionellen Geschichte zu arbeiten.

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