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18.09.2018

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Es begann an seiner Kommunion: Nachdem Stefano Mirabella an diesem Tag seine erste Kamera geschenkt bekommen hat, erwies sie sich schnell als treuer Begleiter auf Reisen durch sein Heimatland Italien und ganz Europa. Seine Leidenschaft für Fotografie treibt ihn auch heute noch voran, um kuriose und aberwitzige Situationen im urbanen Getümmel einzufangen. In unserem Interview spricht Mirabella über Authentizität, sein Bauchgefühl und seine Rolle als „Nicht-Fotograf“.

LFI: Wie sind Sie zur Street Photography gekommen?

Stefano Mirabella: Zuerst war ich von der Reportagefotografie total fasziniert und nahm an Kursen mit Francesco Zizola, Paolo Pellegrin, Ivo Saglietti oder Larry Towell teil. Ich lieferte zufriedenstellende Ergebnisse ab und erhielt etwas Anerkennung, aber ich konnte mich nicht so sehr auf die sozialen Fragen konzentrieren, die ich mit meinen Reportagen eigentlich beantworten wollte.

Dann, im Jahr 2011 – als meine Leidenschaft für die Fotografie abzuflauen drohte – lernte ich die Street Photography kennen und war sofort Feuer und Flamme. Die Fähigkeit der Fotografen, den Alltag zu beobachten und neu zu interpretieren, hat mich absolut überzeugt. Also begann ich auch nach dieser Methodik zu fotografieren. Ich verbrachte Stunde um Stunde in der Stadt – zuerst mit dem Beobachten und nach einiger Zeit mit dem Fotografieren. Im Laufe der Zeit konnte ich dank meines Austauschs mit Profis meine Leidenschaft in einen Beruf umsetzen.

Ihre Bilder zeigen oftmals unglaubliche Zufälle - manchmal wirken sie so bizarr, dass sie fast inszeniert wirken. Wie gelingt Ihnen das?

Wenn ein Foto gut gemacht ist, können im Kopf des Betrachters Zweifel an dessen Authentizität aufkommen – aber jeder seriöse Street Photographer hat ein tief verwurzeltes Bedürfnis, die aufgenommene Szene niemals zu inszenieren oder gar modifizieren zu müssen.

Der Alltag ist eine Bühne, auf der wir alle eine Rolle spielen. Auch der Fotograf – oder vielleicht sollte ich sagen, der „Nicht-Fotograf“ – betritt sie. Das ist es, was mich am meisten fasziniert: Ich muss nicht in ein Fotostudio gehen oder in Kriegsgebiete reisen, um Fotos zu machen und eine Geschichte zu erzählen. Ich muss lediglich den Alltag und seine anarchische Natur unter Berücksichtigung der immerwährenden Unvorhersehbarkeit erforschen.

Die Entwicklung eines Gespürs für ungewöhnliche Situationen ist die Mission des „Nicht-Fotografen“. Um dies zu erreichen und nicht den natürlichen Fluss des täglichen Lebens durch die eigene Anwesenheit zu ändern, muss man so unauffällig wie möglich sein. Deshalb nannte sich auch der große Marco Pesaresi einen „Nicht-Fotografen“, und ich stimme seiner Haltung voll und ganz zu. Seitdem ich mit der Street Photography begonnen habe, habe ich sowohl meine Heimatstadt als auch ihre Bewohner wiederentdeckt – und nicht zuletzt mich selbst.

Meine Arbeitsweise ist immer anders. Wenn ich beispielsweise eine Szenerie erahne, kann es passieren, dass ich sehr lange warten muss. Manchmal kann es aber auch nur wenige Minuten dauern, bis eine von mir vorgesehene Szene vollständig ist. Aber genauso oft habe ich überhaupt keine Zeit zum Nachdenken, dann handele ich aus dem Bauch heraus und reagiere auf die Umstände, die die Straße bietet.

Könnten Sie uns ein Beispiel für ein Bild geben, das sehr schwer zu schießen war?

Da wäre beispielsweise die Aufnahme eines kleinen Mädchens, das aus dem Fenster eines Busses schaut, dessen Aussenwerbung eine schöne Frau zeigt, während ein Mann im Hintergrund vorbeikommt. (s. erstes Bild rechts) Man sieht hier mehrere Ebenen, mehrere Motive und mehrere Aspekte, die ich innerhalb weniger Sekunden bedenken musste, stets in der Hoffnung, dass sich die Szene nicht dramatisch ändert. Leider ist es ziemlich selten, dass diese Art von Aufnahmen gut gelingen.

Wenn ich mir Ihre Bilder anschaue, sehe ich eine große Bandbreite von Menschen, von kleinen Kindern bis hin zu alten Männern. Haben Sie bevorzugte Subjekte für Ihre Motive?

Ich habe keine spezifische Präferenz – ich liebe alle Menschen. Und ich wähle meine Motive nicht nach ihren äußerlichen Merkmalen, sondern ausschließlich nach ihrer Beziehung zur Szene, die ich darstellen möchte. Meiner Meinung nach geht es in der Street Photography nicht um die Menschen an sich, sondern um die Protagonisten in Bezug auf ihre jeweilige Umgebung.

Haben Sie jemals Feedback von jemandem erhalten, den Sie in einem Bild aufgenommen haben?

Bisher habe ich noch nie jemanden getroffen, den ich zuvor porträtiert habe, aber vielleicht wird es früher oder später passieren. Tatsächlich hatte ich auch noch nie die Möglichkeit, nach der Aufnahme mit einem meiner Protagonisten zu sprechen, denn ich bevorzuge es, so unauffällig wie möglich zu fotografieren und dann weiterzugehen. Ich glaube, dass ich durch diesen unaufdringlichen Ansatz bessere Ergebnisse erzielen kann.  

Sie scheinen eine Vorliebe für Aufnahmen in Schwarzweiß zu haben...

Schwarzweiß ist Teil meiner visuellen Kultur, oder besser gesagt der visuellen Kultur der Fotografen, die mich beeinflusst haben. Besonders in Italien ist es stark mit dem Neorealismus und der soziokulturellen Strömung verbunden, die das Land seit den 40er Jahren so stark geprägt hat. Ich gehöre jedoch nicht zu den Fotografen, die behaupten, die Welt Schwarz auf Weiß zu sehen: Ich fotografiere auch in Farbe, vor allem in letzter Zeit. In manchen Situationen werden die Farben zu einem wesentlichen Bestandteil der Geschichte, die ich erzähle. Wir müssen uns nur erlauben, dass sie sich entfaltet.

Alle Bilder auf dieser Seite © Stefano Mirabella
Equipment: Leica Q, Summilux 1:1.7/28mm Asph
© Stefano Mirabella

Stefano Mirabella

Der ehemalige Leica-Ambassador (2015-2018) Stefano Mirabella wurde 1973 in Rom geboren. Für ihn ist die Fotografie die Synthese aus der Darstellung von Realität und der Fähigkeit, sie zu transzendieren. Seit 2013 ist er Mitglied des italienischen Street Photography Kollektivs SPontanea und seit 2018 Tutor bei Officine Fotografiche Roma.

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