UNSERE WEBSITES
Deutsch
Warenkorb
Artikel hinzugefügt
Zur Kasse

BUCHTIPP

13.07.2021

|
Share:
Am besten durchblättert man das Buch unter einer starken Lampe, dann scheinen die silbernen Spuren der ersten Bilder auf dem matt-schwarzen Papiergrund umso mehr zu leuchten. Die Motive zeigen beispielsweise Wasserfälle in einer Berglandschaft, und nur bei genauem Hinsehen wird auch die schwarze Silhouette einer Person erkennbar. Eine weitere Doppelseite präsentiert nur ein paar Vögel, die sich in ihrer hellen Flugunschärfe vom schwarzen Hintergrund abheben – dazwischen gemischt hat sich aber auch ein Flugzeug, das in die gleiche Richtung wie die Vögel zu ziehen scheint.

Schon die ersten Seiten verdeutlichen die Intention des Buchs: Es ist eine sehr poetische Auseinandersetzung mit dem Thema der Migration. Auch die folgenden Motive, jeweils als Doppelseite gedruckt, zeigen Natur und Landschaften, nahe Porträts oder Stillleben, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen. Ein gefalteter Pappteller, die Schalen einer Orange in einer Hand, ein aufgebrochener Granatapfel: Diese Motive können für Erinnerungen oder verschüttete Momente einer Biografie stehen.

Papierwechsel und die immer wieder eingefügten stark farbigen, fast monochrom erscheinenden Seiten lassen das Durchblättern des Buchs zu einem vielschichtigen und überraschenden Erlebnis werden. Der Zusammenhang zwischen den Bildern ist nur assoziativ zu finden und als visuelle Erzählung zu verstehen, die eben nicht eindeutig ist und zum Nachdenken über den Verlust von biografischen Wurzeln und der Suche nach Zugehörigkeit in den Biografien von Immigranten nachdenken lässt. Nur der Mond erscheint als Konstante zwischen den Welten. Und so erklärt sich auch der bleiche silbrig-glänzende Seitenanteil im Buch. Der vertraute Mond kann zu einem verbindenden Element werden, das vielleicht sogar die Brüche des Lebens überwinden hilft.

„Ich wuchs mit dem Wissen auf, etwas ‚anderes‘ als amerikanisch zu sein.“ Die Fotografin hat eigene Migrationserfahrungen: Bereits ihre Familie kam in den 1960er-Jahren aus dem Iran in die USA, und als sie selbst unerwartet nach Australien zog, spiegelten sich die Gefühle ihrer Familie im eigenen Erleben wider. „Ich bin kurz nach meinem 30. Geburtstag ausgewandert. In Australien waren die Farben der Blumen, das warme Gelb der Sonne, die seltsam geformten Bäume zunächst bezaubernd. Aber als die Zeit verging, fühlte ich mich verloren, in der Schwebe. Als Immigrantin hatte sich mein Verständnis von Ort, mein Gefühl für persönliche Identität, sogar die Eindrücke meiner Erinnerungen verschoben. Heimat wurde ein Ort zwischen hier und dort. Ich begann, dieses Gefühl visuell zu erforschen, indem ich Fotografien in Australien und den Vereinigten Staaten machte“, erläutert die Fotografin. Mit ihrem präzise gestalteten Bildband gibt sie Einblick in ein Leben zwischen verschiedenen Kontinenten und Mentalitäten, erweckt Gefühle von Verlust und Verlorenheit, dem Leben in der Schwebe und der Suche nach der eigenen Identität in berührenden Bildern. (Ulrich Rüter)

Stacy Arezou Mehrfar – The Moon Belongs to Everyone
Hardcover mit Schweizer Broschur, 112 Seiten
32 Farbabb. und 25 Silberprints auf ungestrichenem schwarzen Papier
16,5 × 22,5 cm, Englisch
Gost
#040817 from ‘The Moon Belongs to Everyone’, 2014 © Stacy Arezou Mehrfar
#151015 from ‘The Moon Belongs to Everyone’, 2015 © Stacy Arezou Mehrfar
#270315 from ‘The Moon Belongs to Everyone’, 2014 © Stacy Arezou Mehrfar
A Place in the Sun #222 from ‘The Moon Belongs to Everyone’, 2015 © Stacy Arezou Mehrfar
#Memory #1 from ‘The Moon Belongs to Everyone’, 2014 © Stacy Arezou Mehrfar
Memory #13 from ‘The Moon Belongs to Everyone’, 2019 © Stacy Arezou Mehrfar
Memory #21 from ‘The Moon Belongs to Everyone’, 2019 © Stacy Arezou Mehrfar
The Moon Belongs to Everyone #5 from ‘The Moon Belongs to Everyone’, 2015 © Stacy Arezou Mehrfar
Through the Looking Glass #77 from ‘The Moon Belongs to Everyone’, 2014 © Stacy Arezou Mehrfar
© Jamie Riva

Stacy Arezou Mehrfar

Geboren und aufgewachsen ist sie als Kind iranischer Eltern in Long Island, New York. Von 2008 bis 2016 war sie in Sydney, Australien, wo sie einen MFA an der University of New South Wales, Art & Design, absolvierte und als Dozentin für Fotomedien an mehreren Kunsthochschulen tätig war. Ihre Arbeiten wurden bereits international ausgestellt, und sie erhielt zahlreiche Stipendien, Preise und Residenzen. Nach Tall Poppy Syndrome (veröffentlicht 2012) ist The Moon Belongs to Everyone ihr zweiter Bildband. Die Künstlerin und Fotografin lebt und arbeitet derzeit in New York.

Webseite
Instagram
Link teilen:
via E-Mail Mail
BLEIBEN SIE AUF DEM LAUFENDEN MIT DEN LFI NEWS CHANELS: LFI APP ZUM DOWNLOAD:
lfi
auf facebook
lfi
newsletter
lfi
app
Schließen