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PORTFOLIO

22.01.2015

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Nach mehreren Jahren im Ausland kehrt Fotograf Giulio Rimondi zurück nach Italien. Doch wie sieht seine Heimat heute aus? Rimondi macht sich auf die Suche nach seiner Jugendliebe und findet sich selbst.

Den ersten Teil seiner Reise sehen sie hier.

„Im Expresszug entlang der Adria lernte ich Rosario kennen. Der 20-Jährige mit dem süditalienischen Akzent ist sehr zurückhaltend, als er über die Offiziersschule spricht, die er gerade besucht.

Ich stand früh morgens auf, um zum Elternhaus von Elena zu gehen. Sie wohnen in der Altstadt von Bari, der Hauptstadt Apuliens. Aber sie waren nicht zu Hause. Von einer Nachbarin erfuhr ich, dass Elena jetzt in einem Luxushotel in Nizza arbeitet. Verdammt! Ich schaute nach, wie viel Geld ich noch übrig hatte. Dann entdeckte ich an einer Wand den Spruch ‚Es sind Krisenzeiten, sogar die Madonna weint.‘

Ich fuhr weiter in die Stadt Trani. Am Platz vor der Kathedrale traf ich mich mit Chiko. Er ist hier geboren, aber schlägt sich in England als Mundharmonikaspieler durch. Auf seiner Wange prangt das Tattoo eines Spermiums als Zeichen seiner Fruchtbarkeit. Er gab sein Geld lieber für das Tattoo als für einen Ehering aus. Als wir Abends betrunken bei ihm ankamen, ist seine Mutter bereits in einem Sessel eingeschlafen. Ein gelber Wellensittich saß ruhig auf ihrer Schulter.

Am nächsten Morgen reiste ich ab, weg von der Küste, Richtung Lukanien und Irpinien, selbst Italienern sagen diese Regionen nur wenig. Nachts legte sich eine gespenstische Stille über die Schluchtenlandschaften, die nur hin wieder von PS-starken Transportern gestört wurde, die sich mühsam über die steilen Schotterpisten schoben. Ob sie sich wohl verfahren hatten? Die Antwort kriege ich am nächsten Morgen von einem Barman zusammen mit einem Kaffee: ‚Die ‘Ndrangheta, die kalabrische Mafia verschachert in der abgelegenen Region Giftmüll.‘

Ich erreichte Aliano, aber es fühlte sich an, als wäre ich auf dem Mond gelandet. Die Menschen hier sind hart, aber herzlich. Eine Witwe, ganz in schwarz gekleidet, nickte mir zu als ich vorüberging.“

Giuilio Rimondi

Rimondi, 1984 in Italien geboren, studierte Literatur und Kunstgeschichte. In seinen Fotoreportagen konzentriert er sich vor allem auf soziale Phänomene und Probleme in der Mittelmeerregion. Seine Arbeiten als Fotojournalist wurden u. a. in New York Times-Lens, Le Monde, Repubblica und weiteren Magazinen Europas und des Nahen Ostens veröffentlicht.

www.giuliorimondi.com
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