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PORTFOLIO

23.03.2021

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In jedem wachen Moment seines Lebens hat Serge J.-F. Levy seine Leica dabei und erschafft Bilder, die Vorgänge in seinem Unterbewusstsein widerspiegeln. Levy verwandelt die Straße in ein Theater und ahnungslose Passanten werden zu Schauspielern in komplexen Dramen. Im Interview spricht Levy über Street Photography als Form seiner eigenen, ganz persönlichen Tagebucharbeit.

LFI: Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?
Serge J.-F. Levy: Schon als Kind wollte ich meine Gefühlswelt mittels kreativer Tätigkeiten greifbar machen. Als Fotograf bin ich Autodidakt und in den ersten Jahren hatte ich noch nicht ganz begriffen, dass ein Foto auch eine Form des Ausdrucks und nicht nur eine Form der Dokumentation sein kann. Während dieser frühen Jahre, in denen ich für Zeitungen und Associated Press arbeitete, fühlte sich meiner Arbeit meistens an, als diente sie dazu, Ereignisse in ein formal ansprechendes Rechteck aus fotografischer Information zu verwandeln. In den späten 90er-Jahren empfand ich eine gewisse Frustration bei dieser Tätigkeit. Ich begann, Arbeiten zu schaffen, die sich um bestimmte Themen drehten und konzentrierte mich auf langfristige Projekte und Magazinarbeit. Schließlich wurde mir klar, dass die Personen, die ich fotografierte, in mir lebten oder dass ich mich zumindest mit einigen Aspekten dessen, was sie darstellten, identifizierte. So wurde die Fotografie für mich zu einer Dokumentation meines Innenlebens.

Welche Rolle spielt Leica dabei?
Leica-Kameras und -Objektive sind eng mit der Geschichte der Dokumentar- und Street Photography verknüpft und es steht außer Frage, dass die Verwendung einer Leica eine Möglichkeit war, mich in diese Geschichte einzuordnen. Mein Vater – ein ausgebildeter Ingenieur und Physiker – hatte ein bemerkenswertes Auge für Details. Viele Jahre lang wollte ich seinen anspruchsvollen Standards gerecht werden. Ich erinnere mich, dass er die Qualität meiner Fotos oft daran maß, wie scharf das Bild war. Und obwohl ich diese Herangehensweise nach wie vor etwas zweifelhaft finde, war es die Aufmerksamkeit für Präzision, die mir dabei am meisten ans Herz gewachsen ist. Leica ist das Markenzeichen für Präzision und so lag es nahe, mich mit dieser Ausrüstung auszustatten. Ich hatte auch das Glück, ein beträchtliches Kreativitätsstipendium von meiner Alma Mater, dem Vassar College, zu erhalten, das mir den Kauf meiner ersten M6 TTL und einer Reihe von Festbrennweiten ermöglichte.

Können Sie uns etwas über Ihre fotografische Herangehensweise erzählen?
Da ich sehr intuitiv vorgehe, ist es schwer zu definieren, was in einem Bruchteil einer Sekunde passiert. Ich kann Ihnen aber sagen, dass es mit einem Gefühl beginnt – oft etwas Unbehagliches, Bedrohliches, Verwirrendes oder Angespanntes. Selbst im Fall des entzückenden Mädchens im rosa Kleid mit dem Luftballon hat mich immer die Spannung zwischen der Unschuld ihrer Anwesenheit und der umgebenden Dunkelheit beeindruckt. Ich habe also nicht wirklich eine formale Herangehensweise. Deshalb sind die meisten dieser Bilder während meiner täglichen Gänge entstanden. Davon abgesehen fällt mir auf, dass ich oft auf der Sonnenseite der Straße gehe, fast immer die richtigen Lichtwerte für jede Situation kenne und immer so offen wie möglich bleibe.

Was übte den größten Einfluss auf Ihre Fotografie aus?
Ich bin in New York aufgewachsen und wohnte dort die ersten 39 Jahre meines Lebens. Ich wurde Zeuge von Gewalt, versuchte Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu verstehen und verinnerlichte diese Schmerzen. Ich habe den Wunsch, zu zeigen, wie die Welt aussieht, wenn man sie durch die Linse dieser Gefühle und Gedanken filtert. Letztlich habe ich nicht das Gefühl, dass die Kämpfe, die ich erlebt habe, einzigartig sind. Aber vielleicht verbindet sich ein Aspekt dessen, wie ich die Welt sehe, die wir alle teilen, mit der Erfahrung eines anderen Menschen. Ich glaube auch nicht, dass all das eine notwendige Grundlage für effektive Kunst oder Fotografie ist. Aber die Erfahrung, durch meine Arbeit eine erfolgreiche Verbindung zu meinem Publikum herzustellen, bereitet mir unglaublich viel Freude. (Interview: Danilo Rößger)

Alle Bilder auf dieser Seite: © Serge J.-F. Levy
Equipment: Leica M6 mit Summicron-M 1:2/35 Asph und Summicron-M 1:2/50
© Stephanie Burchett

Serge J.-F. Levy

Serge J.-F. Levy erwarb den Master in Fotografie an der University of Arizona. Seine Fotografie war bisher in Einzel- und Gruppenausstellungen unter anderem in Berlin, New York und Tokio ausgestellt und erschien in namhaften Magazinen wie dem New York Times Magazine, Life, Marie Claire und dem Stern. Zudem unterrichtete Levy am International Center of Photography (NYC), der University of Arizona, dem Tohono O’odham Community College und dem Pima Community College. Derzeit lebt er in Tucson, Arizona, und verbringt einen Großteil seiner Zeit mit Street Photography in der Wildnis der Wüste.

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