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09.07.2019

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Tee gehört zu den beliebtesten Getränken der Welt - aber nur wenige wissen, was sich hinter den Kulissen einer Teeplantage abspielt. Die Fotografin Schmoo Theune möchte mit ihrer Arbeit Licht ins Dunkel bringen. Mit uns sprach Sie über ihre Erfahrungen mit den Menschen, die auf den Teeplantagen in Sri Lanka arbeiten.

LFI: Was fasziniert Sie an der Teeernte in Sri Lanka, wie sind Sie auf das Thema gekommen?

Schmoo Theune: Ich trinke für mein Leben gern Tee und dachte, es wäre eine wunderbare Gelegenheit, ein wenig tiefer in diesen Bereich einzusteigen. Je mehr ich für diese Geschichte recherchierte, desto faszinierter war ich vom gesamten Prozess und den Menschen, die ihn am Laufen halten. Ich wusste zwar zuvor schon ein wenig über die sozialen Verwerfungen innerhalb der ethnischen Gruppen auf Sri Lanka, aber die Tatsache, dass der Anbau und die Vermarktung von Tee immer noch weitgehend so funktioniert wie in der britischen Kolonialzeit, hat mich sehr bewegt.

Welche Rolle spielt die Teepflanze in Sri Lanka?

Eine riesige. Jüngste Statistiken zeigen, dass es sich um eine Milliardenindustrie handelt, die mindestens fünf Prozent der Bevölkerung des Landes beschäftigt. Sie hat koloniale Wurzeln, geht auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück und ist bis heute stark in der Kultur von Sri Lanka verankert. Jeder dort trinkt Tee, egal ob er in der Branche arbeitet oder nicht. Und natürlich spielt die Teepflanze eine große Rolle für den Tourismus des Landes. Überall auf der Insel gibt es unzählige Teeplantagentouren und Teestuben für Besucher.

Wie lange waren Sie auf Sri Lanka und welchen Eindruck haben Sie von den Menschen gewonnen?

Ich war zwei Wochen lang auf Sri Lanka. Es waren sehr lange Tage, zumal selbst die nächste Plantage über eine Stunde von Kandy im Zentrum der Insel entfernt war, wo ich wohnte. Das bedeutete, vor Tagesanbruch aufzustehen, damit ich die Arbeiterinnen treffen konnte, bevor sie Ihren Tag auf den Plantagen beginnen. Sobald sie auf den Feldern sind, dürfen sie normalerweise nicht mit Außenstehenden sprechen oder ihre Arbeit unterbrechen.

Mit der Hilfe einer einheimischen Übersetzerin sprach ich mit unzähligen Menschen auf den Feldern und in den Fabriken. So konnten wir einen sehr detaillierten Blick hinter die Kulissen werfen. Neben den offiziellen Teestuben besuchten wir vor allem die Dörfer, in denen die Arbeiterinnen und ihre Familien leben.

Die Teepflückerinnen waren fasziniert von der Idee, dass jemand tatsächlich mit ihnen sprechen und von ihrem Leben hören wollte. Es gab jedoch selbst mit meiner Übersetzerin eine große Sprachbarriere, da die Teepflückerinnen indisch-tamilischer Abstammung sind und eine andere Sprache sprechen als die Mehrheit der Sri Lanker.

Wie sieht der Alltag für die Menschen auf den Teefeldern aus?

Das Leben einer Teepflückerin ist hart. In Sri Lanka gibt es noch immer ein sehr strenges Kastensystem und die Arbeiterinnen auf den Teeplantagen stehen ganz unten. Sie arbeiten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf den Feldern und haben nur wenige Pausen, immer unter der Aufsicht eines Vorgesetzten. Wenn sie nachts nach Hause kommen, müssen sie für die Familie kochen und Zeit mit ihren Kindern verbringen.

Morgens stehen sie vor Tagesanbruch auf und versorgen die Familien, bevor sie auf die Felder gehen. Es gibt praktisch keine freien Tage, da das Teepflücken nicht viel Geld einbringt. Viele Frauen übernehmen Jobs auf benachbarten Plantagen, wenn es auf ihrer heimischen Plantage nichts zu pflücken gibt.

Die Teepflückerinnen erzählten mir, dass sie 600 Sri-Lanka-Rupien (ca. 3 Euro) verdienen, wenn sie es schaffen, 18 Kilogramm Blätter pro Tag zu sammeln. Wenn sie diese Quote nicht erfüllen, erhalten sie nur die Hälfte. Das hat mich sehr bewegt, denn der Tee, den sie pflücken, wird außerhalb Sri Lankas zu einem sehr hohen Preis verkauft. Die Zukunft des Teepflückens ist allerdings ungewiss, denn junge Frauen entscheiden sich mittlerweile mehr und mehr für die Arbeit in einer Textilfabrik oder im Ausland.

Welche Eindrücke hat dieses Projekt bei Ihnen hinterlassen?

Die Geschichte hat mich noch Monate nach meiner Abreise beschäftigt. Als Kind der ersten Generation asiatischer Einwanderer habe ich oft darüber nachgedacht, welch strenge Rollen die Gesellschaft für uns in Asien vorschreibt. Doch zu sehen, wie die Teepflückerinnen leben und arbeiten, war noch einmal eine ganz andere Sache.

Neben dieser sozialen Dimension war ich sehr betroffen von der Isolation der Menschen: Da die Plantagen weiterhin nach dem kolonialen Modell funktionieren, bestehen die Gemeinden der Arbeiterinnen vollkommen getrennt voneinander. Mein Besuch auf Sri Lanka hat mich vor allen Dingen dazu bewegt, mit meiner Fotografie mehr soziale Fragen anzusprechen.

Alle Bilder auf dieser Seite © Schmoo Theune
Ausrüstung: Leica M240 mit Summilux-M 1.4/35
© Shannon Laliberte

Schmoo Theune

Schmoo Theune ist Fotografin, Autorin und visuelle Künstlerin, deren Geschichten bereits in Medien wie der BBC oder dem International Center of Photography veröffentlicht worden sind. Ihre Arbeit umfasst unter anderem dokumentarische Fotografie, Essays, digitale Kompositionen und untersucht arbiträre Grenzen, ökologische Phänomene sowie technologische und wirtschaftliche Entwicklungen auf der Welt.

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