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25.03.2016

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„In den 1970er-Jahren haben sich drei einflussreiche Drogenkartelle in verschiedenen Favelas von Rio de Janeiro etablieren können. Da die Polizei sich fast vollständig aus diesen Vierteln zurückgezogen hatte, konnten die Drogenbosse ohne große Mühe die Macht übernehmen. Die Bestrebungen des Militärs, die Drogendealer zu vertreiben, führten nicht zu der gewünschten Befreiung der Gebiete, sondern zu einem andauernden Krieg um die Vorherrschaft in den Favelas.

Drogenschmuggel, Armut und Gewalt bestimmen das Leben der Bevölkerung, während die Lebensbedingungen in den benachbarten Stadtteilen Copacabana und Ipanema von Überfluss und Reichtum geprägt sind. Bis jetzt bestand Rio de Janeiro aus zwei unterschiedlichen und vollkommen abgetrennten Gebieten. Jahrelang hat die brasilianische Regierung die hohen Kriminalitätsraten und die Terrorherrschaft der Drogenkartelle vernachlässigt. Rio ist eine der Städte mit den höchsten Mordraten der Welt. Seit die Stadt 2009 als Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und der Olympischen Spiele 2016 ausgewählt wurde, ist die öffentliche Sicherheit wieder in den Fokus gerutscht.

Das staatliche, vom Ministerium für Innere Sicherheit umgesetzte Befriedungsprogramm Pacificação ist eine der größten Herausforderungen für die Stadt. Da Rios Polizei als besonders korrupt gilt, vertrauen ihr die Bewohner der Favelas nur wenig. Um dem entgegenzuwirken, wurde die Unidade de Polícia Pacificadora (UPP) gegründet. Sie besteht aus jungen und speziell ausgebildeten Polizeioffizieren. Die Favelas, die besonders von den Einsätzen der UPP betroffen sind, liegen nahe des Stadtzentrums. Das hat zur Folge, dass die Kriminalität sich in die weiter entfernten Favelas im Norden und Osten der Stadt verlagert und dort erneut Kämpfe um die territoriale Vorherrschaft ausbrechen.

Neben dem Befriedungsprogramm werden auch soziale Projekte umgesetzt. Die Regierung und die UPP unterstützen aber nur wenige, mehrheitlich sind es Privatpersonen die diese Projekte realisieren – unabhängig von dem staatlichen Programm. Die brasilianische Regierung konzentriert sich viel mehr darauf, die Favelas durch Militäroperationen zu säubern. Das Ziel ist es, die befriedeten Gebiete wieder in die Gesellschaft und ihre Wirtschaft einzugliedern.

Das Befriedungsprogramm hat positive Auswirkungen, nicht nur für die Wirtschaft und die öffentliche Sicherheit, sondern auch für die Bewohner der Favelas. Aber die grundlegenden und enormen Veränderungen bringen auch viele Herausforderungen für die bisherigen Underdogs mit sich.“

Felix Kleymann

Felix Kleymann wurde 1984 in Recklinghausen geboren. Nach dem Abitur erlangte Kleymann 2013 ein Diplom an der Fachhochschule Dortmund, an der er mit dem Schwerpunkt Fotografie studiert hatte. Die Serie Pacificação war seine Abschlussarbeit. Heute ist Kleymann als freiberuflicher Fotograf tätig.

www.felixkleymann.de
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