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ONE PHOTO – ONE STORY

23.12.2020

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Stolz trägt Wladimir, genannt Wowa, die große Uniformmütze auf seinem Kopf. Der ein wenig schüchterne Blick des Jungen ist in die Ferne gerichtet. Der Hamburger Fotograf Peter Dammann machte mit seiner Leica noch ein zweites, ganz ähnliches Bild bei diesem Treffen in der Kronstädter Kadetten Akademie: Dort schaut Wowa direkt in die Kamera. Doch trotz – oder vielleicht genau wegen – dieser Direktheit wählte Dammann bevorzugt das erste, hier gezeigte Motiv für seine Ausstellungen und Veröffentlichungen aus. So findet sich das Porträt auch in dem im letzten Jahr publizierten umfangreichen Bildband Das weiße Pferd wieder, der das Lebenswerk des 2015 verstorbenen Fotografen aufblättert. Die Publikation belegt einmal mehr, mit welchem Engagement und mit welch großer Empathie sich Dammanns Interesse insbesondere auf die Kinder und Jugendlichen richtete, die in Europa und in der ganzen Welt nicht auf der Sonnenseite des Lebens standen. Als sozial engagierter Fotograf thematisierte Dammann immer wieder Ungerechtigkeiten und die täglichen Überlebenskämpfe von Kindern.

Und manchmal zeigte er auch Kinder, die auf ein besseres Leben hoffen. So fotografierte er für eine Reportage über St. Petersburger Kinderkadetten auch den elfjährigen Wowa, der zum Zeitpunkt der Aufnahme im ersten Jahrgang der Kronstädter Akademie war. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hatte Mitte der 1990er-Jahre der ehemalige Bürgermeister St. Petersburgs auf der vor der Stadt liegenden Festungsinsel eine neue Kadettenakademie gründen lassen. Sie war auch als Auffangbecken für sogenannte Problemkinder gedacht, denen mit Drill und strukturierten Tagen eine Lebensperspektive gegeben werden sollte. Das Auswahlverfahren war hart und umso stolzer waren die neu aufgenommenen Kadetten. Wowa kam aus Petropawl, einem Ort, der 2200 Kilometer von St. Petersburg an der kasachisch-russischen Grenze liegt: „Bevor er in die Kadettenakademie kam, hatte Wowa noch nicht einmal einen Binnensee gesehen – vom Meer ganz zu schweigen – und wusste nichts von Seefahrt und Schiffen. Jetzt könnte Wowa sich nichts anderes mehr vorstellen, er will unbedingt zur See fahren“, berichtete Dammann in seiner Reportage, aus der ihm ein anderes Kinderkadetten-Motiv 1998 auch eine Auszeichnung mit dem World Press Photo Award einbrachte.
Ob sich Wowas Wunsch nach einer Karriere als Seefahrer realisiert hat, bleibt eine offene Frage. (Ulrich Rüter)

Die LFI 01.2021 präsentiert eine Werkauswahl von Peter Dammann als Leica Klassiker.

Bild © Peter Dammann/Fotostiftung Schweiz
Selbstporträt in St. Petersburg, 2001

Peter Dammann

...wurde am 25. Dezember 1950 in Hamburg geboren. Zunächst Ausbildung zum Filmkopienfertiger, danach Studium der Sozialpädagogik und Tätigkeit als Sozialarbeiter. Von 1982 bis 1989 Fotografie-Studium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Ab 1999 zweiter Wohnsitz in Bern, Schweiz. Seit 2005 Mitglied der Agentur Focus. Reportagen u.a. im Stern, Mare, Chrismon, in der Neuen Zürcher Zeitung und der taz. Zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien. Ab 2011 Dozent für fotografische Bildgestaltung an der Schule für Gestaltung Bern. Am 2. März 2015 verstarb Dammann an einem Herzinfarkt. Seinen Nachlass pflegt die Fotostiftung Schweiz in Winterthur.

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