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PORTFOLIO

08.11.2022

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Es ist ein fotografisches Schätzchen, das der Fotograf Paul Maaßen aus seinem Archiv ausgegraben hat: Seine Bilder erzählen vom Leben im Usbekistan der 1980er-Jahre, das sich zu großen Teilen auf der Straße abgespielt hat. Im Interview berichtet der Fotograf über seine Eindrücke vom Alltagsleben in einem Gebiet, das zu bereisen schon eine Herausforderung war.

LFI: Ihre Bilder zeigen das Usbekistan des Jahres 1985. Wie genau haben Sie das Material wiederentdeckt, und warum haben Sie sich entschlossen, es nun als Buch zu veröffentlichen?
Paul Maaßen: Immer wieder bin ich im Freundeskreis und von den damals Mitreisenden auf diese Bilder angesprochen worden, manchmal sogar von Leuten, die nur von unseren Erlebnissen gehört hatten. Offensichtlich war eine Reise in den sowjetischen Orient damals noch sehr exotisch. Ausgestellt oder veröffentlicht hatte ich diese Fotos nie. Letztlich habe ich dann einen Buch-Dummy daraus gemacht, so eine Art Materialsammlung für Präsentationszwecke. Ob daraus irgendwann ein Buchprojekt wird – warten wir’s ab.

Usbekistan war in den 1980ern gewiss nicht einfach zu bereisen. Was hat Sie damals dorthin verschlagen?
Ein Freund hatte die Idee und suchte Mitreisende. Ich hatte gerade meine Kneipe verkauft, mein Kunststudium beendet, entsprechend Zeit und Geld – und war schließlich Fotograf, auf der Suche nach neuen Themen. Zu viert schlossen wir uns einer Reisegruppe an, individuell ging damals noch nichts. Dass auf dieser Reise keine wirkliche Reportage würde entstehen können, zeigte sich schon bald nach der Ankunft in Usbekistan, waren wir doch unter permanenter Aufsicht durch sowjetische Reisebegleiter und Dolmetscher – was mich fotografisch sehr einschränkte. Auch blieb die Distanz zu den Menschen zu groß, wegen der Sprachbarriere, wegen der Aufpasser und wegen unseres Aussehens.

Wenn Sie sich an die Reise zurückerinnern, inwiefern gestaltete sich das Fotografieren in jenen Zeiten dort anders?
Schon von Weitem war ich als westlicher Ausländer zu erkennen, hinzu kamen die beiden Leicas, von denen ich allerdings eine immer versteckt hielt. Zudem war die Bereitschaft der Menschen erkennbar gering, fotografiert zu werden. Besonders ältere Männer und fast alle Frauen gingen spürbar auf Distanz, wohingegen die jüngeren Männer offener erschienen. Das führte insgesamt dazu, dass viele der – oft auch ohne Blick durch den Sucher – entstandenen Bilder eher der Street Photography zuzurechnen sind.

Was hat Sie am meisten fasziniert, was wollten Sie unbedingt fotografisch festhalten?
Usbekistan gehörte 1985 noch zur Sowjetunion, von blühenden Landschaften und einem gewissen Wohlstand konnte damals keine Rede sein. Auch Infrastruktur, Städtebau oder Straßenverkehr erlaubten keinen Vergleich mit westlichen Standards. Sogar auf breiten Straßen und Plätzen in den Städten war die relativ geringe Zahl der Autos frappierend. Andererseits schien es, als spiele sich das Leben der Menschen größtenteils im Freien ab. Das alles entsprach so wenig dem gewohnten Bild in unseren westlichen Städten, das musste ich einfach in Bildern festhalten.

Haben Sie Pläne, das Land erneut zu besuchen oder es sogar schon getan in jüngster Zeit?
Erst vor einigen Monaten habe ich mit einem Freund in Erwägung gezogen, nach fast 40 Jahren noch einmal nach Usbekistan zu reisen und die damaligen Eindrücke zu überprüfen. Seit 1991 und der Trennung von der zerfallenden UdSSR hat es wohl in manchen Bereichen einen Aufschwung gegeben, wenn auch unter dem Deckmantel einer demokratischen Staatsform eine gemäßigte Diktatur folgte und bis heute blieb. Da Deutschland relativ enge Beziehungen zu Usbekistan pflegt, sollte eine solche Reise inzwischen leichter machbar sein. (Interview: Danilo Rößger)

Alle Bilder auf dieser Seite: © Paul Maaßen
Equipment: Leica M3, Leica M4-2 mit Summicron-M 1:2/35 Asph und Summicron-M 1:2/50 Asph
© Paul Maaßen

Paul Maaßen

...wurde 1955 in Kempen am Niederrhein geboren. Nach dem Abitur und einigen Semestern Romanistik und Germanistik studierte er bis 1985 in der Klasse von Arno Jansen an den ehemaligen Kölner Werkkunstschulen. Mit dem Zyklus Archetopos bewarb er sich 1979 um den ersten Otto-Steinert-Preis der DGPh und bekam eine Auszeichnung. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit gehören Fotoprojekte und Ausstellungen im Bereich der Landschaftsfotografie, aber auch Porträts für Buch- und Cover-Illustrationen.

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