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ONE PHOTO – ONE STORY

08.06.2022

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Der Vietnamkrieg war auch ein Medienkrieg – vor allem durch die damals beginnende Dominanz der Fernsehberichterstattung. Doch ein klassisches Reportagebild hat Geschichte geschrieben: Vor genau 50 Jahren fotografierte der junge AP-Kriegsreporter Nick Út das bis heute schockierende Motiv, das längst zu den bekanntesten fotografischen Bildikonen des 20. Jahrhunderts zählt.

Das Mädchen, das als „Napalm Girl“ in die Mediengeschichte eingegangen ist, hat einen Namen: Phan Thị Kim Phúc, mittlerweile 59 Jahre alt, in Kanada lebend und seit 1994 als ehrenamtliche UNESCO-Botschafterin des guten Willens (Goodwill Ambassador) im weltweiten Einsatz für vom Krieg betroffene Kinder. Die Ereignisse am Morgen des 8. Junis 1972 katapultierten Kim Phúc in die Weltöffentlichkeit. Sie blieb kein namenloses Opfer, sondern ihr Schicksal soll – so Susan Sontag – mehr zum Stimmungsumschwung gegen den Vietnamkrieg beigetragen haben als „100 Stunden im Fernsehen ausgestrahlte Barbareien“.

Durch den Napalmangriff südvietnamesischer Flugzeuge auf das Dorf Trảng Bàng gehörte Kim Phúc zu den zahlreichen verletzten Zivilopfern, die von einem ganzen Tross von Pressefotografen in der Nähe des Dorfes fotografiert wurden. Das Motiv der vor Schmerz Schreienden sollte allerdings zum entscheidenden Symbolbild werden. Und Nick Út rettete dem Mädchen das Leben, denn nach seinen Aufnahmen sorgte er dafür, dass Kim Phúc und weitere Angehörige ihrer Familie in ein nahes Krankenhaus gebracht wurden. 30 Prozent ihrer Haut waren verbrannt, erst nach einem Jahr und 17 Operationen konnte sie nach Hause zurückkehren, und noch viele weitere medizinische Hilfen waren in der Folgezeit nötig.

Dass das Bild eines nackten Kindes dem amerikanischen Zeitungspublikum zugemutet wurde, ist auch Horst Faas, dem damaligen Büroleiter von Associates Press in Saigon, zu verdanken. Bereits einen Tag nach der Aufnahme wurde es – entgegen den geltenden Regeln – auf der Titelseite der New York Times gezeigt. Unzählige Veröffentlichungen folgten, der Fotograf wurde 1973 mit einem World Press Award und mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

AP hatte Nick Út damals mit einer Leica M2 und einer Leica M3 ausgestattet. Das in einem Bruchteil einer Sekunde entstandene Foto sollte zum wichtigsten Bild des Fotografen werden, der nach dem Vietnamkrieg in die USA auswanderte und zeitlebens als fest angestellter AP-Fotograf in Los Angeles arbeitete. Das Bild habe ihm „Glück gebracht“, so zynisch es klingen mag, doch „ich habe nur fotografiert, was ich sah, das war mein Job“. Nick Út und Kim Phúc sind immer in Kontakt geblieben, wurden Freunde: Sie nennt ihn bis heute „Onkel Nick“, er sie „meine Tochter“. (Ulrich Rüter)

Nick Út wurde 2012 mit dem Leica Hall of Fame Award geehrt. Ein ausführliches Interview ist auf dem Leica Camera Blog zu finden.

Bild: © Nick Út
Nick Út und Kim Phúc, Juni 2015, Hamburg  © Petra Gerwers, aus der Serie „Time Travelers“

Nick Út

...wurde am 29. März 1951 in Long An, Vietnam, als Huynh Cong Út geboren. Nach dem Tod seines älteren Bruders, der als Kriegsreporter für Associated Press in Vietnam arbeitete, wurde er ebenfalls Bildjournalist bei AP. Nach seiner Evakuierung aus Vietnam war er in Japan, Südkorea und den USA tätig. Bis 2017 blieb er Mitarbeiter von AP. 2020 erhielt Út als erster Fotojournalist die National Medal of Arts, die höchste Auszeichnung der amerikanischen Regierung für Künstler und Mäzene. Er lebt in Los Angeles.

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