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BUCHTIPP

01.12.2020

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Die Bilderfolge des Buchs beginnt auf der ersten Doppelseite mit einer dunklen Landschaft in Schwarzweiß: Eine hölzerne Brücke führt über den Fluss in eine im Abendlicht liegende bewaldete Hügellandschaft. Schemenhaft ist in der Ferne eine Person auf der schmalen Brücke zu erkennen. Ist es die Fotografin selbst, die uns zu einer Entdeckungstour einlädt? Doch schon die folgenden Doppelseiten verdeutlichen, dass sich der Bildband nicht linear lesen lässt, keiner geschlossenen Bilderzählung folgt. Das Buch ist aus verschiedenen Momenten und visuellen Gestaltungsformen zusammensetzt. Farbe steht neben Schwarzweiß; Porträt, Landschaft, Stillleben vermischen sich; Unschärfe wird ebenso eingesetzt, wie enge Bildausschnitte, die den Ort oder den abgebildeten Gegenstand gerade eben noch erkennen lassen.

Die Mehrzahl der Fotografien zeigt Menschen, zumeist unauffällig beobachtet; die Personen scheinen ganz bei sich zu sein, der Blick wird auf melancholische Momente des Alleinseins oder des alltäglichen Lebens gelenkt. Erst in der Abfolge wird deutlich, dass die Fotografin insbesondere kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Ritualen auf der Spur ist: „Ich suche den besonderen Moment, das Archaische im Alltäglichen, den expressiven Ausdruck, die magische Idealisierung.“

Lässt man sich erst einmal im Bilderfluss des Bildbandes treiben, wird das radikal subjektive Konzept zum Spiegel eigener Assoziationen. So ist das Buch für den Textautor Wolfgang Zurborn „eine Reise in Seelenzustände zwischen Glaube, Liebe, Hoffnung und Tod. (…) Die oft surreal wirkenden Verkettungen von Motiven und die Paradoxie der Beziehungen zwischen den verschiedenen Bildebenen geben den Protagonist*innen dieses ganz eigenen Theaters des realen Lebens viel mehr Freiraum, ein vitales Spektrum von Emotionen zu verkörpern.“ So lässt sich auch der Titel La Lunga Strada (Der weite Weg) verstehen, der sich auf eine Veröffentlichung Pier Paolo Pasolinis bezieht. Dessen Aufzeichnungen, die bei seinen Reisen quer durch Italien Ende der 1950er-Jahre entstanden, sind ebenfalls keine Dokumentation, sondern eine intime, fragmentarische Bestandsaufnahme eines Landes im Umbruch.

Für das zwischen 2018 und 2020 entstandene Projekt von Monika Barth waren ihre langjährigen Erfahrungen als Schauspielerin für die neue Rolle als Fotografin ohne Zweifel von großem Vorteil. So konnte sie sich auf den Reisen durch die Ukraine und Norwegen sowie mit einer Leica Q2 durch Italien und Costa Rica ganz auf unterschiedliche Stimmungen der Orte einlassen und dabei als geübte Akteurin der Street Photography immer wieder Momente erhaschen, die erst in der fotografischen Stillstellung eine theatralische Deutung erfahren. Nähe und Fremde, Empathie und Staunen, magischer Moment und subjektive Erfindung: diese Ingredienzien haben den titelgebenden weiten Weg der Fotografin in ein vieldeutiges emotionales Bilder-Kaleidoskop verdichtet. (Ulrich Rüter)

Monika Barth: La Lunga Strada
Mit einem Text von Wolfgang Zurborn.
112 Seiten, 17 Farb- und 60 Schwarzweißabbildungen, 21 x 29,7 cm, deutsch/englisch

Kehrer

Monika Barth

Monika Barth ist Fotografin, ausgebildete Schauspielerin und Medizinerin. Ihr erster Bildband Mona L. erschien 2016 im Selbstverlag. Der neue Bildband ist ein fotografisches Tagebuch ihrer Reisen aus den letzten Jahren. Sie lebt bei Hamburg.

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