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BUCHTIPP

19.04.2022

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„Ein Anlass zum Dokumentieren, ein Wunsch zum Nachspüren. Ein Versuch, Zeit und Raum zu durchqueren.“ Mit diesem Zeilen Kuhns beginnt das neue Buch der deutsch-brasilianischen Künstlerin (*1969). Im anschließenden Bildteil eröffnet sich dann eine Abfolge historischer Briefe, Bauzeichnungen sowie alter und aktueller Fotografien, die immer wieder durch die eleganten teilsolarisierten Porträts einer Frau unterbrochen wird.

Diese Mischung aus Dokumenten und künstlerischer Intervention ergibt eine spannende Auseinandersetzung mit einer Ikone moderner Architektur: Das als „Schindler House“ oder auch „Kings Road House“ bezeichnete Wohn- und Studiogebäude wurde 1922 von dem österreichisch-amerikanischen Architekten Rudolf Michael Schindler (1887–1953) für seine eigene und eine befreundete Familie in West Hollywood entworfen. Das Gebäude in der North Kings Road 835 gilt als eines der ungewöhnlichsten gestalterischen und sozialen Experimente der Zeit, war ein avantgardistischer Treffpunkt für Intellektuelle und Künstler der 1920er- und 1930er-Jahre und beeinflusste mit seinem radikalen Entwurf zahlreiche jüngere Architekten. Heute wird das Haus in Kooperation mit dem MAK Wien (Österreichisches Museum für angewandte Kunst in Wien) als Forschungs- und Studienort genutzt.

Schon bei ihrem ersten Besuch war die Fotografin von der Atmosphäre des Hauses fasziniert und näherte sich in der Folgezeit dem Gebäude mit einer aufwendigen Bildserie. Kuhn belässt es nicht einfach bei einer fotografischen Dokumentation der Architektur, sondern spürt der Geschichte des Hauses und dem Leben seiner Bewohner nach und schafft somit neue poetische Räume. Für dieses Projekt arbeitete Kuhn mit dem Fachbereich für Kunst- und Architekturgeschichte der UC Santa Barbara zusammen und erhielt Zugang zu Schindlers Privatarchiven, darunter zu Blaupausen, Briefen und Notizen. Neben der erstmaligen Reproduktion einiger dieser Dokumente in diesem Buch interpretiert Kuhn die Dichotomie zwischen Erinnerung und Aufzeichnung in einer Reihe von Farbfotografien und solarisierten Silbergelatineabzügen, einer von den Surrealisten bevorzugten Technik. Das rätselhafte Thema ihrer solarisierten Bilder ist eine fiktive, ätherische Figur, die von einem Brief Schindlers an eine geheimnisvolle Frau inspiriert wurde. Die suggestiven Porträts geben der unbekannten Frau, die nur durch die erhaltenen Briefe präsent ist, eine Sichtbarkeit zurück, auch wenn sich der Körper durch die Technik der Solarisation stetig zu entmaterialisieren scheint. Mit diesen flüchtigen Bildern stellt die Künstlerin somit auch das Wesen der Fotografie als Aufzeichnung in Frage. (Ulrich Rüter)

Mona Kuhn, Kings Road
Mit Texten von Silvia Perea und David Dorenbaum
160 Seiten, 100 Farb- und Schwarzweißabb., 24,5 × 31 cm
Englisch, Steidl

Das präzise gestaltete Buch begleitet die Ausstellung 835 Kings Road im Art, Design & Architecture Museum in Santa Barbara, Kalifornien, die noch bis zum 1. Mai 2022 zu sehen ist.

Alle Bilder auf dieser Seite: © Mona Kuhn
Serene
Schindler’s Chair
Entrance
Silhouette
Post
Mona Kuhn in ihrem Studio in Los Angeles, © Boris Salchow

Mona Kuhn

wurde 1969 in São Paulo geboren und lebt heute in Los Angeles. In ihrem Werk geht es vor allem um die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper, um seine physische und metaphysische Präsenz, um Porträt und Akt. Ihr Werk bezieht sich dabei häufig auf klassische Themen. Ihre Arbeiten sind in privaten und öffentlichen Sammlungen auf der ganzen Welt vertreten. Derzeit ist sie als unabhängige Forscherin am Getty Research Institute in Los Angeles tätig. Kuhns erste Monografie, Photographs, erschien 2004 bei Steidl, gefolgt von Evidence (2007), Native (2009), Bordeaux Series (2011), Private (2014) und She Disappeared into Complete Silence (2018/19). Der retrospektive Band Works erschien bei Thames and Hudson (2021).

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