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BUCHTIPP

12.05.2022

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Jeden Tag fahren Pendler über die Brücke, ohne auf die Details der Konstruktion zu achten, aber jeden Tag wird die Brücke auch von unzähligen Touristen und Besuchern fotografiert – meist, um die majestätische Erhabenheit festzuhalten. Die leuchtend rot-orange Hängebrücke am Eingang zur Bucht von San Francisco ist seit ihrer Eröffnung vor 85 Jahren eine Ikone der Ingenieurskunst und das bekannteste Bauwerk der Stadt. Doch die Golden Gate Bridge scheint – wie viele architektonische Wahrzeichen – längst „zu Tode fotografiert“, so Michael Yuan, denn meist „werden die Bilder an ähnlichen Orten aufgenommen, auf ähnliche Weise bearbeitet, und sie zeigen alle die Größe der Brücke“. Daher stellte sich der Fotograf der Herausforderung, ihre Wahrnehmung zu hinterfragen, die Brücke fotografisch noch einmal neu zu entdecken und verbrachte zahllose Stunden und Tage auf dem Bauwerk: „In den letzten Jahren bin ich unzählige Male zu diesem 1,7 Meilen langen architektonischen Wunderwerk gefahren, um all seine Gesichter einzufangen, die noch nie zuvor gezeigt wurden. Die Brücke hat viele schöne Merkmale, die bei der Betrachtung als Ganzes vernachlässigt werden. Sie besteht aus imposanten Türmen, stilisierten Straßenlaternen, gigantischen Seilen und vielem mehr.“

Yuan entdeckt die Brücke vor allem mit einer mathematischen Leidenschaft, denn für ihn „rührt ein Großteil der Schönheit von der Tatsache her, dass das Design und die visuellen Details mathematisch sehr gelungen und perfekt sind“. Er bekennt: „Ich habe Mathematik schon immer geliebt. Es gibt Linien, die mich an mathematische Diagramme erinnern, kaskadenartige Formen, die mich an geometrische Probleme erinnern, und Proportionen, die dem Goldenen Schnitt folgen. Außerdem gibt es aufgrund des Standorts und der Größe nur ein minimales visuelles Durcheinander, wodurch sie noch mehr wie ein perfektes mathematisches Diagramm oder eine Gleichung wirkt.“ Seine erstaunlichen Motive zeigen daher markante Ausschnitte der Brücke, deren Minimalismus im Layout des Buches zusätzlich eine ungewöhnlich überraschende Wirkung erzielen. Hier treffen Farbe, Struktur, Oberfläche, Geometrie und Design formvollendet aufeinander. Auf den Seiten präsentiert sich das Bauwerk als grafisches Spiel. Rot-Orange leuchten einzelne Bauteile vor strahlend blauem Himmel, das Schwarz der Schattenwürfe und das Gelb der Lampenköpfe setzen markante Akzente. Die einzige Textbeigabe des Buchs ist das hymnisch-pathetische Gedicht, das Joseph B. Strauss als leitender Ingenieur „seiner“ Brücke zur Eröffnung 1937 widmete. Die Wortkaskaden passen erstaunlich gut zu den Objektfragmenten, die der Fotograf nun aus dem Gesamtbau herauspräparierte.

Ob der Fotograf mit seiner abschließenden Feststellung recht hat, liegt im Auge des Betrachters: „Die Brücke ist vielleicht schöner, wenn man ihre einzelnen Merkmale betrachtet, als wenn man sie als Summe ihrer Teile sieht.“ Als Buch ist diese Erkenntnis ganz sicher würdig, um ein bibliophiles Sammlerstück zu werden. (Ulrich Rüter)

Michael Yuan, The Bridge
96 Seiten, 72 Farbabb., 22,1 × 32,9 cm
Englisch, The Eriskay Connection (1. Auflage: 800)
© ilikecalculus.com

Michael Yuan

Bereits in der Schule war Mathematik sein Lieblingsfach. Der gebürtige Kanadier kam 2015 für ein Praktikum in die Bay Area. Derzeit arbeitet er als Softwareingenieur im Bereich des autonomen Transports. Darüber hinaus arbeitet er als bildender Künstler, der die gängigen Sichtweisen auf unsere Welt infrage stellt. Seine Arbeit lenkt die Aufmerksamkeit auf Orte, Dinge und Menschen, die durch den Wandel von Zeit und Kultur unsichtbarer geworden sind. The Bridge wurde mit einer Kickstarter-Kampagne realisiert und ist sein erstes Fotobuch.

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