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PORTFOLIO

19.12.2019

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Marzio Emilio Villa begab sich mit dieser Arbeit auf die Spuren seiner Adoption. So erobert er sich Bild für Bild die eigene Geschichte zurück.

Gedämpfte Farben, ein leichter Sepiaton – so sahen die Fotografien gemeinsamer Familienerinnerungen über viele Jahrzehnte lang aus. Was aber, wenn es diese gemeinsamen Erinnerungen und die damit verbundenen Bilder gar nicht gibt?
Villa wurde im Alter von drei Monaten von seinen italienischen Eltern in Brasilien adoptiert. Seine biologischen Eltern hat er nie kennengelernt. Er hat es auch nie versucht. Und dennoch, so scheint es, wollte er diesem blinden Fleck in seiner Vergangenheit mit seiner Fotografie eine Form geben und sich so seine eigene Geschichte aneignen. „Für adoptierte Menschen, wie meinen Bruder und mich, ist es extrem wichtig, Familienerinnerungen aufzubauen. Der erste Teil des Lebens, an den man sich ohne die Erzählungen seiner Eltern überhaupt nicht erinnern kann, ist einfach völlig inexistent. Für mich ist es ein Rätsel, das ich nie werde lösen können.“
Also reiste der Fotograf mit Anfang 30 erstmals an den Ort, an dem er und sein Bruder geboren worden waren: in die brasilianische Stadt Curitiba. Ein Ort, an dem die Menschen so aussahen wie er und ihn auf portugiesisch ansprachen. Eine Sprache, die er nicht beherrscht. Wenn Villa auf so etwas wie Heimatsuche gegangen war, wurde ihm schnell klar, dass er sie hier nicht finden würde. Trotzdem ging er auf Spurensuche für sich und seinen Bruder, der ein paar Jahre später adoptiert worden war, als er bereits fünf Jahre alt war.
Und so besuchte der Fotograf die Orte seiner Herkunft: die Gegend um das Waisenhaus, in dem er selbst einen Monat auf seine Adoption wartete, die Hochhäuser von Curitiba, in denen er vielleicht aufgewachsen wäre, den Weg zum Waisenhaus, aus dem sein Bruder kam. Karge Gegenden, in denen die Abwesenheit von Menschen fast schmerzhaft auffällt. Kein Kind, das auf der Straße tobt, kein Passant, der die Möglichkeit einer Identifikation erlauben würde. So wie auch der Versuch, die Erinnerung an die Vergangenheit lebendig zu machen, vergeblich scheint.
Villa fotografierte nicht nur in Brasilien, sondern auch in Italien und in seiner Wahlheimat Paris. Doch auch auf diesen Bildern fehlen die Menschen, die das Geschehen an diesen Orten greifbar machen könnten. Die Grundschule in Norditalien versinkt im Nebel und an dem Restauranttisch, an dem der Fotograf nach der Rückkehr aus Brasilien seine Mutter traf, stehen zwei leere Stühle. Es ist, als wären dem Leben die Protagonisten abhanden gekommen.

Text: Denise Klink
Alle Bilder auf dieser Seite: © Marzio Emilio Villa
Equipment: Leica S006 mit Summarit-S 1:2.5/35 Asph und Leica M240 mit Elmarit-M 1:2.8/28 Asph und Summicron-M 1:2/50


Den vollständigen Text und das Portfolio gibt im aktuellen LFI Magazin 01.2020
© Nicola Bertasi

Marzio Emilio Villa

1987 in Brasilien geboren, wurde Villa im Alter von drei Monaten adoptiert und wuchs in Italien auf. Nach seinem Kunst-Studium in Mailand zog er als 23-Jähriger nach Paris. Durch seine Geschichte geprägt, beschäftigt sich Villa vor allem mit Themen wie Identität, sozialen Strukturen und Diskriminierung. Villa ist seit Februar 2017 Mitglied der Agentur Hans Lucas. Er lebt und arbeitet in Paris.

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