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LFI.GALLERY-FOTOGRAF

30.04.2018

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Sie fotografieren nahezu ausschließlich in Schwarzweiß. Was fasziniert Sie daran besonders?

Die Faszination für Schwarzweiß hat mehrere Gründe. Es ist zum einen der Antrieb, etwas Archaisches zu gestalten, etwas, das hoffentlich nie in Vergessenheit gerät, und das trotz allen digitalen Fortschritts und der bunten Bildüberflutung. Zum anderen ist es die Herausforderung, räumliche und farbige Realität zu etwas Neuem zu abstrahieren, und das ohne Grundsätzliches zu manipulieren. Es bleibt also ein identisches Bild, das, wie Leica es ja gerne formuliert, auf das Wesentliche reduziert ist. Dabei spielen natürlich immer mein Standpunkt und die verwendete Brennweite eine wesentliche Rolle. Dadurch interpretiere ich die Wahrheit neu. Für mich hat diese Vorgehensweise auch einen philosophischen und mathematischen Charakter. Es ist kein Zufall, dass mich die kürzesten Brennweiten interessieren und immer wieder herausfordern. Das Super-Elmar 18 mm bildet extrem scharf ab und eröffnet mir mit der Leica M Monochrom ungeahnte Möglichkeiten der Bildinterpretation. Und gerade das lässt meine Faszination für die Schwarzweißfotografie immer wieder neu aufflammen.

Ihre Fotografien zeigen des Öfteren von Menschenhand geschaffene Artefakte, ohne die Menschen selbst abzubilden. Sie spielen mit Licht und Schatten, Form und Kontur. Gibt es etwas, das ihre Bilder verbindet, eine gemeinsame Aussage?

Die große gemeinsame Aussage meiner Bilder lässt sich mit „Emotion“ am treffendsten beschreiben. Diese Emotion mag man nicht unbedingt mit meinen bevorzugten Genres „Architektur“ und „Stadtdokumentation“ in Verbindung bringen. Auf den Fotografien sind, wie Sie richtig bemerken, keine Menschen zu sehen. Und dennoch sind sie Ausdruck meiner Emotion, meiner Affinität zu den jeweiligen Motiven. Die Artefakte sind ein Hilfsmittel für diese Aussagen. Es kommt vor, dass ich von demselben Motiv verschiedene Ausführungen fertige, aufwühlende und beruhigende, nachdenkliche und erklärende. Die Schwarzweißfotografie erlaubt eine für mich richtige Umsetzung. Sie ist meine Leidenschaft, sie strukturiert und abstrahiert Gefühle, obwohl sie feststehende Realität abbildet. Das Spiel mit Licht und Schatten, Form und Kontur, wie Sie es beschreiben, ist für mich ein genüssliches Spiel, in dem ich mich zuweilen auch mit Augen und Gedanken verliere. Aber zum Schluss entsteht dennoch ein Schwarzweißbild, das mich mit Freude erfüllt, weil ich es gerne ansehe. Dies ist also streng genommen ein rein egoistischer Vorgang, der nicht auf das Publikum zielt, sondern mir – um es mit Nietzsche zu sagen – das Gefühl gibt, das Kunst wertvoller als die Wahrheit ist. Letztlich habe ich ja in das reale Bild „künstlich“ eingegriffen.

Das Handwerk der Fotografie haben Sie in Eigenregie erlernt. Wie hat das alles begonnnen und wie führte Ihr Weg schließlich zur Leica-Fotografie?

Begonnen hat alles damit, dass ich als 5-Jähriger die Schwarzweißfilme meines Vaters entwickeln durfte. Ab und zu habe ich auch mit seiner Kodak Retina, einer Sucherkamera, fotografiert. Mit 16 Jahren bekam ich eine Spiegelreflexkamera, eine Minolta SRT-101, geschenkt, und damit nahm das Schicksal seinen Lauf. Ich konnte, ja, ich musste alles fotografieren – und alles war in Schwarzweiß, weil ich es selbst entwickeln konnte und Schwarzweiß damals viel preiswerter war als Farbe. Ich fotografierte dann mit verschiedenen Kameras (Kleinbild, 6x6 und Großformat), bis 2012 die Leica M Monochrom auf den Markt kam. Da besann ich mich meiner Anfänge in der Fotografie, als ich mit einer Sucherkamera fotografierte. Ende 2014 hielt ich dann meine „Henry“ in Händen und begann dann auch sofort, mich auf das Super-Elmar 18mm zu konzentrieren. Es begann für mich die Zeitrechnung „Monochrom + 18“. Seit 10 Jahren bin ich LFI-Leser und habe viele Inspirationen mitnehmen können. Eine weitere große Herausforderung für mich wäre das Summilux 21mm, bei dem mir die kurze Brennweite in Verbindung mit einer geringen Schärfentiefe interessante Möglichkeiten eröffnen würde. So gesehen ist der Weg zur Leica-Fotografie das logische Schließen eines Kreises, eines fotografischen Kreises: zurück zu den Wurzeln, nach vorn zur Besinnung und Konzentration und nach vorn zur durchdachten Fotografie.

Welche Tipps würden Sie jungen Fotografen mit auf den Weg geben?

Diese Frage ist für mich nicht einfach zu beantworten, weil es durch die Digitalisierung und Bildüberflutung immer schwieriger wird, sich auf das zu konzentrieren, was einen selbst ausmacht. Das Erste, was mir spontan eingefallen ist, frei nach Frank Sinatra: Do it your way. Erst wenn ich meinen Weg gefunden habe, und in diesem Sinne ist tatsächlich der Weg das Ziel, kann ich Besonderes erreichen. In der Fotografie gehört ein gutes und schnelles Auge dazu, das Wissen um die Technik und dem Umgang mit seinem Werkzeug, die Fähigkeit zu abstrahieren, ein ästhetisches Empfinden und der Mut, quer zu denken. Ich glaube, es gibt in der Fotografie so viele Genres, in denen man sich austoben kann. Zum Schluss bleibt dann nur noch „probieren, probieren, probieren“. Und man sollte nicht unbedingt wohlgemeinte Ratschläge befolgen, sondern lieber der eigenen Nase folgen.
Ludwigshafen © Roger Schäfer
Ludwigshafen © Roger Schäfer
Strasbourg © Roger Schäfer
Augustinum Heidelberg © Roger Schäfer
© Roger Schäfer
Augustinum Heidelberg © Roger Schäfer
Kirche im Dekanat © Roger Schäfer
Hamburg © Roger Schäfer

Roger Schäfer

Roger Schäfer wurde 1954 im Münsterland geboren. Nach seinem Abitur und zwei Jahren Dienst bei der Luftwaffe arbeitete er in Stuttgart, Frankfurt und Heidelberg bei mehreren Fotoagenturen. Neben seinen Tätigkeiten als Geschäftsführer einer Werbeagentur findet er immer noch Zeit, um mit der Leica M Monochrom seine Umwelt, Architektur und Städte festzuhalten.
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