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LFI.GALLERY FOTOGRAFEN

23.01.2020

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Der Fotograf Assaf Gavra hat über 24 Stunden in einer der größten Favelas von Rio de Janeiro fotografiert. Es war eine Zeit, die seine Sicht der Dinge maßgeblich verändert hat.  

LFI: Wie kam es zu Ihrer Reise in die Favela Rocinha?
Assaf Gavra: Ich war auf einer Geschäftsreise in Porto Alegre, Brasilien, und hatte ein paar freie Tage, die ich in Rio de Janeiro verbrachte. Mir war klar, dass ich keine Minute an den üblichen Orten verbringen würde, nachdem ich den langen Weg aus Israel auf mich genommen hatte. Als professioneller Tiefsee-Freitaucher sehne ich mich immer nach dem Extremen, deshalb habe ich mich entschieden, eine Favela zu besuchen. Ich wählte die Favela Rocinha, die vielleicht die größte Favela in Rio ist. Dort leben über 240.000 Menschen, von denen etwa nur ein Drittel die brasilianische Staatsbürgerschaft besitzt. Dort leben Drogenbarone und andere Kriminelle neben verarmten Gemeinden. Insgesamt war ich an vier Tagen über 24 Stunden dort und habe die ganze Zeit fotografiert. Ein privater Führer hat mich begleitet.

Aus welchem Grund haben Sie gerade in einer Favela fotografiert?
Neben meinem Interesse an allem, was sich am Rande der Gesellschaft bewegt, haben mich die vielen Filme über Favela-Communitys motiviert, diesen Ort zu besuchen und so viel wie möglich davon zu sehen. Trotz der oberflächlichen Rauheit und Härte, die dort herrscht, gibt es auch viele freundliche Menschen, die einfach nur in Frieden inmitten der ständigen Kämpfe zwischen den Drogenbaronen, der Polizei und dem Militär leben wollen.

Wie haben Sie die Atmosphäre in der Gegend wahrgenommen?
Als sehr fragil. Je tiefer man in das Innere des Gebiets eindringt, desto höher wird die Spannung zwischen den Menschen. Es ist, als ob man in der Nähe eines aktiven Vulkans leben würde, ohne zu wissen, wann, wie lange und mit welcher Stärke er ausbrechen wird. Man sieht, wie sich Zivilisten über Funk auf bestimmte Aktivitäten aufmerksam machen. Es gibt Kinder – ja Kinder! –, die mit automatischen Gewehren in bestimmten Gegenden patrouillieren und jeden erschießen sollen, der verdächtigt wird, von der Polizei zu sein. Kameras werden in diesen Gebieten nicht toleriert. Ich war sehr glücklich, in den ersten Stunden nur den äußeren Ring der Favela zu erkunden. Die unvergesslichsten Momente trugen sich jedoch in den inneren Ringen zu. Die dort aufgenommenen Fotos haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt.  

Was möchten Sie mit Ihren Bildern sagen?
Mein Ziel war es, die Schönheit der Favela, ihre Vielfalt und die Verfassung der Menschen dort einzufangen. Die Enge und die fragwürdige Infrastruktur lässt die Wohngebiete wie Kartenhäuser erscheinen. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit und Schutz gehabt, um die inneren Ringe mit meiner Kamera zu erkunden und zu dokumentieren, wie sich das Leben dort abspielt. Ohne Fotos ist es fast unmöglich, sich vorzustellen, was dort vor sich geht.

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?
Ich habe angefangen, als Freitauchlehrer Fotos zu machen. Ich musste meinen Schülern zeigen, wie sie sich unter Wasser verhalten sollen und half ihnen durch Fotos, ihre Technik zu verbessern. Dann begann ich, die Kamera als Ausdruck meiner Emotionen zu verwenden. Ich habe eine Leidenschaft für die Tierfotografie entwickelt und bin auf diesem Gebiet seit vielen Jahren bekannt. Die schönsten Tiere der Welt in ihrer Heimat zu fotografieren und mit ihnen eins zu werden, ist ein sehr gutes Training, um den entscheidenden Moment nicht zu verpassen – eine gute Schule für die Street Photography später. Ich liebe es, an überfüllten Orten zu sein und mit meiner Leica die ein äußerst flexibles und reaktionsschnelles Werkzeug ist, zu fotografieren. Ich habe sowohl mit analogen als auch digitalen Leicas viel gearbeitet. Mich zieht jedoch die Kraft und Schönheit der analogen Ästhetik an und ich habe das Gefühl, dass meine besten Tage mit diesem Medium noch vor mir liegen.  

Alle Bilder auf dieser Seite: © Assaf Gavra
Equipment: Leica M2 mit Elmarit-M 1:2.8/28 Asph und Summicron-M 50 1:2
© Assaf Gavra

Assaf Gavra

Der 44-jährige Fotograf beschreibt seine Kunst als eine Entdeckungsreise seines Selbst. Er möchte sich nicht auf ein einziges Genre beschränken, sondern stets die Schönheit von Orten und Personen hervorheben.

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