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LFI.GALLERY-FOTOGRAF

23.08.2016

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Sein Geld verdient der polnische Fotograf Mariusz Janiszewski mit Werbefotografie. Aber einmal im Jahr reist er für seine freien Reportagen in die philippinische Hauptstadt Manila. In den Slums der Metropole sucht er jedoch nicht nach Bildern der Not und des Elends, sondern stellt die trotzige Lebensfreude der Bewohner in den Mittelpunkt seiner Fotografie.


Für deine Reportagen reist du jedes Jahr nach Manila. Das Spannungsfeld zwischen dem Elend einerseits und der trotziger Lebensfreunde scheint auf dich inspirierend zu wirken. Findest du in der philippinischen Metropole immer noch ausreichend Themen?

Ich beschränke mich nicht ausschließlich auf Manila, ich besuche auch andere Regionen der Philippinen – und ich bin sicher, dass ich noch viele interessante Themen finden werde. Klar, das eigentlich relevante Thema in diesem Teil der Erde ist die unglaubliche Offenheit und Lebensfreude der Menschen, deshalb glaube ich, dass mein philippinisches Abenteuer noch lange nicht zu Ende ist. Aber ich denke gleichzeitig auch schon mal an andere Orte und Themen.


Beim diesem Projekt geht es um das Leben, das sich in den Treppenhäusern eines Wohnkomplexes abspielt. Kannst du kurz erklären, weshalb das Leben sich nicht in den Wohnungen abspielt, sondern eben in den Treppenhäusern?

Manila ist eine sehr bevölkerungsreiche und extrem dicht besiedelte Stadt. Es leben dort im Schnitt mehr als vierzigtausend Einwohner auf einem Quadratkilometer. An so einem Ort bleibt wenig Raum für Privatsphäre. Deswegen verlagert sich das tägliche Leben zwangsläufig in den öffentlichen Raum, beispielsweise auf die Straße oder eben ins Treppenhaus. Hinzu kommt, dass die Wohnungen in der Regel viel zu klein für die großen Familien sind.


Auf deinen Fotos wirken die einzelnen Etagen in den Treppenhäusern wie unterschiedliche Bühnen, obwohl jede Etage sich gewissermaßen ähnelt. Bestand darin der Reiz dieser Arbeit für dich?

Als ich diese Wohnblöcke in Barangay 128 besuchte, fiel mir besonders die Vielfalt der Szenen auf, die jedes einzelne Stockwerk bereithielt. Mit jedem weiteren Stockwerk wuchs meine Neugier, und jedes Mal war es eine Überraschung. Es war also diese Vielfalt an eigentlich immer gleich strukturierten Orten. Ich entschied mich dies so zu dokumentieren, dass ich ein fixes Bildformat wählte, das der Gleichförmigkeit der Örtlichkeiten entsprach. Da ich sonst eher im Querformat arbeite, die Situation diesmal aber so anders war, entschied ich mich ein abweichendes Format zu verwenden. So wählte ich das Hochformat, weil dies den Orten auch gestalterisch sehr entgegen kam.


In deinen Reportagen fotografierst du üblicherweise Situationen, die aus der Bewegung heraus entstehen. Hier machst du eigentlich das Gegenteil: Du definierst den zu fotografierenden Raum, in dem sich dann Situationen entwickeln. War das das Konzept?

Das ist richtig und war etwas Neues für mich – eine sehr interessante Erfahrung. Bei meinen anderen Arbeiten bestimmte die Situation das Motiv, für das ich dann spontan einen Bildausschnitt, einen Rahmen zu finden versuchte – den Umständen entsprechend. Diesmal habe ich es andersherum gemacht: Ich habe zuerst den Rahmen gewählt und sich die Situation in diesem Rahmen entwickeln lassen, um dann den richtigen Moment zu finden. Ja, der kompositorische Teil kam diesmal vor dem Situativen.

Interessant ist hier der Ansatz auch, weil die Fotografie zwar dokumentarisch ist, aber irgendwie den Gesetzmäßigkeiten der Werbefotografie folgt, in der ein Set definiert wird. Du bist Werbefotograf, der einmal im Jahr als Reportagefotograf das Gegenteil von dem macht, was er sonst macht. Ist das richtig ausgedrückt? Kommen jetzt beide Welten zusammen, oder war das eine einmalige Vorgehensweise, vom Thema diktiert?

In der Tat sind das zwei völlig verschiedene Welten, die sich jedoch für derartige Arbeiten durchaus interessant ergänzen können. Bei der Dokumentarfotografie besteht immer auch eine gewisse emotionale Verbundenheit zu dem, was man aufnimmt, während bei der Werbefotografie die Bilder eher analytisch aus einer gewissen Distanz komponiert und arrangiert werden. Da spielt schon jedes kleine Detail im Aufbau eine Rolle. Ich hoffe, dass mir die Verbindung der beiden Ansätze gut gelungen ist, und dass bei den Bildern, trotz ihrer stark kompositorischen Komponente, das Dokumentarische überwiegt. Natürlich werde ich in Zukunft weiterhin so arbeiten wie bisher, aber ich werde ein Auge darauf haben, ob es nicht Sujets gibt, die für diesen kombinierten Ansatz geeignet sind.


Womit fotografierst Du deine Reportagen und welche Ausrüstung hast du für dieses Sujet eingesetzt?

Immer mit einer Leica M9 und einem Summilux-M 35mm.

Weitere Bilder von Mariusz Janiszewski sehen Sie in der LFI 6/2016.

Mariusz Janiszewski

Geboren 1975 in Warschau, wo er heute als Werbefotograf tätig ist. Seine Leidenschaft sind Dokumentation und Reportage, für die er mit diversen Preisen ausgezeichnet wurde, u. a. Grand Press Photo 2013, 2014, 2015 sowie PX3 in den Jahren 2015 und 2016.

www.mariuszjaniszewski.pl
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