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BUCHTIPP

14.09.2021

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Wer bei dem Buchtitel sofort an den gleichnamigen Film von David Lynch denkt, der vor 20 Jahren mit unheimlicher Albtraumatmosphäre und perfekter Bildregie für Spannung sorgte, wird auf den ersten Blick in dem neuen Bildband kaum Wiedererkennungsmomente finden. Bleibt in Lynchs Mulholland Drive vieles zwischen Traum und Wirklichkeit rätselhaft, scheinen Halversons Fotografien erst einmal sehr viel realistischer. Bei genauem Hinsehen liefert aber auch sie ungewöhnliche magische Momente auf dem Roadtrip. Allein schon das Panoramaformat ihrer Motive ist spektakulär dramatisch und lädt den Betrachter zu einer visuellen Entdeckungstour ein.

Immer wieder ist die mittlerweile 80 Jahre alte Fotografin die Straße in den frühen 1990er-Jahren abgefahren und hat neue Aspekte entdeckt. Den Lynch-Film konnte sie damals also noch gar nicht kennen. Der visuelle Auslöser für ihr Interesse liegt viel weiter, über 30 Jahre zurück, als sie – damals in New York lebend – im Metropolitan Museum of Art das Gemälde Mulholland Drive: The Road to the Studio von David Hockney entdeckte, das in seiner farbenfrohen Fantastik einen bleibenden Eindruck hinterließ. Einige Jahre später zog Halverson nach Los Angeles und entwickelte ihre eigene dynamische Beziehung zum Mulholland Drive. Die Panoramafotografie schien für sie das geeignete Mittel, um die Weitläufigkeit der Landschaft wiederzugeben, und so werden die Motive im querformatigen Bildband nun erfreulicherweise jeweils auch auf einer Doppelseite präsentiert.

Kaum eine andere Straße in Los Angeles lebt von einem vergleichbaren Mythos: Der 52 Meilen lange Mulholland Drive zieht sich als Panoramastraße von den Hollywood Hills bis fast zum Pazifischen Ozean. Benannt ist er nach dem Ingenieur William Mulholland, dessen Planung einer aufwendigen Wasserversorgung zu Beginn des 20. Jahrhunderts das rasante Wachstum von Los Angeles zur Metropole erst ermöglichte. Als Landerschließungsprojekt gebaut, gewährt sie mit ihren vielen Schwüngen und Aussichtspunkten bis heute einen sensationellen Ausblick auf die Stadt und die sie umgebenden Berge. Vor allem aber gilt die Straße auch als architektonische Perlenkette prächtiger Villen und Anwesen von Hollywoodgrößen. Doch dieser Prominentenpfad ist nur ein Abschnitt auf der Gesamtstrecke, die auch verwahrloste oder von der Natur überwucherte Teile hat. Die Fotografin widmet sich allen Abschnitten, und so wird die einzigartige Verbindung zwischen der natürlichen Landschaft und der vom Menschen geschaffenen Infrastruktur deutlich, die Los Angeles mittlerweile definiert. „Lassen Sie Ihre Gedanken ein wenig schweifen, und Sie könnten sich dabei ertappen, wie Sie über das empfindliche Gleichgewicht nachdenken, das in dieser Zwölf-Millionen-Metropole in einer halbtrockenen, erdbebengefährdeten Umgebung geschaffen wurde“, so Halverson: „Für mich ist dieses Gleichgewicht – manche würden es als prekäres Gleichgewicht bezeichnen – ein Wunder von Los Angeles, vielleicht das Wunder, das die Stadt auszeichnet. Mulholland befindet sich an einem Punkt, an dem menschlicher Wille und Einfallsreichtum auf die Kräfte der Natur treffen.“

Die endlich als Buch veröffentlichte Bilderfolge erzählt von der Großartigkeit der Landschaft und dem Erbe Hollywoods. 2024 wird die Straße 100 Jahre alt – der Mythos bleibt alterslos und wird eher weiter wachsen. Dieser Bildband ist die beste Gelegenheit, sich der sensationellen Strecke mit all ihren verschiedenen Zonen zu widmen. (Ulrich Rüter)

Karen Halverson: Mulholland
96 Seiten, 40 Panorama-Farbabb.
30,5 × 23 cm, Englisch
Text von David Kipen
MW Editions
Mulholland near Pacific Coast Highway, 1992
Mulholland at Dry Creek Cold Canyon Road, 1993
Mulholland at Macapa Drive, 1991
Mulholland overlooking Universal City, 1991
Mulholland at Multiview Drive, 1991
Mulholland near Pacific Coast Highway, 1991
Mulholland near Kanan Road, 1993
Mulholland at Canyon Lake Drive, 1993
© Karen Halverson

Karen Halverson

Karen Halverson wurde 1941 in Syracuse, New York, geboren. Sie studierte Philosophie und Anthropologie, bevor sie sich für die Fotografie entschied. Sie nahm Unterricht u. a. bei Garry Winogrand und Joel Meyerowitz und entdeckte für ihre Fotografie insbesondere die Weite der amerikanischen Landschaft. 1991 zog sie für 15 Jahre nach Los Angeles, und schnell wurde der Mulholland Drive ihr bevorzugtes Thema, das sie über viele Jahre immer wieder beschäftigte.

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