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PORTFOLIO

31.05.2018

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In Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, befindet sich die größte Müllkippe des Landes. Sie ist Dreh- und Angelpunkt für etliche Menschen, die dort Tag für Tag arbeiten und teilweise sogar wohnen müssen. Obwohl die Deponie öffentlich nicht zugänglich ist, hat sich der Fotograf Tobias Schult auf das riesige Gelände gewagt, um das Leben der Menschen zu dokumentieren.

Wie sind Sie auf die die Müllkippe in Maputo gestoßen?

Als ich im Januar 2018 nach Maputo reiste, wollte ich in erster Linie wegen eines anderen Projekts dorthin. Geflogen bin ich mit meiner guten Freundin Silke, die sich mit ihrem Verein Handle with Care Medical e.V. bereits seit vielen Jahren in Maputo engagiert und mit der Gegend, den Menschen und deren Problemen vertraut ist. Mir war klar, dass ich nebenher noch Zeit haben würde, um Land und Leute kennenzulernen. Auf dem Hinflug erzählte mir Silke von der riesigen Müllkippe in Hulene, einem Randbezirk von Maputo. Es ist die einzige innerstädtische Deponie Maputos und die größte des Landes. Aufgrund des starken Wachstums der Stadt nehmen auch die Abfälle auf der Deponie rasant zu. So rasant, dass die Müllkippe seit langem als „überfüllt“ gilt und schon seit über zehn Jahren geschlossen werden soll. Erbaut im Jahre 1968, erstreckt sich die Deponie mittlerweile über 17 Hektar und hat eine Höhe von bis zu 15 Metern. Das Schockierende ist, dass dort Menschen tage- und nächtelang arbeiten und zum Teil sogar leben. 

Warum verbringen die Menschen so viel Zeit auf der Müllkippe?

Sie suchen nach wiederverwertbaren Materialien, um durch den Weiterverkauf ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Sie sind nicht etwa staatlich angestellt, sondern werden lediglich geduldet. Die Menschen leben nahe der Müllberge in Baracken, einige sogar direkt auf der Deponie, schlafen und essen dort. Viele Kinder arbeiten Tag und Nacht auf der Deponie, anstatt zur Schule zu gehen. Es ist ein Teufelskreis. Grundsätzlich liegt in diesem Gebiet eine eigenartige, latent aggressive Anspannung in der Luft …

Welche Ausrüstung haben Sie benutzt?

Ich war mit einer Leica M10 und der analogen MP unterwegs; als Objektive hatte ich das Elmarit-M 24mm Asph f/2.8, das Summicron-M 35mm f/2.0 und das Summicron-M 50mm f/20 dabei. Mein Guide Helder sorgte dafür, dass wir überall in Maputo leicht Zutritt erhielten. Bei der Müllkippe gelang ihm das aber nicht, obwohl er die Wächter kennt, die dort arbeiten. Es sei dort zu gefährlich, weil viele Leute ein großes Aggressionspotenzial hätten. Darauf wollten wir es aber nicht beruhen lassen und abseits der Wachen haben uns einige Arbeiter eingeschleust. Gemeinsam mit Helders Cousin begann ich vorsichtig, das Gelände zu erkunden. Wenn man unentdeckt bleiben möchte, hilft eine kleine Ausrüstung wie das M-System natürlich sehr. Nach der ersten einstündigen „Führung“ war ich jedoch eher mittelmäßig zufrieden. Die fotogensten Orte waren dort, wo die Wachen hausten und wir auf keinen Fall hingehen konnten. Als ich Helder sagte, dass ich unbedingt dorthin müsse, verhandelte er mit den Wachen. Ich durfte gehen, aber ohne Schutzperson und ohne Fototasche, nur mit meinen beiden Kameras. Einer der Arbeiter aus der Gruppe ging mit mir an den Ort, an den ich wollte. Er sagte mir immer wieder, ich müsse geduckt laufen. Nach einer halben Stunde des Herantastens, in der ich einige Porträts der Arbeiter machen konnte, war ich genau an dem Punkt, zu dem ich wollte. Dort sind die letzten Bilder im Dampf entstanden. Und dann wurde ich erwischt …

Erwischt?

Ja. Ich fotografierte, als mich plötzlich jemand an der Schulter packte und hochzog. Es war ein wütender Wächter, der mir trotz Sprachbarriere unmissverständlich zu verstehen gab, dass ich ein großes Problem hätte. Ich sah mich um und konnte meinen Kontaktmann nicht mehr finden. Ein dummes Gefühl, aber plötzlich sah ich ihn wieder. Er hatte Kollegen mitgebracht, die auf den Wächter einredeten. Doch dieser ließ sich nicht abbringen, hielt weiter mich und eine meiner Kameras fest. Während es immer lauter wurde, fingerte ich schnell die SD-Karte aus der M10 und steckte sie mir in die Socke. Als der Wachmann mich in Richtung seines Büros zog, wurden die Arbeiter körperlich – sie kreisten ihn ein, packten seine Hand mit meiner Kamera und zwangen ihn, mich loszulassen. Dann riefen sie nur noch „Lauf“! Und genau das tat ich. Ich war voller Adrenalin und grinste breit, weil ich genau die Bilder bekommen hatte, die ich wollte.

Mit welchen Gefühlen haben Sie die Gegend verlassen?
 
Ich war zunächst sehr geerdet, weil wir bei den Projekten in Mosambik wirklich erschütternde Dinge gesehen hatten. Obdachlose Kinder, die in niedrigen Kellergewölben einer Ruine wohnen, das staatliche Waisenhaus oder eben die Müllkippe, die im richtigen Licht wie eine Landschaft im Himalaja aussah. Tragischer und gemischter waren die Gefühle, als zwei Wochen nach meiner Rückkehr ein Müllberg abrutschte und die umliegenden Baracken unter sich begrub – und mindestens 17 Menschen. Alles in allem war es ein sehr eindrückliches Erlebnis. Die einzelnen kleinen Feuer, der wabernde Qualm, der beißende Gestank – es war surreal, wie in einem Paralleluniversum.

Alle Fotos auf dieser Seite © by Tobias Schult
© Tobias Schult
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© Maximilian Goedecke

Tobias Schult

Tobias Schult wurde in seiner Heimatstadt Berlin zum Fotografen ausgebildet. Nachdem er für einige Monate in den USA als Assistenz eines Verwandten gearbeitet hat, der mit 30-jähriger Branchenerfahrung zu seinem Mentor wurde, besitzt Schult mittlerweile ein eigenes Studio in Berlin. Als Werbefotograf nahm er bereits Aufträge für so unterschiedliche Firmen wie Nike, ZDF oder Mercedes an. Er wird durch die Agentur Hauser Fotografen vertreten. 

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