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29.03.2018

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In einem Slum in Ugandas Hauptstadt Kampala spielen sich dramatische Szenen ab: Die Bewohner gehen mit schwerem Kampfgerät aufeinander los und tragen erbitterte Kämpfe aus. Aber diese Situationen sind glücklicherweise nur gespielt – denn wir befinden uns in Wakaliwood.

In Wakaliwood im Slum Wakaliga ist, wie der liebevolle, an Hollywood angelehnte Spitzname schon vermuten lässt, eine Filmindustrie entstanden, die besonders bei Fans von Actionfilmen hoch im Kurs steht. So hoch, dass der umtriebige Regisseur Isaac Nabwana als Ugandas Quentin Tarantino gefeiert wird.

Man mag es kaum glauben: Die Filme, die in Wakaliwood mit ebenso geringen Produktionskosten wie -aufwand gedreht worden sind, genießen weltweit Kultstatus. Es ist Nabwanas cineastische Begeisterung, die das Leben von Hunderten Menschen in Kampala grundlegend verändert hat. Der italienische Fotograf Stefano Schirato hat den Alltag in der Traumfabrik von Uganda dokumentiert.

Was hat Sie gereizt, nach Uganda zu gehen?
Den Anstoß gab zunächst eine italienische NGO, die einen Bericht über das Flüchtlingslager Palabek in Auftrag gegeben hatte. Als ich nach weiteren interessanten Geschichten in dieser Gegend suchte, stieß ich auf Wakaliwood.

Was hat die Einwohner von Wakaliga so für Filme begeistert?
Es war der Regisseur Isaac Nabwana, der die Filmleidenschaft seines Bruders geerbt hat: Seine gesamte Kindheit über lauschte er seinem Bruder, wenn der von westlichen Filmen erzählte. Als Isaac 2005 beschloss, selbst aktiv zu werden, entschied er sich zunächst, Musikvideos zu produzieren und zu drehen. 2011 startete der Regisseur Alan Hofmanis aus den USA, der in Uganda lebt, eine Crowdfunding-Kampagne für Nabwanas Film Ebola, die 13.000 Dollar einspielte. Und damit fing alles an. Nach und nach haben sich auch die Menschen in Wakaliga von seiner Leidenschaft anstecken lassen.

Wie reagierten die Menschen in Kampala, als sie erfuhren, dass in einem der Slums eine boomende Filmindustrie entstanden war?
Isaac ist der erste Ugander, der so großen Erfolg in der Filmindustrie hat. Er und alle seine Schauspieler sind in Kampala berühmt. Wenn sie unterwegs sind, bleiben die Passanten auf der Straße stehen, um sie zu grüßen und zu bewundern.

Slums gehören nicht gerade zu den beliebtesten Orten. Glauben Sie, dass sich Wakaligas Ruf geändert hat, als die Dreharbeiten dort immer bekannter wurden?
Dank der Aktivitäten von Isaac ist Wakaliga nicht nur in Nord-Uganda, wo die meisten Filme verkauft werden, bekannt geworden, sondern auch im Ausland. Abgesehen davon glaube ich nicht, dass das das tägliche Leben dort stark verändert hat. In einem Slum zu leben, ist nicht einfach. Ich habe viele Slums besucht und was in Wakaliga anders ist, ist die Einstellung zum Leben. Dank Wakaliwood können die Menschen dort Pläne schmieden und sich in großen Projekten engagieren. Sie arbeiten hart daran, etwas zu erreichen.

Was möchten Sie mit der Wakaliwood-Serie erzählen?
Am meisten beeindruckt hat mich, wie tief Wakaliwood im Slum verwurzelt ist. Isaac und seine Familie leben am selben Ort wie das Team – und das nicht nur zum Arbeiten. In dem Haus, das Isaac selbst gebaut hat, lebt die Familie Nabwana zusammen mit den Schwiegereltern und Mietern. Und der Proberaum, in dem tagsüber die Szenen des Films eingeübt werden, ist nachts voller Schlafsäcke. Als Isaac anfing, Filme zu drehen, bezog er die Bewohner schnell mit ein. Zunächst rekrutierte Isaac sie als Schauspieler – auch solche mit keinerlei Erfahrung. Später gab es einen regelrechten Boom: Die Bewohner haben sich für Filme interessiert und wollten selbst Protagonisten werden, begannen mit dem Schauspiel- und Kampfkunststudium. Die Filmindustrie ist eine Attraktion für die Bewohner und für Touristen: Da sich die Drehorte und Kulissen immer in der Nähe von Isaacs Haus, mitten im Slum, befinden, bleiben Passanten stehen und beobachten, was am Set passiert.

Welche Ausrüstung haben Sie benutzt?
Ich habe eine Leica Q verwendet und finde, dass sie sich hervorragend für Reportagen eignet, weil sie so schnell und leise ist. Der Autofokus hilft Bilder in kürzester Zeit zu erfassen und 28 mm sind meine bevorzugte Brennweite für diese Art von Arbeit. Nach der Verwendung der Q fällt es mir immer schwer, wieder auf andere Kameras umzusteigen.
© Stefano Schirato
© Stefano Schirato
© Stefano Schirato
© Stefano Schirato
© Stefano Schirato
© Stefano Schirato
© Stefano Schirato
© Stefano Schirato
© Stefano Schirato
© Stefano Schirato
Stefano Schirato

Stefano Schirato

Der italienische Fotograf Stefano Schirato wurde 1974 in Bologna geboren. Dort beendete er zunächst sein Studium in Politikwissenschaften, bevor er anfing, als freier Fotograf zu arbeiten. Ein Großteil seiner Arbeit beschäftigt sich mit politischen oder sozialen Themen wie beispielsweise dem Leben kambodschanischer Minenarbeiter in seiner ersten Publikation Gli occhi della Cambogia. Seine Fotos erschienen unter anderen in Geo International, der Washington Post und der International Herald Tribune. Zudem arbeitet er gemeinsam mit NGOs und Verbänden wie Caritas Internationalis, Emergency oder ICMC an Projekten über Menschenrechte und Immigration.

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