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PORTFOLIO

26.02.2016

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In seiner Serie La longue nuit de Mégantic, porträtierte Michel Huneault Menschen und Landschaft in Lac-Mégantic, einer kleinen Stadt in der Provinz Quebec, in der am 6. Juli 2013 ein fahrerloser, mit Rohöl beladener Güterzug explodierte. Bei dem größten Eisenbahnunfall Kanadas in 150 Jahren starben 47 Menschen. Mehrfach reiste Huneault zum Ort des Geschehens, demnächst erscheint bei Schilt eine Monografie. Hier spricht er darüber, wie er die Bildsprache zur Serie entwickelte, wie er Fotografie mit Film verbindet und warum das Projekt fortsetzen will.


Herzlichen Glückwunsch, Michel Huneault, vor ein paar Monaten haben Sie für La longue nuit de Mégantic den 23. Dorothea Lange–Paul Taylor Preis gewonnen. Seit 2013 arbeiten Sie an dem Thema, warum ist das ein besonderes Projekt für Sie?

An La longue nuit de Mégantic habe ich ein ganzes Jahr gearbeitet, 14-mal war ich da und habe dort etwa 70 Tage verbracht. Rund zwei Jahre danach und nachdem ich das Thema noch anders bearbeitet habe, fühle ich mich als Teil der Gemeinschaft. Aus meinen Beziehungen haben sich Freundschaften entwickelt. Es ist sicherlich das persönlichste Projekt, das ich bis jetzt realisiert habe. Ich wollte das Thema nicht nur „begreifen“, sondern dem Betrachter die Möglichkeit geben, sich in die Situation hinein zu versetzen, so, als ob er selbst vor Ort gewesen und Teil der Gemeinschaft wäre. Ich wollte das Trauern verstehen und was es für die Stadt bedeutete: Dutzende von Todesfällen, die Zerstörung der Heimatstadt und des sozialen Netzwerks.


Ihre Bilder zeichnen sich durch eine filmische Atmosphäre aus. Wie haben Sie diese erzeugt?

Ich habe nachts fotografiert, weil sich das Unglück auch nachts ereignet hat und Mégantic für immer veränderte. Mit dem verfügbaren natürlichen Licht und langen Belichtungszeiten hat sich der malerische Effekt fast wie von selbst eingestellt. Ich weiß, dass aus einigen Elementen die Arbeit von Filmemachern, Fotografen und Malern spricht, deren Werke ich schätze, aber das habe ich nicht geplant. Dennoch zählt das zu meiner Bildsprache, ja, aber ich wollte es in diese Richtung nicht übertreiben, die Arbeit nicht dadurch von ihrem dokumentarischen Anspruch wegbringen und sie zu „effekthascherisch“ werden lassen. Die Grenze ist da hauchfein.


Wie haben Sie den Edit für die Mégantic-Serie erarbeitet? Ihr Buch wird bald veröffentlicht.

Ein Edit ist immer eine Herausforderung, besonders wenn es sich um ein solch subtiles Thema handelt, das einen schlecht greifbaren Inhalt hat: Verlust, Abwesenheit, Trauer und Sorge. Ich fand es sehr hilfreich, engeren Freunden meine ersten Edits zu zeigen, denen ich vertraue und die meine Arbeit verstehen. Auch Leuten aus Mégantic habe ich die Arbeit gezeigt und auch Redakteuren, die etwas mit den Bildern anfangen konnten, nicht alle konnten das. Sie haben in dem Werk alle ihre Spuren hinterlassen.


Schließen Sie das Kapitel mit Erscheinen des Buches?

Auf keinen Fall, ich arbeite an einem weiteren Kapitel mit dem Titel The New Memories, das sich sehr von La longue nuit de Mégantic unterscheiden wird, weil es aus neuem Video- und Fotomaterial besteht. In diesem Jahr will ich mich nach North Dakota begeben, den Ort, an dem das Öl, das in Mégantic explodiert ist, gefördert wurde. Ich sehe kein Ende meines Engagements bei diesem Thema, und das ist gut so.


Erfahren Sie mehr über Michel Huneaults Bilder in der LFI 2/2016. Carla Susanne Erdmann

Michel Huneault

Geboren 1976 in Quebec. Studierte bis 2001 Kommunikationswissenschaften in Montreal und bis 2004 lateinamerikanische Kultur sowie Friedens- und Konfliktforschung in Berkeley. Er begann während seiner Zeit als Projektmanager für internationale Friedensorganisationen und andere NGOs, seine Tätigkeit fotografisch zu dokumentieren.

www.michelhuneault.com
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