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PORTFOLIO

28.03.2015

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Gemeinsam mit Photoworks hat die Jerwood Charitable Foundation die Gewinner des ersten national ausgeschriebenen Jerwood/Photoworks-Preises benannt. Der Leica-Fotograf Matthew Finn ist einer der Preisträger. Er wird mit einer Summe von 5000 englischen Pfund sowie einem speziellen Mentorenprogramm bei der Realisierung seines Langzeitprojekts Mother unterstützt. Dafür fotografierte er seit 1988 seine Mutter in ihrer häuslichen Umgebung. In der Fortschreibung des Projekts wird Finn seine Frau in ähnlichen Alltagssituationen und inszenierten Posen fotografieren. Für den LFI-Blog sprachen wir mit ihm über Mütter, den Ödipus-Komplex und natürlich auch über Fotografie.


Warum haben Sie in Schwarzweiß gearbeitet?

Das hat mehrere Gründe. Einige Mentoren während meines Studiums – wie etwa John Blakemore – waren für ihrer Schwarzweißarbeiten berühmt, meine Vorbilder in der Fotografie waren und sind: Lee Friedlander, Emmet Gowan, Garry Winogrand. Raum und Farbe, wie ihn etwa die Amerikaner Richard Misrach, Joel Sternfeld, William Eggleston und später Nan Goldin nutzten, ist Welten von den Licht- und Raumverhältnissen entfernt, mit denen wir es hier im britischen Leeds zu tun haben. Schwarzweiß ermöglichte es mir also, mich auf das reine Bildermachen zu konzentrieren. Außerdem verbringe ich wahnsinnig gerne Zeit in der Dunkelkammer, mache dort meine eigenen Abzüge und kann diese in letzter Instanz überprüfen. Das war und ist für meine Art der Arbeit sehr wichtig.


Wie hat Ihre Frau reagiert, als Sie ihr sagten, dass sie für die Fortsetzung Ihrer Serie Mother Ihre Mutter ersetzen soll?

Ich glaube, es kommt darauf an, wie wir das Wort „ersetzen“ interpretieren. Vielleicht unterscheiden sich da die Auffassungen von mir und meiner Frau. Fotografisch gesehen ist es tatsächlich ein klarer Tausch. Mich interessieren die Idee und die Vorstellung einer Beziehung und wie man sie durch Bilder vermitteln kann. Meine Frau sagte zu mir: „Du kannst mich fotografieren, aber du kannst mich nicht zeigen.“ Ich denke immer noch darüber nach, was wir als gemeinsamen Teil zeigen können.


Wird Ihre Frau genauso wie Ihre Mutter im älteren Teil der Serie gekleidet sein?

Nein. Ich habe aber auch nicht darüber nachgedacht, mich dem Thema auf dieses Weise zu nähern. Vielleicht probiere ich das aus. Aber ein Teil in mir empfindet diese Art der Annäherung als falsch und störend. Es erinnert mich an Psycho und die Beziehung von Norman Bates zu seiner Mutter. Ich würde mir Sorgen machen, wie die Arbeit dann an meine erste Arbeit über meine Mutter anknüpft und wie es ankommen würde.


Kommt Ihr eindrucksvolles Projekt nicht auch ein bisschen ödipal daher?

Wenn man ein Projekt über einen so langen Zeitraum – in diesem Fall 27 Jahre – über eine einzige Person macht, dann muss da eine gewisse Besessenheit vorhanden sein. Als Sohn, der seine Mutter fotografiert, könnte man diese Arbeit als Metapher rund um den Ödipus-Komplex lesen. Ich glaube aber nicht, dass irgendetwas in der Formensprache und Komposition der Bilder eine solche Interpretation nahelegt, aber ich sehe die unterschwellige Spannung in der Arbeit. Die Besessenheit besteht für mich darin, dass ich immer herausfinden will, was als nächstes passiert – vielleicht auch, wie es aufhört?


Wie geht es weiter?

Ich bin mir nicht sicher. Die Kulisse des Hauses ist sehr wichtig. Und alle Bilder die ich seit 1988 gemacht habe, entstanden in diesem einen Haus. Mittlerweile ist das Haus für meine Mutter zu groß geworden und wurde vor Kurzem verkauft. Gerade versuchen wir sie in einer kleineren Wohnung in der Nähe ihrer Schwester unterzubringen. So gesehen scheint das Projekt ein natürliches Ende zu nehmen, aber vielleicht ist es auch nur das Ende eines Kapitels. Vielleicht entscheide ich mich auch, das Projekt in einer anderen häuslichen Umgebung fortzusetzen. Wenn man sich über so lange Zeit mit einer Sache beschäftigt hat und darin tief verwickelt war, ist das Loslassen schwierig. Für mich fühlt es sich so an, als habe das Projekt die Beziehung zu meiner Mutter charakterisiert.


V. Eine Gruppenausstellung der prämierten Arbeiten des Jerwood/Photoworks Award wird im November 2015 im Jerwood Space – im Rahmen des Jerwood-Visual-Arts-Programms – eröffnet. Anschließend wird sie als Wanderausstellung touren und unter anderem in der Impressions Gallery in Bradford zu sehen sein. Weitere Informationen unter: photoworks.org.uk.
Aus der Serie „Mother“ (1988 bis heute), Fortsetzung im Rahmen der Jerwood/ Photoworks Awards 2015
Aus der Serie „Mother“ (1988 bis heute), Fortsetzung im Rahmen der Jerwood/ Photoworks Awards 2015
Aus der Serie „Mother“ (1988 bis heute), Fortsetzung im Rahmen der Jerwood/ Photoworks Awards 2015
Aus der Serie „Mother“ (1988 bis heute), Fortsetzung im Rahmen der Jerwood/ Photoworks Awards 2015
Aus der Serie „Mother“ (1988 bis heute), Fortsetzung im Rahmen der Jerwood/ Photoworks Awards 2015
Aus der Serie „Mother“ (1988 bis heute), Fortsetzung im Rahmen der Jerwood/ Photoworks Awards 2015

Matthew Finn

I. Matthew Finn schloss sein Studium in den frühen 90er-Jahren an der University of Derby ab und verfolgt seither persönliche, unabhängige Projekte, die sich mit dem Thema Zeit und Dauer beschäftigen. Sein Hauptinteresse liegt darin, Menschen zu fotografieren, die er durch bestimmte Lebensentscheidungen kennengelernt hat. Aus diesen Begegnungen heraus erarbeitet er Langzeitprojekte. Finn war einer der drei Gewinner des Jerwood/Photoworks Award.

www.mattfinn.com
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